Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Stefan Krempl 452

Zwei Jahre digitale Agenda: "Cloud hört sich an wie Stehlen"

Thomas de Maizière, Sigmar Gabriel und Alexander Dobrindt

Thomas de Maizière, Sigmar Gabriel und Alexander Dobrindt bei eco.

Bild: heise online, Stefan Krempl

Die drei federführenden Minister der digitalen Agenda sind sich einig, dass das Prinzip der Datensparsamkeit weg muss. Das Thema Datensicherheit sei eines der großen Digitalisierungshemmnisse für kleine und mittlere Unternehmen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Infrastrukturminister Alexander Dobrindt (CSU) haben auf dem Treffen des eco-Verbands am heutigen Dienstag die digitale Wirtschaft kritisiert. Schon bei der Öffentlichkeitsarbeit habe die IT-Branche den Dreh noch nicht raus, fand Gabriel: "Cloud hört sich schon so an wie Stehlen." Da mische sich die NSA und der Staat mit ein oder die Tatsache, dass die Server oft in anderen Ländern stünden. Viele hätten daher Angst, nicht mehr Herr ihrer eigenen Geschäftsmodelle zu bleiben.

Anzeige

Generell sei das Thema Datensicherheit eines der großen Digitalisierungshemmnisse für kleine und mittlere Unternehmen. Eine deutlich bessere Karriere habe die "Industrie 4.0" gemacht, auf die sich heute auch die Chinesen oder Japaner als Standard und Plattform bezögen.

"Eine Cloud hat keine sichere Grenze", griff de Maizière den Gedanken auf. Es sei nicht zu sehen, wo die Wolke "anfängt oder aufhört". Auch "Big Data" höre sich per se nicht nach einer guten Sache an. Besser sei es, von "Smart Data" zu reden. Generell bat der Innenminister die Industrie, "schlauere Begriffe zu finden". Sonst sagten sich immer mehr Verbraucher, "was soll der Kram, der ist sowieso unsicher".

"Der in Deutschland ausgeprägte Begriff von Datenschutz trägt nicht mehr", knüpfte Gabriel an seine Ausführungen auf dem jüngsten nationalen IT-Gipfel an. Bei der fehlgeleiteten Idee gehe es darum, die Verarbeitung personenbezogener Informationen zu minimieren. Nötig sei dagegen eine stärkere "Datensouveränität". Die sei aber wohl nicht hinzubekommen, wenn künftig die 28 Datenschutzbeauftragten der EU-Staaten die neue Datenschutzverordnung auslegten.

"Ich merke mir den Gedankengang", bedankte sich de Maizière für die Steilvorlage. "Daten per se sind heute nichts Böses", fügte Dobrindt an. "Sie bedeuten die Wertschöpfung der Zukunft, unser Wohlstand hängt davon ab." Dobrindt plädierte daher für einen "kreativen Datenreichtum statt Datensparsamkeit". Sonst verkämen Deutschland und Europa zu einer "kleinen Datenkolonie der Asiaten und der Amerikaner".

Das Innenministerium sei vor der Agenda bei vielen Gesetzesvorschlägen hinterher "mit der Spaßbremse" in Punkto Sicherheit gekommen, räumte de Maizière ein. Mittlerweile sei das Haus von vornherein bei Digitalvorhaben mit eingebunden und könne so eher sagen, was wie funktionieren könnte. Die IT-Sicherheitspolitik habe sich mit dem dazugehörigen Gesetz zum Standortvorteil entwickelt, auch wenn die Verwaltung bei öffentlichen Digitaldiensten noch hinterherhinke.

Die "durchgehende Verschlüsselung" insbesondere bei Messenger-Apps bezeichnete der Innenminister als "gut und richtig". Auch die Bundesregierung wolle, "dass wir nicht abgehört werden von anderen Staaten". Dafür sei eine "sichere Kommunikation" nötig. Die Technik dürfe aber "nicht darüber entscheiden, ob Strafverfolgung stattfindet". Sicherheit müsse nicht nur durch, sondern auch "trotz Verschlüsselung" erreicht werden können.

Die Lösung, "einfach eine Backdoor" in Produkte einzubauen, "wollen wir nicht", stellte de Maizière klar. Er verteidigte daher den von ihm ins Spiel gebrachten Weg, mithilfe einer "Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich" (Zitis) Behörden das Knacken von Verschlüsselung zu erleichtern. Unter rechtsstaatlichen Bedingungen müsse analog zum Telefon auch Internetkommunikation abgehört werden können. Zitis solle in diesem Bereich "forschen und entwickeln" und die Ergebnisse einzelnen Sicherheitsbehörden zur Verfügung stellen.

Anzeige

Siehe dazu auch:

(Stefan Krempl) / (anw)

452 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Digitale Agenda: Bundesregierung mit sich zufrieden

    Glasfaserkabel

    Die Bundesregierung stellt sich bei der Digitalen Agenda ein gutes Zeugnis aus. Doch über die Frage, ob es einen Digitalminister brauche, war man sich dann doch uneins.

  2. re:publica: Innenminister stellt sich der Kritik

    re:publica: Innenminister stellt sich der Kritik -- und versteht sie nicht

    Thomas de Maizière hielt als erster Innenminister einen Vortrag auf der re:publica und sprach in einer Podiumsdiskussion über netzpolitische Entscheidungen der Bundesregierung. Dabei verteidigte er auch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz.

  3. Reichtum statt Sparsamkeit: Dobrindt will Datenschutz lockern

    Reichtum statt Sparsamkeit: Dobrindt will Datenschutz lockern

    Infrastrukturminister Alexander Dobrindt plant eine "digitale Agenda 2017+". Laut einem Zeitungsbericht will er damit "weg vom Grundsatz der Datensparsamkeit, hin zu einem kreativen und sicheren Datenreichtum". Doch es hagelt Kritik.

  4. IT für Sicherheitsbehörden: Schwachstellen kann Zitis auch kaufen

    Staatstrojaner Bundestrojaner

    Zur Eröffnung der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich erteilte der Innenminister der Datenschutzbeauftragten eine Absage. Zitis-Chef Karl hatte vor kurzem betont, keine Schwachstellen auf Grau- oder Schwarzmärkten einzukaufen.

  1. De Maizière: "Abkommen mit Türkei gut angelaufen"

    Der Innenminister freut sich über rückläufige Zahlen der Asylsuchenden und zeigt den Willen zur positiven Sicht der Dinge

  2. Netzfragen zur Bundestagswahl: "Wir brauchen gigabitfähiges Internet überall"

    Manuel Höferlin (FDP) über die angestrebte 50 MBit/s-Versorgung, Alternativen zur Vorratsdatenspeicherung und weshalb der Staatstrojaner mehr Risiko als Chance ist

  3. IS-Schläferzelle in Deutschland aufgedeckt?

    Generalbundesanwaltschaft lässt drei Männer verhaften, die über die Balkanroute nach Deutschland gekommen sein sollen. Angeblich gibt es Bezüge zu den Attentätern von Paris

  1. Nach dem Scheitern von "Jamaika": Politisches Neuland

    Sondierungsgespräche: Der FDP reißt der Geduldsfaden, sie lässt die Regierungsbildung scheitern. Deutschland in der Krise

  2. Die Bilder der Woche (KW 45) - Interessantes im Alltäglichen

    Die Bilder der Woche (KW 45) - Interessantes im Alltäglichen

    Gute Bilder brauchen nicht immer spektakläre Foto-Locations Manchmal tut es auch eine Außentreppe, eine U-Bahn-Station oder eine Bahnunterführung.

Anzeige