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Rachel Metz

Automatische Emojis

Automatische Emojis

Eine neue Sozialmedien-App erkennt die Reaktionen von Nutzern beim Betrachten von Beiträgen und zeigt sie dem Absender automatisch an. Nicht nur für Chat-Anwendungen könnte das nützlich sein.

Eine neue App soll es einfacher machen, auf Fotos und Videos zu reagieren, die von Freunden im Internet veröffentlicht werden: Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erkennt sie den Gesichtsausdruck des betrachtenden Nutzers und übersetzt ihn automatisch in eine Reihe von Emoji-Gesichtern.

Polygram kann kostenlos benutzt werden und ist derzeit nur für iPhones verfügbar. Mit der App können Nutzer untereinander Fotos, Videos und Nachrichten austauschen. Während etwa Facebook neben dem "Daumen hoch"-Klick nur die Möglichkeit bietet, aus vorgegebenen Reaktionen auszuwählen, ist die Palette bei Polygram deutlich größer – und individueller: Mit einem lokal auf dem Telefon laufenden neuronalen Netz ermittelt die App, ob ein Nutzer lächelt, böse schaut, gelangweilt, peinlich berührt, überrascht und mehr.

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Marcin Kmiec, einer der Mitgründer von Polygram, erklärt die Technik hinter dem neuen Angebot: Bei der Verwendung der App wird das Gesicht des Nutzers von der vorderen Kamera seines Telefons gefilmt und dann so schnell wie möglich analysiert; es werden also nicht nur einzelne Punkte wie Pupillen oder Nase beobachtet. Die Auswertung erfolgt laut Kmiec direkt auf dem Telefon mit Hilfe des Grafikprozessors im iPhone.

Wenn man sich einen Beitrag in der App ansieht (derzeit gibt es dort verdächtig viele zu Themen wie Luxus-Urlaubsorten, schicken Autos oder Frauen in enger Kleidung), sieht man unten auf dem Bildschirm einen kleinen gelben Emoji, dessen Gesichtsausdruck sich zusammen mit dem des Nutzers verändert. Dabei gibt es eine kleine Verzögerung von 20 Millisekunden, die aber kaum wahrnehmbar ist. Die App hält die Reaktion (oder die Reaktionen, wenn sich der Gesichtsausdruck mehrmals verändert) in einem kleinen Emoji-Protokoll seitlich auf dem Bildschirm fest, ebenso wie die von anderen Nutzern, die denselben Beitrag gesehen haben.

Die App richtet sich eindeutig an Menschen, die sich sehr dafür interessieren, wie sie in sozialen Medien wahrgenommen werden: Nutzer können eine Zusammenfassung der Emoji-Reaktionen von allen Personen sehen, die einen Beitrag angesehen haben. Hinzu kommt die Information, wie lange er betrachtet wurde und von welchem Standort aus. Für manche Power-User könnte das nützlich sein. Andere aber könnten durch die Beobachtung ihrer Aktivitäten abgeschreckt werden, auch wenn sie anonymisiert erfolgt.

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Außerdem mussten schon viele App-Anbieter feststellen, dass es schwierig ist, mit sozialen Medien Erfolg zu haben: Für jedes Instagram oder Snapchat gibt es unzählige andere Dienste, die nie in Gang gekommen sind, wie Secret, Path, Yik Yak oder auch Google+.

Die Polygram-Gründer geben an, sich einstweilen auf die Nutzung der Technologie in ihrer eigenen App zu konzentrieren. Jedoch könne sie auch in anderen Angeboten von Nutzen sein, beispielsweise für Telemedizin, wo sie genutzt werden könne, um die Reaktion von Patienten auf einen Arzt oder einen Pfleger zu erkennen. Denkbar sei deshalb die spätere Veröffentlichung von Software-Werkzeugen, mit denen Entwickler eigene Anwendungen auf der Grundlage der Emoji-Technologie herausbringen können.

(Rachel Metz)

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