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Ben Schwan

Armband erinnert dich

Armband erinnert dich

Mit dem Kapture Audio hat das US-Start-up Kapture ein Gerät geschaffen, das die jeweils letzten 60 Sekunden jeder Konversation aufzeichnen kann. Das dient dem Lifelogging, könnte aber auch Demenzkranken helfen.

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Die junge amerikanische Firma Kapture aus Cincinnati in Ohio hat eine neuartige Hardware entwickelt, die im Alltag als Erinnerungshilfe für gerade abgeschlossene Vorgänge und Ereignisse dienen soll. Dazu nimmt das am Arm getragene, uhrenartige Gerät über ein Mikrofon automatisch stets die letzten 60 Sekunden auf, die in der Umgebung gesprochen wurden.

Normalerweise wird der Speicher dann auch sofort wieder gelöscht und die nächsten 60 Sekunden landen auf dem Kapture Audio. Tippt man das Gerät aber an, wird die aufgezeichnete Minute automatisch über das Drahtlosprotokoll Bluetooth an ein Smartphone gesendet, wo eine eigene App sie dann archiviert und der Nutzer sie mit einer Beschreibung versehen kann. Alternativ werden bis zu 25 Clips auch im Gerät selbst abgelegt, um sie dann später zu synchronisieren. Fertige Clips können mit wenigen Klicks auch mit dem Freundeskreis über soziale Netzwerke geteilt werden.

Der Kapture lässt sich auch am Hosenbund tragen.
Der Kapture lässt sich auch am Hosenbund tragen. Bild:Kapture

Sinn und Zweck des Kapture Audio ist es, beispielsweise interessante Diskussionen, die sonst schlicht vergänglich wären, für einen längeren Zeitraum zu speichern. Auch in der Pflege und dem Gesundheitswesen wäre die Hardware möglicherweise nützlich – etwa, damit sich Demenzkranke einen gerade beendeten Dialog mit einer Bezugsperson wieder anhören können oder blinde Menschen erneuten Zugriff auf die gerade gehörte Wegbeschreibung erhalten. Kapture denkt zudem an Musiker, Autoren und andere kreative Menschen als Kunden, die sich eine interessante Idee so jederzeit merken könnten, ohne mit Notizbuch oder Audiorekorder jonglieren zu müssen – es reicht, diese kurz zu beschreiben und die Aufzeichnung dann ans Smartphone zu senden, solange man das Gerät am Handgelenk trägt.

Hauptzielgruppe für den Kapture Audio dürfte aber das wachsende Segment der sogenannten Lifelogger sein: jene Menschen also, die versuchen, möglichst viel von ihrem Leben digital zu speichern, zu archivieren und durchsuchbar zu machen. Nach einem ähnlich arbeitenden Prinzip werden auch schon mehrere Kameras angeboten, die automatisch alle paar Sekunden Bilder machen. Hauptunterschied beim Kapture Audio ist, dass sich der Nutzer explizit für speicherwürdige Momente entscheiden muss, der Rest verschwindet. Dass aufgenommen wird, soll die Umgebung anhand einer LED erkennen können.

Kapture
Von weitem wirkt das Gerät wie eine Uhr. Bild:Kapture

Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter kam die Idee von Kapture gut an: Rund 1200 Menschen gaben über 160.000 Dollar für das Projekt, gefordert waren nur 150.000. Sie sollen ihr Gerät, das später im Handel unter 150 Dollar kosten dürfte, im März 2014 erhalten. Kapture bietet verschiedene modische Farben für den Kapture Audio an, der auch über einen integrierten Beschleunigungssensor mit drei Messachsen verfügt, was der Hardware eine zweite Funktion als Fitnesstracker geben könnte.

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Der Kapture Audio ist laut Hersteller Kapture robust gebaut: Ein Band aus Silikon trifft auf nahezu unkaputtbaren Kunststoff, in dem die eigentliche Technikeinheit steckt. Die Akkulaufzeit beträgt allerdings nur maximal einen Tag – der Nutzer muss also alle 24 Stunden an eine Steckdose. Geladen wird über ein Standard-Micro-USB-Kabel. Das eingebaute Mikrofon arbeitet omnidirektional, kann also alle Ereignisse in der Umgebung des Trägers erfassen.

Kapture
Mit einer iPhone-App lassen sich Aufnahmen verwalten. Bild:Kapture

Rechtlich will sich Kapture abgesichert haben: Die Firma zitiert so beispielsweise die Regelung in einigen Bundesstaaten der USA, wonach Gespräche aufgezeichnet werden dürfen, wenn eine Partei dies erlaubt – in diesem Fall der Träger der Kapture Audio. In Europa dürfte man so leicht aber nicht um den sehr hoch gehandelten Persönlichkeitsrechteschutz herumkommen.

Entsprechend betont Kapture auch, dass das Gerät ja im Normalbetrieb nur "zwischenspeichern" werde, erst bei einer expliziten Entscheidung des Nutzers wird die Aufnahme permanent. (Ben Schwan) / (bsc)

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