Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Rolf Schraa, dpa 566

Zeitbomben im Wohnzimmer: Ramsch-Elektrogeräte überschwemmen den Markt

Zeitbomben im Wohnzimmer: Ramsch-Elektrogeräte überschwemmen den Markt

Ab Dienstag zeigt die Bundesnetzagentur Fundstücke ihrer Marktüberwachung.

Bild: bundesnetzagentur.de

Ramsch-Stecker mit Brandgefahr, Lampen, die den Radioempfang stören und verbotene Handy-Blocker aus dem Ausland – die Marktüberwachung bekommt mit dem Aufblühen des Online-Handels immer mehr zu tun. Manchmal hilft nur noch eins: zerstören.

Der Einbaustrahler aus einem Kölner China-Markt kostet nur 2,50 Euro – ein Zehntel des Preises für eine Markenlampe. Dafür könnte das Billig-Netzteil in der Lampe Störfrequenzen erzeugen, warnt Kontrolleur Uwe Saalmann von der Bundesnetzagentur. Die Wärme staut sich im Plastik des Ramschprodukts – Brandgefahr. Eine verständliche Gebrauchsanweisung und die vorgeschriebene CE-Hersteller-Kennzeichnung fehlen ohnehin. Die Marktüberwachung der Bundesnetzagentur zog die Lampe aus dem Verkehr.

Importschwemme

Lampen und Funkkopfhörer, Drohnen, Steckdosenleisten, Handfunkgeräte und FM-Transmitter, die Musik vom Smartphone zum Radio übertragen: Störanfällige Billig-Elektroprodukte – oft, aber nicht immer aus China – überschwemmen seit Jahren zunehmend den Markt. Das hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Kunden im Internet einkaufen und Lieferungen schwer zu kontrollieren sind. Die Bonner Bundesnetzagentur, die über einen störungsfreien Funk- und Radiobetrieb wacht, der Zoll und die regionalen Aufsichtsbehörden führen angesichts der Importschwemme einen schwierigen Kampf.

"Der Vertrieb übers Netz drückt immer mehr rein", sagt ein Behördensprecher. "In manche Läden können Sie jede Woche wieder gehen", sagt Saalmann, der von Dortmund aus in fast ganz Nordrhein-Westfalen kontrolliert. In der Bundesnetzagentur überwachen bereits mehr als 400 Mitarbeiter an 20 Standorten den Markt und beheben Funkstörungen. "Angesichts der wachsenden Flut unsicherer Produkte werden wir unsere Arbeit vor allem im Online-Handel weiter intensivieren", sagt Behördenchef Jochen Homann.

Brennende Funksteckdose

Die Aufsichtsbehörde zeigt vom morgigen Dienstag an in einer Wanderausstellung besonders gefährliche Geräte, die in manchen Fällen wie Zeitbomben im Wohn- oder Schlafzimmer wirken: Ein Film in der Ausstellung zeigt, wie eine Funksteckdose aus Billigmaterial im Versuchslabor unter Stromlast erst Funken schlägt und dann Feuer fängt. Der Brand wäre unter realen Bedingungen wohl lebensgefährlich.

Eine dänische Design-Glühbirne – zu Tausenden am deutschen Markt vertrieben – stört so stark den Radioempfang, dass sich in der Ausstellung ein direkt daneben stehendes Radio kaum noch verstehen lässt. Der Nachbar des Lampenbesitzers aus Augsburg hatte sich an die Störstelle gewandt, weil aus seinem Gerät nur noch Rauschen kam. Ersatzlos vom Markt genommen wurde auch eine Haar-Glättbürste aus den Niederlanden – sie brachte nicht nur allzu lockiges Haar auf Temperatur und dann in Form, sondern produzierte mangels ausreichender Abschirmung auch am Griff noch 121,5 Grad Celsius.

Die Zahl der aus dem Verkehr gezogenen Produkte hat sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt: Von 530.000 Geräten 2014 wuchs sie nach neuesten Zahlen der Netzagentur im vergangenen Jahr auf rund 1,25 Millionen. Rund 840.000 Euro mussten 2016 als Kostenerstattung an die Bundesnetzagentur gezahlt werden. Der Elektro-Branchenverband ZVEI fordert noch mehr Engagement von den Kontrolleuren: "Die Behörden müssen konsequenter gegen solche Machenschaften vorgehen. Seit vielen Jahren fordern wir, die staatliche Marküberwachung zu stärken", sagt Haimo Huhle, beim Verband zuständig für Produktsicherheit.

566 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Versteckte Spionage: Spielzeug-Puppe "Cayla" laut Netzagentur verboten

    Versteckte Spionage: Spielzeug-Puppe Cayla laut Netzagentur verboten

    Die Bundesnetzagentur weist angesichts aktueller Berichte darauf hin, dass die Puppe "Cayla" in Deutschland verboten ist. Mit ihrer Aufnahmefunktion sei sie ein verstecktes Spionagegerät. Käufer müssen sie vernichten.

  2. Cloudpets: 2,2 Millionen Sprachdateien von Kinderspielzeug offen im Netz

    Cloudpets: 2,2 Millionen Sprachdateien offen im Netz

    800.000 Nutzer der Spielzeugfirma Spiral Toys, die einen ans Internet der Dinge angeschlossenen Teddybären gekauft haben, sind von einem großen Datenleck betroffen.

  3. Smart Toys: Bundesnetzagentur ließ 400 Kaufangebote im Netz löschen

    Kinderzimmer

    Die Regulierungsbehörde geht nicht nur gegen den Vertrieb der Puppe "My Friend Cayla" vor, sondern hat insgesamt bislang rund 160 Verfahren gegen sendefähiges Spielzeug eingeleitet. Beim Roboter "i-Que" sieht sie noch wenig Handlungsbedarf.

  4. Trådfri: Ikeas Lampensystem soll auf Siri, Alexa und Google Assistant hören

    Ikea Tradfri-App

    Das vergleichsweise günstige vernetzte Beleuchtungssystem der Möbelfirma unterstützt bald mit einem Software-Update die Smart-Home-Systeme der großen US-Konzerne: Von Apples HomeKit über Amazon Alexa bis hin zu Google Home.

  1. iPhone: Wie finde ich meine eigene Nummer?

    Du kennst deine eigene Handynummer nicht? Wie du sie in deinem iPhone finden kannst, erklären wir dir in unserem tipps+tricks-Artikel.

  2. Eigene Handynummer bei Android herausfinden - so klappt´s

    Eigene Handynummer bei Android herausfinden - so klappt´s

    Du hast deine eigene Handynummer nicht im Kopf? Wo du sie in deinem Android-Smartphone findest erklären wir dir in diesem tipps+tricks-Artikel.

  3. Post aus Japan: Aus Wasser mache Licht

    Post aus Japan: Aus Wasser mache Licht

    Seit dem Dreifach-Desaster aus Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe im Jahr 2011 kommen in Nippon immer wieder interessante Survival-Produkte auf den Markt. Ein Hersteller nutzt nun Salzwasser zur Stromerzeugung für eine Notbeleuchtung.

  1. Telecom-Zusammenschluss NGENA will das Anbieten internationaler VPN erleichtern

    Telecom-Zusammenschluss NGENA will das Anbieten internationaler VPN erleichtern

    Die NGENA verbindet die Netze mehrerer nationaler Telecom-Anbieter. Ziel des Zusammenschluss ist es, Kunden über Software-Defined Networking schnell internationale VPN-Verbindungen bereitstellen zu können.

  2. Nicht Werte bestimmen Merkels Politik, sondern Interessen

    Wegen ihrer Unfähigkeit zur Politik-Analyse haben viele große Medien am wahrscheinlichen Wahlerfolg von Angela Merkel und dem Aufstieg der AfD einen großen Anteil

  3. AfD: Keiner kann mehr sagen, von alldem nichts gewusst zu haben

    Muss die AfD inzwischen als eine Nazipartei bezeichnet werden, da sie immer offener an nationalsozialistische Ideologie anknüpft?

  4. Erdogans militarisierte Außenpolitik irritiert den Westen

    Türkische Truppen sind in Somalia, Katar, Nordirak, Nordsyrien, Afghanistan, Nordzypern, Aserbaidschan und vor der Küste des Libanon stationiert

Anzeige