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IEA: Städte müssen bei sauberer Energie vorangehen

IEA: Städte müssen bei sauberer Energie vorangehen

Weltweit sind die Emissionen von Kohlendioxid im vergangenen Jahr zum ersten Mal trotz Wirtschaftswachstums gesunken. Die IEA fordert zur Erreichung der Pariser Klimaziele jedoch deutlich entschlossenere Maßnahmen.

Fangen wir mit den guten Nachrichten an. Die Emissionen von China, dem Land mit dem höchsten Ausstoß von Kohlendioxid weltweit, sind 2015 laut vorläufigen Daten der Regierung um rund 3 Prozent gesunken, hauptsächlich aufgrund langsameren Wirtschaftswachstums und eines dramatischen Rückgangs bei der Verbrennung von Kohle. Auch in den USA sind die Kohlendioxid-Emissionen im Energiebereich (der 90 Prozent des Gesamtwerts ausmacht) von 2014 auf 2015 nach Angaben der U.S. Energy Information Administration um fast 3 Prozent gefallen. Weltweit wurde im Jahr 2015 ein Rückgang von 0,6 Prozent erreicht, wie aus einer Studie in Nature Climate Change hervorgeht. Damit sind die Emissionen erstmals in einer Zeit des Wirtschaftswachstums gesunken.

Und jetzt die schlechte Nachricht: Zur Vermeidung einer katastrophalen Erderwärmung ist damit noch nicht viel geschehen. Ein Anfang Juni veröffentlichter Bericht der Internationalen Energieagentur mit dem Schwerpunkt urbaner Verbrauch enthält einige ermutigende Prognosen. Eine nähere Beschäftigung damit zeigt jedoch, dass sie überaus optimistisch sind.

Laut der IEA-Prognose wird die weltweite Energienachfrage von heute bis 2050 weiter zunehmen, lässt sich aber mit entschiedenem Eingreifen der Regierungen so steuern, dass die globale Erwärmung auf höchstens 2 Grad Celsius begrenzt bleibt. Städte machen etwa zwei Drittel der globalen Energienachfrage aus und 70 Prozent der Gesamtemissionen von Kohlendioxid im Energiebereich; damit kommt es entscheidend darauf an, Energieverbrauch und -emissionen aus städtischen Gebieten zu begrenzen.

Nach dem Bericht wäre es zur Erreichung des 2-Grad-Ziels sehr hilfreich, wenn sich der Anstieg des urbanen Energieverbrauchs auf 20 Prozent begrenzen ließe (eine Fortschreibung der aktuellen Trends würde ein Plus von 70 Prozent bedeuten). Insgesamt sollen sich die weltweiten Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 gegenüber 2013 halbieren lassen – für fast drei Viertel davon sollen die Städte verantwortlich sein.

Diese Ziele zu erreichen, würde von 2016 bis 2050 Kosten von 15,4 Billionen Dollar verursachen. Das klingt nach viel Geld, macht jedoch weniger als 2 Prozent des gesamten BIP aus, das in dem Zeitraum generiert wird.

IEA: Städte müssen bei sauberer Energie vorangehen
IEA-Chef, Fatih Birol, zeigt sich "hoffnungsvoll, aber nicht uneingeschränkt optimistisch.“

"Wir sind der Meinung, dass wir bei wichtigen Technologien weit hinterherhinken", sagt der IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. "Ohne starkes Eingreifen der Regierungen werden diese Technologien an den Energiemärkten nie zum Einsatz kommen, und die Chancen für die Erreichung des 2-Grad-Ziels sind sehr gering".

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Das in Paris geschlossene internationale Klimaabkommen ist die bislang deutlichste Aussage der Staaten über ihre Absichten zur Verringerung von Energieverbrauch und Emissionen. Laut dem IEA-Bericht wären dafür jedoch "massive Veränderungen im Energiesystem" erforderlich, und nationale politische Maßnahmen in dieser Richtung seien noch nicht zu erkennen.

Beispielsweise würde der Energiebedarf von Gebäuden und für Transport in Städten um 60 Prozent verringert. Doch allein in China soll die Zahl der Autos, Lastwagen und Busse laut einer Studie des Argonne National Laboratory von heute rund 100 Millionen auf fast 600 Millionen im Jahr 2050 steigen – schon diese Zunahme könnte die prognostizierten Effizienzgewinne wieder zunichte machen.

Insgesamt wird mit einer Explosion der urbanen Bevölkerungszahlen in den nächsten Jahrzehnten gerechnet; bis Mitte des Jahrhunderts sollen fast drei Viertel aller Menschen weltweit in Städten leben. Der Großteil dieses Wachstums wird sich in Entwicklungsländern abspielen (im Jahr 2025 sollen sich 21 der 27 Megastädte weltweit mit mindestens 10 Millionen Einwohnern dort befinden). Und laut Studien verbrauchen Stadtbewohner in ärmeren Ländern eher mehr Energie als die Landbevölkerung.

Die von der IEA skizzierten Ziele sind nicht unerreichbar. Doch sie werden "dringende Maßnahmen durch nationale Regierungen und lokale Beamte erfordern, so dass Technologien für saubere Energie weitaus schneller eingeführt werden als in der Vergangenheit", sagt Birol. "Ich bin hoffnungsvoll, aber nicht uneingeschränkt optimistisch.“

(Richard Martin)

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