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US-Offensive gegen unerwünschte Werbeanrufe

US-Offensive gegen unerwünschte Werbeanrufe

Trotz Verboten und Schwarzen Listen werden US-Telefonkunden häufig mit betrügerischen Werbeanrufen belästigt. Eine neue Arbeitsgruppe soll jetzt bessere technische Abwehrmaßnahmen dagegen entwickeln.

Die "do not call"-Liste, die Telefonkunden in den USA vor unerwünschten Werbeanrufen schützen soll, funktioniert nicht mehr. Seriöse Telemarketingfirmen verzichten zwar tatsächlich auf Anrufe, wenn eine Telefonnummer auf dieser Schwarzen Liste steht (das deutsche Äquivalent dazu ist die “Robinsonliste“). Kriminelle Telefonspammer aber rufen trotzdem an, denn es ist für sie sehr leicht geworden, sich einer Strafverfolgung zu entziehen.

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Die Federal Communications Commission (FCC) setzt deshalb jetzt darauf, dass die Telefongesellschaften das Problem lösen. "Derzeit ist es so, dass die bösen Jungs die guten mit Technologie schlagen", sagte der FCC-Kommissar Tom Wheeler beim Auftakttreffen eines Teams aus Vertretern der Branche, das seine Behörde zur Bekämpfung der "Plage" der automatischen Anrufe zusammengerufen hat.

Unerwünschte Anrufe sind der häufigste Grund für Verbraucherbeschwerden bei der FCC – pro Jahr verzeichnet die Behörde laut Wheeler 200.000 davon. Ein in den USA bekanntes Beispiel für einen solchen Roboter-Anruf ist: "Rachel aus der Kartenabteilung". Die Computer-Stimme erzählt, der Angerufene sei für eine Kreditkarte qualifiziert, um ihm Finanzinformationen zu entlocken. Bei einem anderen häufigen Betrugsversuch behauptet eine Stimme, für die US-Steuerbehörde Internal Revenue Service zu arbeiten.

Dank billiger automatischer Wählmaschinen und Spoofing-Werkzeugen, die auch gegenüber der Telefongesellschaft die wahre Quelle des Anrufs verschleiern, sind solche Anrufe für Betrüger heutzutage problemlos zu organisieren.

Die vom AT&T-CEO Randall Stephenson geleitete "Robocall Strike Force", an der sich mehr als 30 Technologiefirmen beteiligen, soll das ändern. Ihre Aufgabe ist die Entwicklung von "umfassenden Lösungen zum Verhindern, Aufdecken und Ausfiltern unerwünschter Robo-Anrufe". Bis Mitte Oktober soll sie der FCC einen Plan dafür vorlegen.

Theoretisch stehen dafür bereits einige Werkzeuge zur Verfügung. Neben dem National Do Not Call Registry (geführt bei der FCC) gibt es Smartphone-Apps, die bekannte Spammer blockieren oder ihre Anrufe sofort zur Mailbox umleiten. Mit einem Produkt namens Nomorobo lassen sich eingehende Anrufe auch im Festnetz mit einer Datenbank bekannter Spammer abgleichen.

Solche Abwehrmaßnahmen lassen sich durch die Fälschung der Anrufer-Nummer jedoch leicht umgehen. Dafür genügt Standard-Software für Voice-over-IP-Systeme, erklärt Henning Schulzrinne, Professor für Informatik und Elektrotechnik an der Columbia University, der von 2011 bis 2014 Technikchef der FCC war und diese Position ab dem nächsten Jahr erneut besetzen wird. Bei diesem "Spoofing" wird nicht nur der Angerufene über die wahre Herkunft eines Anrufs getäuscht, sondern auch seine Telefongesellschaft. Noch schwieriger wird die Angelegenheit dadurch, dass viele Spammer aus dem Ausland und damit außerhalb der Reichweite von US-Behörden operieren.

Aus diesem Grund beschäftigt sich auch die Internet Engineering Task Force, in der offene technische Standards für das Internet entwickelt werden, mit dem Problem. Zusammen mit Telekommunikationsunternehmen arbeitet sie an neuen Möglichkeiten zur Identifizierung der Herkunft von Anrufen aus dem Internet. So könnte der Dienstleister, von dem ein Anruf ausgeht, mit einer kryptografischen Signatur bestätigen, dass die dafür angegebene Anrufer-Nummer korrekt ist. Mit einer Validierung dieser Signatur auf dem weiteren Transportweg ließen sich dann gefälschte Nummern herausfiltern.

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Wie aggressiv werden Telekommunikationsunternehmen an dem Problem arbeiten? Viele Gesellschaften haben wenig Interesse an der Spam-Bekämpfung, weil sie von jeglichem Verkehr in ihren Netzen profitieren, sagt Gail-Joon Ahn, Leiter des Laboratory of Security Engineering for Future Computing an der Arizona State University. Laut Schulzrinne könnte sich das jedoch ändern, wenn die Zahl der Beschwerden über die Robo-Anrufe weiter zunimmt.

(Mike Orcutt)

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