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Daniel Hautmann

Hausputz im All

Hausputz im All

Die Astronauten auf der ISS kümmern sich nicht nur um wichtige Experimente, sondern auch darum, dass ihre Raumstation sauber ist. Sonst wird sie zum Biotop für Krankheitserreger. Wie aber putzt man in der Schwerelosigkeit?

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Mikrogravitation, kosmische Strahlung und ein erhöhter Kohlenstoffdioxid-Level – und das alles rund 400 Kilometer über der Erde. Auf den ersten Blick ist die Internationale Raumstation (ISS) in vielerlei Hinsicht ein unwirtlicher Ort. Auf den zweiten Blick aber leben dort nicht nur mühsam hinaufchauffierte Astronauten, sondern auch eine ganze Reihe weiterer Lebewesen. Weil die ISS seit 15 Jahren dauerbewohnt ist und die Atemluft der Astronauten immer wieder aufbereitet wird, herrschen „alles in allem ziemlich gute Bedingungen für Keime“, sagt Norbert Henn, Projektleiter für Lebenserhaltungssysteme beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Keime vermehren sich im feuchtwarmen Klima der Weltraumstation bestens. „Die ISS ist ein regelrechtes Biotop, da wächst überall was“, bestätigt Henns Kollege Joachim Lenic. „Das kann gefährlich werden.“

Wie sehr die Situation aus dem Ruder laufen kann, zeigt das Beispiel der russischen Raumstation MIR: Als US-Astronauten 1998 auf der MIR beispielsweise ein Panel aufschraubten, kam ihnen eine basketballgroße Wasserblase entgegen, in der sich Pilze, Bakterien und Milben tummelten. Wissenschaftler vermuten, dass Feuchtigkeit an der kalten Außenwand kondensierte und die winzigen Tröpfchen sich im Lauf der Zeit in einem großen gesammelt haben. Auch an anderen Stellen fanden sich „Kondensat-Ansammlungen“, zwar kleiner, aber nicht weniger unappetitlich. Einige waren weißlich trüb, andere bräunlich gefärbt. Darüber hinaus berichteten die russischen Raumfahrtspezialisten von hartnäckigen Biofilmen im Wasseraufbereiter sowie Schimmel, der Dichtungen und Metalle angriff und Kontaktprobleme in elektrischen Geräten auslöste.

Krankmachende Keime waren „einer der Gründe, warum die MIR schließlich aufgegeben wurde“, sagt Lenic. Steht Ähnliches der ISS bevor? Was sich auf der ISS alles tummelt, haben erst kürzlich Forscher um Kasthuri Venkateswaran vom Jet Propulsion Laboratory in den USA in der Fachzeitschrift „Microbiome“ dargelegt. Sie werteten Proben der Luftfilter von der ISS aus und verglichen die Population mit Bakterien aus irdischen Reinräumen. Das Fazit der Wissenschaftler: Die meisten gefundenen Keime siedeln normalerweise auf der menschlichen Haut oder den Schleimhäuten. Sie sind zunächst unbedenklich, doch bestehe die Möglichkeit opportunistischer Infektionen, weil sich die Krankheitserreger etwa ein durch den Aufenthalt im All geschwächtes Immunsystem zunutze machen könnten.

(Daniel Hautmann)

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