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Martin Kölling 16

Post aus Japan: Batterien für den Shinkansen

Post aus Japan: Batterien für den Shinkansen

Bild: Hahifuheho / Wikipedia / cc0

Eine Bahngesellschaft in Nippon spendiert ihrem Superschnellzug Batterien. Damit soll der 16 Wagon lange Shinkansen nach Stromausfällen aus Tunneln und von Brücken fahren können.

Superschnellzüge fahren auch in Japan mit Strom. Und damit sie das auch bei Stromausfall tun, hat sich die japanische Bahngesellschaft JR Central etwas Besonderes ausgedacht: 2020 – pünktlich vor den olympischen Spielen in Tokio – werden die ersten Shinkansenzüge der N700S-Serie mit Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt. Und um zu zeigen, wie gut das klappt, hat das Unternehmen schon im Juli ein paar Journalisten transportiert.

Die Notbeleuchtung schaltete sich an, die Klimaanlage aus. Dann rollte der Zug mit 30 km/h über die Gleise im Betriebshof Mishima. In Zukunft soll er dann das gleiche tun, wenn der Strom wegen Erdbeben oder anderen Problemen ausfällt. So können Züge dann aus Tunneln oder von Brücken rollen, damit die Passagiere besser evakuiert werden können. Die Toilettenspülung funktioniert während der Notstromfahrt weiterhin.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Ermöglicht wird der Einbau der Batterien dadurch, dass andere Bauteile wie der Transformator im Unterboden verkleinert und das Layout der Strukturen optimiert wurden. damit die Produkteinführung auch problemlos klappt, führt die Bahngesellschaf seit 2018 Langzeittests durch. Der Hauptpartner bei der Entwicklung war Toshiba Infrasystems, eine Tochtergesellschaft des Technikkonzerns Toshiba.

Gegen Tsunamis und Erdbeben

Die Innovation ist ein weiteres Beispiel für die Versuche der Japaner, die Gewalt der Natur im Allgemeinen und besonders die von Erdbeben zu zähmen. Selbst alte Gebäude werden nachgebessert, entweder durch den Ein- oder Anbau von Stahlträgern und Puffern oder noch aufwändigeren Maßnahmen.

Der historische Amtssitz des Ministerpräsidenten oder die alte Residenz des koreanischen Botschafters wurden mit Betonplatten unterfüttert, zur Seite gerollt und dann auf Gummipuffer gestellt. Und das waren nur kleine Arbeiten. Selbst der 350 Meter lange, 1914 errichtete Tokioter Hauptbahnhof wurde nachträglich mit Puffern und Dämpfern unterfüttert.

Nach dem Megabeben von 2011 wird nicht mehr nur die Infrastruktur erdbebensicherer gemacht, sondern auch die Autarkie von Energiesystemen verbessert. Bei neueren Hochhäuser im Umkreis des Tokioter Bahnhofs werden die Notstromsysteme beispielsweise nicht mehr in den unterirdischen Tiefgeschossen eingebaut, wo sie bei einem Tsunami absaufen könnten, sondern wie beim Nijubashi Building, das auf den Kaiserpalast guckt, in der dritten und vierten Etage. Und die Bahngesellschaften wollen dabei ebenfalls nicht zurückstehen.

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Ab auf den Weltmarkt

Sogar an die globale Vermarktung des Batteriezugs wurde bereits gedacht. So hat JR Central die Technik nicht nur für den üblichen, 16 Wagons langen Shinkansen ausgelegt, sondern skalierbar. So können auch kürzere Züge bei Stromausfällen einen Sicherheitspuffer gewinnen.

Und wo wir schon beim Einbau von Batterien in Zügen sind: Die Bahngesellschaft JR Tokai will noch dieses Jahr den Test eines Hybridzugs mit Motorabschaltung abschließen. Bei dem 120 km/h schnellen Regionalzug wird ein Dieselmotor Strom für den Elektroantrieb produzieren. Zusätzlich ist eine Batterie an Bord, die die Bremsenergie speichern und beim Zughalt oder beim Beschleunigen wieder abgibt.

So kann der Dieselmotor im Bahnhof abgeschaltet und die Zugelektrik samt Klimaanlage aus der Batterie mit Strom versorgt werden. Die Bahngesellschaft will damit nicht nur den Fahrkomfort verbessern, sondern auch den Kraftstoffverbrauch um 15 Prozent.

(Martin Kölling)

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