Logo von Security

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.684.020 Produkten

Uli Ries 318

Neuer SSL-Gau: Falsches Google-Zertifikat blieb fünf Wochen unentdeckt

Möglicherweise hat sich die iranische Regierung ein gültiges Zertifikat für Google-Domains erschlichen, um Nutzer von Google Mail zu überwachen. Das Zertifikat wird inzwischen von Google, Microsoft und Mozilla blockiert. Am Wochenende berichtete ein nach eigener Auskunft im Iran lebender Nutzer von Google Mail, dass Google Chrome beim Aufruf der mit SSL gesicherten Site einen Zertifikatsfehler meldete. Offenbar hat eine kürzlich in Chrome eingeführte Sicherheitsfunktion auf das merkwürdige Zertifikat aufmerksam gemacht. Chrome prüft nämlich nicht nur, ob das Zertifikat gültig ist, sondern auch, ob es von der richtigen CA stammt.

Anzeige

Verschiedene Sicherheitsexperten wie Moxie Marlinspike bestätigten, dass das vom holländischen Unternehmen DigiNotar ausgestellte und für alle google.com-Domains (*.google.com) gültige Zertifikat offenbar missbraucht wurde. Ein Pastebin-Eintrag demonstriert die Echtheit. Der Verfasser des Eintrags fordert die "digitale Todesstrafe" für DigiNotar, da durch das unbedachte Vorgehen des Dienstleisters Menschenleben in Gefahr gebracht wurden.

Die Electronic Frontier Foundation schreibt in ihrem Blog, dass das kompromittierte Zertifikat wahrscheinlich von der iranischen Regierung verwendet wurde, um Nutzer von Google Mail zu überwachen. Ausgestellt wurde das betroffene Zertifikat am 10. Juli, also vor gut fünf Wochen. An wen das Wildcard-Zertifikat übergeben wurde, ist allerdings ebenso unbekannt wie die Tatsache, ob noch weitere Zertifikate betroffen sind. Microsoft hat vorsichtshalber das DigiNotar-Root-Zertifikat aus der Microsoft Certificate Trust List in Windows entfernt und so alle Zertifikate von DigiNotar unbrauchbar gemacht.

Verschiedene Softwarehersteller haben inzwischen reagiert: Google wird DigiNotar-Zertifikate aus seinem Browser Chrome entfernen. Ebenso wird die Mozilla Foundation per Update dafür sorgen, dass Firefox, Sea Monkey und Thunderbird den DigiNotar-Zertifikaten nicht mehr vertrauen. Wer nicht auf das Update warten will, findet auf einer Mozilla-Seite Informationen, wie das Zertifikat von Hand gelöscht werden kann. Microsoft hat das Security Advisory 2607712 veröffentlicht. In einem dazu gehörenden Blogbeitrag erklärt das Unternehmen, dass Nutzer der Windows-Versionen ab Windows Vista keine Schritte unternehmen müssen: Das betreffende Zertifikat werde automatisch blockiert.

Für Windows XP und Windows Server 2003 wird es gesonderte Sicherheitsupdates geben, da diese Systeme nicht die zentral verwaltete Microsoft Certificate Trust List verwenden. Der Vorfall ist bereits der zweite seiner Art binnen weniger Monate. Im März wurde der Dienstleister Comodo gehackt, so dass gültige SSL-Zertifikate für eine ganze Reihe hochkarätiger Domains – darunter auch Google Mail – entwendet werden konnten. (Uli Ries) / (dab)

318 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Microsoft verbannt Zertifikate von StartCom und WoSign aus Windows 10

    Microsoft verbannt Zertifikate von StartCom und WoSign aus Windowns 10

    Nach Apple, Google und Mozilla vertraut auch Microsoft den chinesischen Zertifizierungsstellen nicht mehr.

  2. Google auf dem Weg zur unabhängigen Root-CA

    Google auf dem Weg zur unabhängigen Root-CA

    Künftig will das Unternehmen über den Google Trust Service eigene SSL-/TLS-Zertifikate ausstellen. Diese sollen bei Google-Diensten und Angeboten des Google-Mutterkonzerns Alphabet zum Einsatz kommen.

  3. Zertifikats-Streit: Symantec gelobt Google Besserung

    Zertifikats-Streit: Symantec gelobt Besserung gegenüber Google

    Symantec geht auf Google zu, deren Webbrowser Chrome SSL-/TLS-Zertifikate der CA bald herunterstufen soll. Die Zertifizierungsstelle will nun regelmäßig Zertifikats-Prüfungen durchführen lassen.

  4. Chrome soll ab sofort Zertifikate von Symantec herabstufen

    Chrome soll ab sofort Zertifikate von Symantec herabstufen

    Google tadelt abermals Symantec als Zertifizierungsstelle. Als erstes soll Chrome nun Zertifikate herabstufen. Als längerfristiges Ziel ist sogar eine Annullierung vorgesehen. Symantec findet das verantwortungslos.

  1. Chrome blockt Zertifikate mit Common Name

    Chrome blockt Zertifikate mit Common Name

    Wenn der seit Jahren etablierte, hauseigene Dienst plötzlich den HTTPS-Zugang verwehrt, liegt das vermutlich an einer Neuerung der aktuellen Chrome-Version: Google erzwingt den Einsatz der RFC-konformen "Subject Alt Names" und viele Admins müssen deshalb jetzt Hand anlegen.

  2. Böse, weil man zu sehr nicht böse sein möchte?

    Die neue YouTube-Zensur verschärft Googles Imageproblem

  3. Cookies löschen bei Google Chrome - so funktioniert's

    Du möchtest die gespeicherten Cookies aus dem Google Chrome-Browser löschen? Wir erklären dir, wie's geht.

  1. Neue Regeln im Zahlungsverkehr - Was auf Bankkunden zukommt

    Neue Regeln im Zahlungsverkehr - Was auf Bankkunden zukommt

    Neue europaweite Regeln sollen Geldtransfers bequemer, billiger und sicherer machen. Experten sehen darin die größte Änderung im Bankwesen seit vielen Jahren. Auch für Verbraucher gibt es einige Neuigkeiten.

  2. Neuer Miniaturisierungsrekord bei Delta-Robotern

    Neuer Miniaturisierungsrekord bei Delta-Robotern

    Forscher der Harvard University haben Industrieroboter auf eine Größe von wenigen Millimetern geschrumpft.

  3. Im Test: Nissan Qashqai 1.6 dCi

    Nissan Qashqai

    Der aktuelle Bestseller der Marke Nissan ist der Qashqai, und das mit weitem Abstand. Wir waren mit dem gerade überarbeiteten SUV in der aktuell motorisch maximalen Ausbaustufe unterwegs: Dem 1,6-Liter-Diesel mit 130 PS

  4. Apple Lisa: Als Apple die Maus von der Leine ließ

    Apple Lisa: Als Apple die Maus von der Leine ließ

    Vor 35 Jahren brachte Apple einen revolutionären Bürocomputer auf den Markt. Die Lisa war zwar ein Flop, legte aber die Grundlagen für den Erfolg des Macintosh.

Anzeige