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Joseph J. Romm; Übersetzung: Ben Schwan. -- Romm war stellvertretender Staatssekretär für effiziente Energienutzung und erneu

Wasserstoff-Autos für die ferne Zukunft

Die technischen Herausforderungen sind enorm. Im September 2003 ermittelte ein Panel des US-Energieministeriums zur zukünftigen Wasserstoff-Wirtschaft, das von der MIT-Physik- und Elektrotechnik-Professorin Mildred Dresselhaus geleitet wurde, dass Brennstoffzellen bis zu hundert Mal so teuer sind wie heutige Verbrennungsmotoren. Das fortschrittlichste System zur Wasserstoff-Speicherung, sehr hoher Druck, besitzt sieben- bis zehnmal weniger Energie pro Volumeneinheit wie Benzin. Hinzu kommt die enorme Kompressionsenergie, die benötigt wird. Erst letzten Monat kam ein hervorragend besetzter Ausschuss an der nationalen Wissenschaftsakademie der USA zu dem Schluss, dass diese Technik "auf lange Sicht kaum Praxiswert" habe. Und ein Bericht der American Physical Society aus dem März meint, dass ein "neuer Werkstoff entdeckt" werden müsste, um das Problem der Speicherung zu lösen.

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Das Panel des US-Energieministeriums meint weiter, dass die Kosten der Wasserstoff-Produktion erst um den Faktor vier gesenkt werden müssten, um eine Wasserstoff-Wirtschaft wettbewerbsfähig mit den heutigen fossilen Brennstoffen zu machen. Große Fortschritte seien auch bei der Wasserstoff-Infrastruktur und der Sicherheit vonnöten. Das Panel schließt mit dem Hinweis, dass die heutigen Defizite sich nicht über einzelne kleine Schritte bei der Verbesserung aktueller Technologien beheben lassen, sondern "revolutionäre konzeptionelle Durchbrüche" nötig sind.

Ein kommerziell tragfähiges Wasserstoff-Produkt dürfte deshalb noch sehr lange auf sich warten lassen. Revolutionäre Fortschritte in der Energietechnologie sind rar. Es hat sowohl Wind- als auch Solar-Energie jeweils 20 Jahre und hohe Investitionen von staatlicher und privater Seite gekostet, bis die Preise dafür auf ein Zehntel gesunken sind. Und trotzdem stellen Wind und Solar bislang noch immer weniger als ein Prozent der Stromerzeugung in den USA.

Alternative Treibstoffe für Fahrzeuge haben mit einer noch größeren Herausforderung zu kämpfen: Sie müssen sich gegen die bereits für Billionen Dollar aufgebaute Infrastruktur zur Betankung mit Benzin oder Diesel durchsetzen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten gab es zwei größere Versuche mit alternativen Antrieben: Elektro- und Erdgasautos -- und beide sind gescheitert. Dabei sind sowohl Strom als auch Erdgas weit verbreitet und günstig zu haben. Wasserstoff ist dagegen fast nirgendwo erhältlich und im Vergleich teuer. Unsere Fahrzeuge und die Infrastruktur sind auf flüssige Brennstoffe ausgerichtet, die eine hohe Energiedichte haben und leichter zu handhaben sind, als flüchtige Gase wie Wasserstoff.

Nach Gesprächen mit Experten im ganzen Land komme ich daher zu dem Schluss, dass Wasserstoff-Autos bis 2030 wahrscheinlich nicht einmal fünf Prozent Marktanteil haben werden. Beeilen brauchen wir uns bei der Fertigung dieser Fahrzeuge also nicht.

Es ist eine weit verbreitete Fehlannahme, dass Wasserstoff an sich gut für die Umwelt ist. Tatsächlich ist Wasserstoff nicht umweltfreundlicher als die Energiequellen, die zu seiner Erzeugung genutzt werden. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass fossile Brennstoffe mehrere Jahrzehnte lang die Hauptgrundlage für Wasserstoff bilden werden", meint der Ausschuss der US-Nationalakademie. Jeder verfrühte Start bei den Wasserstoff-Autos würde zwangsläufig dazu führen, dass der Wasserstoff aus Erdgas, der billigsten Grundlage, produziert würde. Aufgrund der eingeschränkten nordamerikanischen Gasversorgung würde dann Ergas statt Erdöl importiert werden müssen.

Noch wichtiger erscheint mir, dass laut einer MIT-Studie Brennstoffzellen-Fahrzeuge mit Wasserstoff aus Erdgas insgesamt keinen Vorteil bei der Verringerung der Treibhausgase bringen, wenn man sie mit fortschrittlichen hybriden Benzin-Motoren vergleicht. Die besten neuen Hybrid-Fahrzeuge haben den Verbrauch und damit den Schadstoff-Ausstoß deutlich reduziert. Mit schwefelarmem Benzin kommen aus dem Auspuff eines aktuellen Toyota Prius insgesamt 90 Prozent weniger Emissionen als bei einem durchschnittlichen Neufahrzeug.

Der billigste Wasserstoff dagegen ist schmutzig. So soll der gesamte Stickstoffausstoß dreimal so hoch sein wie bei den besten aktuellen Autos, wenn man auf der Grundlage von Wasserstoff-Tankstationen rechnet, die Royal Dutch/Shell vorgeschlagen hat.

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