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Gregor Honsel

Mischt euch ein!

Erstmals in seiner 175-jährigen Geschichte hat der „Scientific American“ eine Wahlempfehlung ausgesprochen.

„Wir tun dies nicht leichtfertig“, schreibt das Magazin. Aber weil Trump durch seine Ablehnung der Wissenschaft und seine Leugnung der Realität den US-Bürgern stark geschadet habe, sei es Zeit, „ihn aus seinem Amt zu entfernen und Joe Biden zu wählen, der schon nachgewiesen hat, dass er sich von Wissenschaft leiten lässt“.

Doch sollten Forscher nicht besser neutral und bei den Fakten bleiben? „Wenn sich die Wissenschaft auf eine parteipolitische Seite schlägt, verliert sie langfristig das Vertrauen der anderen – und schadet so nicht nur sich selbst, sondern auch dem Ziel einer wissensbasierten Gesellschaft“, argumentiert die „Süddeutsche Zeitung“. Wenn Trump ein „uraltes, ehernes Prinzip aufgeklärter Gesellschaften“ aufkündige, nämlich die Trennung zwischen Fakt und Meinung, sei das noch lange kein Grund, es ihm gleichzutun.

Doch genau deshalb ist die Wahlempfehlung berechtigt. Denn dass Trump am laufenden Band lügt und damit viel Unheil anrichtet, ist keine Meinung, sondern eine Tatsache.

Bei allem Streit über die richtigen Wege zur Wahrheitsfindung gab es bisher immerhin einen Konsens darüber, dass eine Annäherung an die Wahrheit erstrebenswert ist. Doch Trump ist die Wahrheit schlicht wurscht. Von Forschern da Neutralität zu fordern, ist etwas viel verlangt. Mathematiker würden ja auch nicht schweigen, wenn Politiker verkünden, 2 + 2 sei heute 5, morgen 4¾ und übermorgen ein bisschen 3.

(Gregor Honsel)

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