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Blockchains für die Gesundheit

Blockchains für die Gesundheit

Medizinische Daten werden zunehmend digital gespeichert, dies allerdings in verschiedenen inkompatiblen Systemen. Blockchain-Technologie soll jetzt den Zugriff darauf vereinheitlichen.

In der Stadtverwaltung von Boston werden derzeit 26 unterschiedliche Systeme für medizinische Akten eingesetzt, und jedes davon hat eine eigene Sprache für Darstellung und Austausch der Daten. Wichtige Informationen sind oft über mehrere Standorte verstreut und manchmal genau dann nicht zugänglich, wenn sie am dringendsten gebraucht würden – das kann viel Geld und sogar Menschenleben kosten. Gleichzeitig aber ist dieses Problem wie geschaffen dafür, durch Blockchain-Technologie gelöst zu werden, sagt John Halamka, Chief Information Officer am Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston.

Angenommen, ein Patient würde bei einem Arztbesuch oder bei der Ausstellung eines Rezepts zustimmen, dass ein Eintrag darüber oder ein "Pointer" in einer Blockchain abgelegt wird, also in einem dezentralen digitalen Register wie bei Bitcoin. Statt Zahlungsvorgängen würde diese Blockchain wichtige medizinische Informationen in einer so gut wie manipulationssicheren Datenbank speichern, die von einem Netz verteilter Computer gepflegt wird; dadurch hätte jeder mit der richtigen Software Zugriff darauf. Jeder Pointer, den ein Arzt einträgt, würde zum Teil der Akte eines Patienten, unabhängig davon, mit welchem System der jeweilige Arzt arbeitet, was laut Halamka Kompatibilitätsprobleme vermeiden würde. Bevor eine solche branchenweite Revolution Wirklichkeit werden kann, muss allerdings eine neue technische Infrastruktur entstehen: eine spezielle "Blockchain für Gesundheit".

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An den Vorbereitungen dafür wird derzeit gearbeitet, sagt Emily Vaughn, Leiterin des Rechnungswesen bei dem Start-up Gem, das Unternehmen beim Einsatz von Blockchain-Technologie unterstützt. "Es kann bestimmte Regeln geben, die wir in das Protokoll aufnehmen wollen, um es besser für den Gesundheitsbereich geeignet zu machen", erklärt Vaughn. Ein solches System muss den Austausch von komplexen Gesundheitsinformationen zwischen Patienten und Medizinern ebenso unterstützen wie den Austausch von Medizinern untereinander sowie zwischen Medizinern und Krankenkassen. Und all das muss funktionieren, ohne bösartige Angriffe zu ermöglichen oder gegen Datenschutz-Vorschriften zu verstoßen.

Wie man dabei am besten vorgehen sollte, ist längst noch nicht klar. Immerhin haben Halamka und Forscher am MIT Media Lab bereits ein Prototypen-System namens MedRec entwickelt, das auf einer privaten Ethereum-Blockchain basiert. Darin wird automatisch kontrolliert, wer Informationen darüber einsehen und verändern darf, welche Medikamente ein Patient nehmen muss. Ebenfalls löst MedRec ein entscheidendes Problem, das alle Blockchains jenseits von Digitalwährungen haben: das der Miner. Bei Bitcoin und anderen Zahlungssystemen nutzen Miner ihre Computer, um Daten in der Blockchain zu verifizieren – ohne dieses Element würde das System nicht funktionieren. Als Belohnung bekommen die Miner deshalb kleine Einheiten der jeweiligen Währung.

Auch MedRec sieht Anreize für Miner vor – in diesem Fall würde es sich dabei vor allem um medizinische Forscher und Personal handeln: Sie bekommen Zugang zu aggregierten, anonymisierten Daten aus den Patientenakten, die für epidemiologische Studien genutzt werden können, wenn die Patienten einverstanden sind.

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Allerdings ist die Verifizierung durch Mining rechenintensiv, sodass die dafür eingesetzten Computer viel Strom verbrauchen können. Im Gesundheitsbereich wäre das nicht unbedingt nötig, sagt Andrew Lippman, Associate Director des Media Lab und einer der Köpfe hinter MedRec. In späteren Versionen werde man vielleicht auf Mining wie bei Bitcoin verzichten, kündigt er an. Zum Beispiel könnten für die Verifizierung von Informationstransaktionen die in manchen Krankenhäusern reichlich vorhandenen Rechenkapazitäten genutzt werden.

So oder so hängt der Nutzen einer Blockchain für das Gesundheitswesen davon ab, ob Krankenhäuser, Kliniken und andere Organisationen bereit sind, die nötige technische Infrastruktur aufzubauen. Derzeit geht es um Prototypen und Tests von grundlegenden Konzepten, sagt Vaughn. Unter anderem wird die Gesundheits-Blockchain eine Möglichkeit bieten müssen, zuverlässige Informationen über die Identität eines Patienten abzurufen, und zwar von jedem Ort aus und durch jeden, der sie benötigt.

Blockchains für die Gesundheit
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Vor diesem Hintergrund arbeitet Gem mit Kunden an einem Prototypen für eine globale, Blockchain-basierte Patienten-Identifizierung. Diese könnte mit Krankenhaus-Akten sowie Daten aus anderen Quellen wie Fitness-Programmen oder Gesundheitsarmbändern verknüpft werden. Auf jeden Fall wäre es dringend an der Zeit, den derzeitigen Flickenteppich bei digitalen Systemen für Gesundheit zu vereinheitlichen. (Mike Orcutt)

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