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Jennifer Lepies

An den Grenzen der Filterblase

In den sozialen Medien sitzt man in seiner Filterblase fest: Eine neue Studie hat das Verhalten von Social Media-Nutzern in Bezug auf Nachrichtenkonsum untersucht und setzt der verbreiteten Annahme einen Kontrapunkt gegenüber.

Filter-Algorithmen, die unsere Nachrichten online ordnen und selektieren, sorgen dafür, dass sich unser Kenntnisstand verkleinert, so hatte es sinngemäß Eli Pariser vor ein paar Jahren formuliert und damit den Begriff der "filter bubble" mit der Nutzung der sozialen Netzwerke, Suchmaschinen und Websites verbunden. Man kann das bei jedem Einloggen bei Facebook nachvollziehen. Schon lange ärgert mich, dass im Newsfeed die Option "Top Meldungen" als Standard-Einstellung angekreuzt ist und mir so stets die Posts von Freunden und Medien angezeigt werden, die gerade viel "gelikt" werden oder, die ich bei vorheriger Nutzung über Facebook angeklickt hatte. Die Einstellung „Neueste Meldungen“ muss ich jedes Mal wieder selbst aktivieren. Mit jedem Klick auf einen Beitrag, sei es ein News-Artikel oder eine Statusmeldung eines Freundes, bewegt man sich weiter in der Filterblase, beziehungsweise im eigenen politischen Kosmos, und der Wissenshorizont wird – wenn nicht unbedingt weiter eingeengt – so doch konstant gehalten.

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Eine neue Studie widerspricht dieser Entwicklung nun und behauptet sogar, dass Social Media-Nutzer mehr unterschiedliche Nachrichtenquellen nutzten, als solche Nutzer, die Nachrichten außerhalb von Social Media-Plattformen lesen. Damit hätten User von Facebook, Twitter und Co. vielfältigere Informationsbasis als Social Media-Abstinenzler. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, hatten Richard Fletcher vom "Reuters Institute for the Study of Journalism" an der University of Oxford und dessen Direktor Rasmus Kleis Nielsen das Nutzungsverhalten in Bezug auf Nachrichten im Internet und insbesondere in den sozialen Netzwerken untersucht.

Verglichen hatten sie Nutzer in den USA, Großbritannien und Deutschland. Sie konnte dabei auf Daten aus dem diesjährigen "Reuters Institute Digital News Report" zurückgreifen. Sie bildeten drei Gruppen: Nutzer, die ihre Nachrichten nicht über Social Media-Plattformen bezogen (non-users); Nutzer, die sich in Social Media-Plattformen einloggen, um gezielt Nachrichten zu lesen (news user); Nutzer, die sich in Social Media-Plattformen einloggen und dabei zufällig auch Nachrichten lesen.

Um zu bewerten, ob Social Media-Nutzer auch tatsächlich mehrere Nachrichtenquellen aus einem breiteren politischen Spektrum nutzten, bewerteten Flechter und Nielsen die politische Ausrichtung von der Anhängerschaft eines Mediums. Bezeichnete die sich zu 80 Prozent linksorientiert und zu 20 Prozent rechtsorientiert, so ordneten sie die Publikation tendenziell eher links ein. Dies verglichen sie mit den Angaben der genutzten Medien in den sozialen Netzwerken.

In den drei untersuchten Ländern zeigte sich dasselbe Bild. Für Deutschland: 20 Prozent der befragten Nutzer, die nicht über Social Media-Plattformen Nachrichten lesen, bezogen ihre Informationen aus verschiedenen Nachrichtenquellen; 35 Prozent derjenigen, die Social Media-Plattformen nur zufällig zum Nachrichtenlesen verwenden, lasen dazu in verschiedenen Quellen; und 53 Prozent der Nutzer, die ihre Nachrichten gezielt in sozialen Netzwerken lesen, griffen dabei auf verschiedene Quellen zurück.

Wenngleich so der Eindruck entsteht, dass sich Social Media-Nutzer vielfältiger informieren als andere Internetnutzer, so bleibt doch ungewiss, inwiefern das Auswirkungen auf den Wissensstand der Nutzer hat. Denn die Zahlen der Nachrichtenquellen sind insgesamt recht gering: So kommt die Gruppe "News user" auf verschiedene 3,5 Quellen pro Woche, die "Non-user" liegen bei 1,3 Quellen. Ob die Grenzen der Filterblase somit tatsächlich aufweichen oder man durch ein, zwei Link-Klick lediglich kleine Ausflüge innerhalb seiner Blase macht, bleibt also fraglich.

(Jennifer Lepies)

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