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Rachel Metz

Virtuelle Realität zum Mitarbeitertraining

Virtuelle Realität zum Mitarbeitertraining

Bild: Strivr

Glamourös sind die VR-Anwendungen, die verschiedene US-Firmen planen, nicht – dafür praxisnah.

Wer jemals in einem Ladengeschäft der US-Supermarktkette Walmart an einem "Black Friday" war, weiß, dass sich die dortigen Mitarbeiter nur schwer auf einen solch unfassbaren Ansturm vorbereiten können. Mittels Virtual-Reality-Brille soll das künftig aber möglich sein.

Strivr, ein amerikanisches Start-up, das sich auf Mitarbeitertraining mittels VR spezialisiert hat, bietet eine entsprechende Anwendung an, die so realistisch sein soll, dass die Retail-Mitarbeiter ein Gefühl dafür bekommen, was es heißt, am Shoppingtag Nummer 1 im Laden zu stehen.

Die Walmart-App ist nicht die einzige Simulation, die Strivr mit seinen Büros in San Francisco und im Silicon Valley entwickelt hat. In einer anderen Anwendung steht man mitten auf einem Football-Feld der US-Liga NFL. Die VR-Erlebnisse sind jeweils an den Kunden angepasst und werden mittels 360-Grad-Kameras und spezieller Software erstellt. Mitarbeiter unterschiedlichster Bereiche sollen so vorher lernen können, mit schwierigen Situationen umzugehen. "Unsere Produktvision ist es, eine Art Flugsimulator für jeden Job anzubieten", sagt Derek Belch, Gründer und Chef von Strivr.

Die Virtual Reality ist noch lange nicht im Mainstream angekommen – die beste aktuell verfügbare Hardware ist nicht einfach zu bedienen und außerdem zu teuer, als dass man sie sich mehr als nur zum gelegentlichen Ausprobieren ins Haus holen wollte. Zudem fehlt es nach wie vor an Killerapplikationen. Einige Firmen experimentieren mit der Technik, doch ob das Geld bringen wird, ist noch unklar. Neben dem noch kleinen Endkundenmarkt gibt es noch nicht viel.

Strivr glaubt unter anderem an den Sportmarkt. Belch selbst startete die Firma 2014 als ehemaliger Football-Coach und Masterstudent an der Stanford University, um Spielern beim Training zu helfen – solche, die nur eine geringe Zeit auf dem Feld sind. Er lernte, dass 360-Grad-Filme, die auf einem VR-Headset abgespielt wurden, realistischer und eindringlicher waren. Normale Videos konnten dagegen nicht anstinken.

Also experimentierte Belch und filmte ein Football-Training einmal die Woche mit einem Panoramasystem aus GoPro-Kameras aus der Quarterback-Perspektive. Das Ergebnis sei wirklich gut gewesen. Nach dem Abschluss seines Studiums entschied er sich, aus der Idee eine Firma zu machen. Und der Chef-Football-Coach von Stanford, David Shaw, steckte sogar Geld in das Start-up.

Heute sitzt Strivr zwischen dem Facebook-Hauptquartier und der Stanford University in Menlo Park – und kümmert sich auch um ganz andere Dinge als Football. Neben Walmart und verschiedenen NFL- und anderen Sportteams arbeitet die Firma mit der Baumaschinenvermietung United Rentals, zwei Autoproduzenten und verschiedenen anderen Kunden. Auch Stanford nutzt Strivr weiter und filmt pro Woche 80 Spiele.

Strivr arbeitet mit einem Abomodell – wie teuer es ist, gibt die Firma nicht an. Dafür bekommen die Kunden 360-Graf-Kameras, eine Software zur Bearbeitung und ein Oculus-Rift-Headset zum Anschauen. Da die Rift aufzeichnen kann, wie ein Nutzer seinen Kopf im Raum bewegt, kann Strivr zudem die Daten erfassen, wie Mitarbeiter auf die VR-Welten reagieren und Firmen Aufmerksamkeitsdaten liefern.

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Brock McKeel, leitender Direktor für Digital Operations bei Walmart, hält die Technik für hilfreich. Strivr wird mittlerweile in 187 Trainingszentren eingesetzt – und zwar in drei Bereichen. Dazu gehört die Vorbereitung auf Black Friday und andere Events, Notsituationen, die man nicht im Laden ausprobieren kann, Kundendienstsimulationen sowie eine Einführung, wie Produkte im Laden angeordnet werden.

In Zukunft soll Strivr in weiteren Arbeitsbereichen eingesetzt werden. VR-Training soll unter anderem für den Umgang mit Gefahrensituationen und das Erlernen von "Soft Skills" etwa in der Hotellerie verwendet werden. In Zusammenarbeit mit einer technischen Hochschule wurde zudem eine VR-Simulation erstellt, die zeigt, wie die Arbeit auf einer Baustelle ist – inklusive Sicherheitstipps.

Noch ist es für Strivr allerdings schwer, sein Produkt an eine große Zielgruppe zu bringen. Firmen probierten das Produkt nur zögerlich aus. Sind sie den Umgang mit Helmen oder Schutzbrillen gewöhnt, ist das etwas anderes. "Dann ist die Umstellung einfach. Wer das nicht kennt, braucht eine Weile."

(Rachel Metz)

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