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Martin Kölling

Post aus Japan: Wo die Haut noch Barriere bleibt

Post aus Japan: Wo die Haut noch Barriere bleibt

Bild: Xenoma

Die Verschmelzung von Technik und Mensch schreitet in Nippon bislang respektvoll voran. Sensoren werden noch nicht zum Eindringling.

An tragbarer Technik aus Japan hat mich bisher immer fasziniert, dass sie die Haut des Menschen als natürliche Barriere respektieren. Dies war schon für den Entwickler des Exoskeletts von Cyberdyne so. Er nannte sein Startup zwar nach der Firma in den "Terminator"-Firmen, die die menschenvernichtende Intelligenz entwickelte hatte. Aber er versucht, dem Vorbild den Schrecken zu nehmen. Sein Roboteranzug liest zwar die Intentionen des Trägers. Aber sie tut es nicht über implantierte Sensoren, sondern eine Messung von Nervenimpulsen in der Haut.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Die neuesten Gedankenleser, die Nissan auf der amerikanischen Elektronikmesse CES vorstellte, lassen sich ebenfalls tragen. Buchstäblich auf den Leib rückt dem Menschen allerdings ein Startup der Universität Tokio mit einem Sensorpulli. Die Firma nennt sich Xenoma und ihr Produkt e-Skin, "das menschenfreundliche Interface".

e-Skin sieht zugegebenermaßen recht fesch aus. Es kommt wie schwarze Sportbekleidung daher, die mit ihren silbernen Linien wie ein Designerobjekt wird. Die japanische Zeitung Nikkei verglich das Kleidungsstück daher mit einem Spider-Man-Kostüm. Die Sensoren umfließen so den Oberkörper und die Arme und können damit auch Bewegungen erfassen.

Darüber hinaus sind noch ein Gyro- und ein Beschleunigungssensor mitsamt einer Bluetooth-Einheit auf dem Shirt untergebracht. Derart ausgestattet kann die Kleidung nun allerlei messen: Die Körpertemperatur, den Puls, die Bewegung und damit die Haltung des Menschen. Und waschbar ist die elektronische Haut auch.

Die jungen Gründer haben sich für ihre Idee bereits eine Reihe an Anwendungen ausgedacht: Sportler können es nutzen, um Körper und Bewegungsdaten zu erheben. Schreibtischarbeiter könnte die e-Skin zu aufrechter Sitzhaltung ermutigen, um Rückenschmerzen vorzubeugen. Und bei Gamern dient das Produkt zur Steuerung des Avatars in Spielen. Der kann dann die Bewegungen nachmachen, die der Mensch ihm vormacht.

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Das beste an der Idee ist für mich allerdings, dass sie wirklich auf dem Weg aus dem Elfenbeinturm in die Welt hinaus ist – und dies ein wenig mit deutscher Hilfe. Auf der CES heimste die Firma mit ihrem intelligenten Pyjama nicht nur einen Preis ein. Sie hatte auch für die deutsche Modemarke Hugo Boss auch ein Golfhemd entwickelt, das die Bewegung des Spielers aufzeichnet. Die Daten werden dann über eine App ausgewertet und dem Spieler vorgehalten, um das Spiel zu verbessern.

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Die Idee geht dabei schon über das Prototypenstadium hinaus. Xenoma bietet einen Entwicklerkit für etwa 4 000 Euro feil, um andere Modedesigner zu gewinnen. Bei der medizinischen Anwendung hilft dann wieder Deutschland mit. Im April und März will das Unternehmen an der Universität Duisburg-Essen den Einsatz in der Pflege testen, zum Beispiel bei Demenzpatienen. Selbst Parkinson könnte anhand von Bewegungsmustern erkannt werden, meinen die Entwickler.

Wer dies selbst ausprobieren will, muss sich unter Umständen nicht mehr allzu lange gedulden. Der Xenoma-Mitgründer Masao Nakajima erzählte auf der Messe in Amerika, dass er schon 2019 ein Produkt bei Hugo Boss anbieten will. Die Zeit der Wearables kommt nun wirklich langsam näher.

(Martin Kölling)

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