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Post aus Japan: Schneller Akkuwechsel 2.0

Post aus Japan: Schneller Akkuwechsel 2.0

Bild: Panasonic

Bei E-Autos ist die Idee grandios gescheitert, lange Ladezeiten durch den Austausch ganzer Batteriesätze zu verkürzen. Nun wollen zwei japanische Firmen die Idee wiederbeleben – auf spezielle Art.

Ob bei Handys oder elektrischen Mobilitätsgeräten, die zeitliche oder räumliche Reichweite mitsamt Ladezeiten bleiben Sorgenkinder. Nun wollen der japanische Autobauer Honda und der Elektronikkonzern Panasonic eine bisher oft gescheiterte Idee testen, rasant mit voller Ladung weiter zu fahren: durch Batteriewechsel für Motorräder und mobile, tragbare Stromspeicher Hondas.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Unterstützt von der japanischen Forschungsbehörde Nedo werden die beiden Firmen in Indonesien, dem drittgrößten Motorradmarkt der Welt, mehrere Dutzend Akkutauschstationen errichten, um Akzeptanz und Machbarkeit zu untersuchen. Fahrer elektrischer Scooter können dann kurz vor Erschöpfung ihres Akkus eine Station ansteuern und nach wenigen Handgriffen und herumwuchten der Energiespeicher weiter fahren.

Akku ins Büro mitnehmen

Ganz neu ist die Idee beileibe nicht. Es gibt bereits Scooter mit herausnehmbarer Batterie, die daheim oder im Büro geladen werden kann, so man die über zehn Kilogramm schweren Pakete zu schleppen vermag. Aber was fehlt, ist eine Infrastruktur für den Batterietausch. Doch die Frage ist, ob der neue japanische Ansatz über das Teststadium hinauskommt. Die Hürden für diese einleuchtende Idee scheinen erstaunlich hoch zu sein. Einzig bei Fahrrädern hat sie sich durchgesetzt, jedoch weder bei kleinen Handys noch großen Elektroautos.

Bei Handys nehmen die meisten Menschen stattdessen lieber portable Energiespeicher mit, um sie durch ein Kabel mit dem mobilen Gerät zu verbinden. Das ist wohl einfacher, als erst das Gehäuse zu öffnen und dann Akkus zu tauschen. Mir sind früher bei solchen Aktionen schon mal der Akku oder das Handy heruntergefallen (ganz abgesehen davon, dass sich Apples iPhones sowie auch Geräte anderer Herstellern gar nicht einfach so öffnen lassen).

Vollautomatischer Akkuwechsel

Bei Autos wiederum demonstrierten Nissan und das Startup Better Place 2009 in Tokio, wie vollautomatisierte Batteriewechselstationen die mehrere hundert Kilogramm schweren Akkus innerhalb von 60 Sekunden bei Elektroautos austauschen konnten. Doch auch diese Idee hob nicht ab. Denn das Problem war schon im Ansatz zu komplex.

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Immerhin hätten die Autohersteller sich lange bevor sie mit dem Design von elektrischen Massenmodellen begonnen hatten, entweder auf einen Batteriestandard einigen müssen, um die Idee wirtschaftlich und praktisch lebensfähig zu machen. Schließlich benötigen die Hersteller einen recht großen Vorrat an geladenen Batterien, damit Autofahrer eine Batterie erhalten. Und je höher die Vielfalt wäre, desto größer müssten Ladestationen sein.

Weniger hohe Investitionen

Oder jeder Hersteller hätte ein eigenes Netzwerk von Ladestationen aufbauen müssen. Doch nicht einmal der kalifornische Elektroautopionier Tesla hat sich diese Verrücktheit getraut. Elon Musks Gründung hat zwar irgendwann einmal eine Demostation errichtet, aber seine Serienmodelle nicht mit schnell austauschbaren Akkus gebaut. Seither hat Tesla noch ein Patent auf eine mobile Station angemeldet. Aber eine Patentanmeldung besagt noch lange nicht viel, sondern dient manchmal nur dazu, eine Idee abzusichern oder Medienecho zu erzeugen. Tatsächlich setzt der Hersteller lieber auf Schnellladevorrichtungen, die weniger hohe Investitionen erfordern.

In Hondas Fall könnte es allerdings bei Motorrädern etwas werden, besonders in südostasiatischen Märkten. Dort hat Honda einen recht hohen Marktanteil. Daher könnten sich Ladestationen selbst bei einer beschränkten Zahl an Akkuformen im Alleingang lohnen. Gleichzeitig ist besonders in Asien die Zeit reif für elektrische Scooter, gerade in asiatischen Megacities. Denn die dortigen Zweitakterschwärme tragen mit zur hohen Luftverschmutzung in den den Städten bei. Schneller Batteriewechsel könnte beim Kampf um diese Märkte ein Verkaufsargument sein. Ab Dezember wird sich dann zeigen, ob die Idee des Akkuwechsels in der klassischen motorisierten Mobilität eine Zukunft hat.

(Martin Kölling)

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