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Rolf Schraa, dpa 563

Zeitbomben im Wohnzimmer: Ramsch-Elektrogeräte überschwemmen den Markt

Zeitbomben im Wohnzimmer: Ramsch-Elektrogeräte überschwemmen den Markt

Ab Dienstag zeigt die Bundesnetzagentur Fundstücke ihrer Marktüberwachung.

Bild: bundesnetzagentur.de

Ramsch-Stecker mit Brandgefahr, Lampen, die den Radioempfang stören und verbotene Handy-Blocker aus dem Ausland – die Marktüberwachung bekommt mit dem Aufblühen des Online-Handels immer mehr zu tun. Manchmal hilft nur noch eins: zerstören.

Der Einbaustrahler aus einem Kölner China-Markt kostet nur 2,50 Euro – ein Zehntel des Preises für eine Markenlampe. Dafür könnte das Billig-Netzteil in der Lampe Störfrequenzen erzeugen, warnt Kontrolleur Uwe Saalmann von der Bundesnetzagentur. Die Wärme staut sich im Plastik des Ramschprodukts – Brandgefahr. Eine verständliche Gebrauchsanweisung und die vorgeschriebene CE-Hersteller-Kennzeichnung fehlen ohnehin. Die Marktüberwachung der Bundesnetzagentur zog die Lampe aus dem Verkehr.

Importschwemme

Lampen und Funkkopfhörer, Drohnen, Steckdosenleisten, Handfunkgeräte und FM-Transmitter, die Musik vom Smartphone zum Radio übertragen: Störanfällige Billig-Elektroprodukte – oft, aber nicht immer aus China – überschwemmen seit Jahren zunehmend den Markt. Das hängt auch damit zusammen, dass immer mehr Kunden im Internet einkaufen und Lieferungen schwer zu kontrollieren sind. Die Bonner Bundesnetzagentur, die über einen störungsfreien Funk- und Radiobetrieb wacht, der Zoll und die regionalen Aufsichtsbehörden führen angesichts der Importschwemme einen schwierigen Kampf.

"Der Vertrieb übers Netz drückt immer mehr rein", sagt ein Behördensprecher. "In manche Läden können Sie jede Woche wieder gehen", sagt Saalmann, der von Dortmund aus in fast ganz Nordrhein-Westfalen kontrolliert. In der Bundesnetzagentur überwachen bereits mehr als 400 Mitarbeiter an 20 Standorten den Markt und beheben Funkstörungen. "Angesichts der wachsenden Flut unsicherer Produkte werden wir unsere Arbeit vor allem im Online-Handel weiter intensivieren", sagt Behördenchef Jochen Homann.

Brennende Funksteckdose

Die Aufsichtsbehörde zeigt vom morgigen Dienstag an in einer Wanderausstellung besonders gefährliche Geräte, die in manchen Fällen wie Zeitbomben im Wohn- oder Schlafzimmer wirken: Ein Film in der Ausstellung zeigt, wie eine Funksteckdose aus Billigmaterial im Versuchslabor unter Stromlast erst Funken schlägt und dann Feuer fängt. Der Brand wäre unter realen Bedingungen wohl lebensgefährlich.

Eine dänische Design-Glühbirne – zu Tausenden am deutschen Markt vertrieben – stört so stark den Radioempfang, dass sich in der Ausstellung ein direkt daneben stehendes Radio kaum noch verstehen lässt. Der Nachbar des Lampenbesitzers aus Augsburg hatte sich an die Störstelle gewandt, weil aus seinem Gerät nur noch Rauschen kam. Ersatzlos vom Markt genommen wurde auch eine Haar-Glättbürste aus den Niederlanden – sie brachte nicht nur allzu lockiges Haar auf Temperatur und dann in Form, sondern produzierte mangels ausreichender Abschirmung auch am Griff noch 121,5 Grad Celsius.

Die Zahl der aus dem Verkehr gezogenen Produkte hat sich in kurzer Zeit mehr als verdoppelt: Von 530.000 Geräten 2014 wuchs sie nach neuesten Zahlen der Netzagentur im vergangenen Jahr auf rund 1,25 Millionen. Rund 840.000 Euro mussten 2016 als Kostenerstattung an die Bundesnetzagentur gezahlt werden. Der Elektro-Branchenverband ZVEI fordert noch mehr Engagement von den Kontrolleuren: "Die Behörden müssen konsequenter gegen solche Machenschaften vorgehen. Seit vielen Jahren fordern wir, die staatliche Marküberwachung zu stärken", sagt Haimo Huhle, beim Verband zuständig für Produktsicherheit.

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