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Karen Weintraub 2

Ovascience in Schwierigkeiten

Ovascience in Schwierigkeiten

Das Versprechen war groß: Mit Hilfe von neu entdeckten Eivorläuferzellen wollte das Start-up Ovascience künstliche Befruchtungen auch bei älteren Frauen erfolgreich vornehmen. Doch Erfolge kann es kaum vermelden.

Ovascience, ein Unternehmen, das künstliche Befruchtungen auch bei älteren Frauen ermöglichen wollte, rudert bei seinem wichtigsten Produkt zurück und hat Ende 2016 zum zweiten Mal in dem Jahr seinen Chef ausgewechselt.

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Zuvor hatte ein Artikel in der US-Printausgabe von Technology Review Zweifel an der von Ovascience eingesetzten Technologie geweckt. Trotz dünner Belege für die Wirksamkeit zur Steigerung der Fruchtbarkeit wird sie außerhalb der USA schon seit 2014 vermarktet.

Ende Dezember vermeldete das strauchelnde Unternehmen, dass sein CEO Harald Stock zurückgetreten sei. Zur Interims-Nachfolgerin wurde die Mitgründerin Michelle Dipp bestimmt. Anfragen nach einem Interview mit Dipp wies eine Sprecherin zurück. Außerdem meldete Ovascience den Rückzug seines Chief Operating Officer und die Verkleinerung der Belegschaft um 30 Prozent.

Gegründet wurde das Unternehmen vor sechs Jahren von einem heute an der Boston University tätigen Wissenschaftler auf der Grundlage einer Entdeckung, die alte Lehren in Frage stellte: Der Forscher wollte "Eivorläuferzellen" in menschlichen Eierstöcken gefunden haben, über die ältere Frauen neue, junge Eier hervorbringen und so ihre Reproduktionsfähigkeit verlängern könnten.

Dank dieses revolutionären Versprechens wurde Ovascience an der Börse zeitweise mit 1,8 Milliarden Dollar bewertet. Zum Jahresende 2016 aber war das Unternehmen nach einem langen Kursverfall der Aktie nur noch 47 Millionen Dollar wert.

Bei seinem Hauptprodukt, genannt Augment, werden aus Vorläuferzellen energieerzeugende Strukturen namens Mitochondrien entnommen und dann zusammen mit Spermazellen in die Eier von Frauen injiziert, die eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen; dies soll die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen.

Weil es kaum Daten zur Bestätigung einer erhöhten Erfolgsquote gibt, wurde Augment in den USA nie zugelassen. Angeboten wurde die Therapie aber in zehn Kliniken in Japan, Kanada und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Der Erfolg blieb allerdings mäßig. Ovascience hatte einst 1000 Augment-Behandlungen pro Jahr prognostiziert, kam aber in den ersten neun Monaten 2016 nach eigenen Angaben aber nur auf 91 davon, mit einem Umsatz von 532.000 Dollar.

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Im Rahmen seiner angekündigten "geschäftlichen Neuausrichtung" will das Unternehmen jetzt die Vermarktung von Augment zurückfahren und weitere klinische Studien mit dem Verfahren aussetzen. Ein Markteintritt in den USA werde weiter "geprüft", Details dazu wurden aber nicht genannt.

Forschung und Entwicklung an der ursprünglicheren, radikaleren Idee, aus den sogenannten Eivorläuferzellen von älteren Frauen neue Eier zu züchten, will Ovascience fortsetzen. Ob es diese Ei-Stammzellen tatsächlich gibt, ist aber wissenschaftlich umstritten.

Anleger scheinen zu wetten, dass sich die Forschungsarbeit nicht auszahlt und dass die weiteren Bemühungen des Unternehmens fruchtlos bleiben. Sein aktueller Wert macht weniger als die Hälfte der Barreserven von 130 Millionen Dollar aus, die es Ende September auf dem Konto hatte.

Manche aber hoffen wegen der einzigartigen Ausrichtung von Ovascience weiter auf eine Wende. Nur sehr wenige Biotech-Unternehmen versuchen sich an Innovationen in der Fruchtbarkeitsmedizin.

"Es wäre ein Fehler, sie einfach abzuschreiben", sagt Jake Anderson-Bialis, ein Wagniskapitalgeber, der die Patienten-Community FertilityIQ mitgegründet hat. "Ich würde das Geld wahrscheinlich in die Suche nach anderen überzeugenden Technologien investieren, die noch an Universitäten versteckt sind." Derzeit hält Anderson-Bialis nach eigenen Angaben Ovascience-Aktien im Wert von rund 500 Dollar, für die er beim Einstieg 10.000 Dollar bezahlt hat.

Bis Ende September hatte das Unternehmen in den sechs Jahren seines Bestehens 228 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung, Geschäftsbetrieb und andere Aufwendungen ausgegeben.

(Karen Weintraub) / (sma)

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