Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.702.466 Produkten

131

"Zeit der Abrechnung": Melinda Gates schaltet sich in #MeToo ein

Bill und Melinda Gates

Bild: dpa, Andrew Gombert

Seit Jahren setzt sich Melinda Gates über eine gemeinsam mit Ehemann Bill gegründete Stiftung für Frauenrechte ein. Auch sie hat Diskriminierung und sexuelle Belästigung selbst erfahren müssen, wie sie jetzt anlässlich der #MeToo-Debatte erzählt.

Melinda Gates ist eine Ausnahme, das sagt sie selbst. "Es dauerte eine Weile, bis ich erkannte, dass ich diese Position habe." Als Ehefrau von Bill Gates, der in den 70er Jahren Microsoft gründete, was ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt machte. Als Mutter von drei Kindern. Und, gemeinsam mit Bill, als Co-Vorsitzende der größten Privatstiftung der Welt, der Bill & Melinda Gates Foundation.

Anzeige

In der #MeToo-Debatte über die sexuelle Belästigung von Frauen aber ist Melinda Gates keine Ausnahme. "Mir widerfuhr Diskriminierung und Voreingenommenheit, weil ich eine Frau war. Und es gab auch ein paar Fälle von sexueller Belästigung", sagt Gates der dpa im Interview.

Über Details will sie nicht sprechen, ihre Erfahrungen seien nicht "besonders entsetzlich" gewesen. Aber: "Ehrlich gesagt gibt es keine Frau aus meinem Bekanntenkreis, der es noch nicht passiert ist. Es ist allgegenwärtig."

Deswegen stellt sich Gates, die sich seit Jahren für die Rechte von Frauen rund um den Globus einsetzt, nun auch voll hinter die #MeToo-Bewegung. "Es macht mich sehr traurig, an all die Frauen zu denken, die seit vielen, vielen Jahren von sexueller Belästigung betroffen sind", sagt die 53-Jährige. "Wir durchleben momentan eine schwere Zeit. Es ist die Zeit der Abrechnung, wo alles endlich herauskommt."

Das sei notwendig. "Der Moment der Abrechnung ist wichtig, damit diese Erfahrungen an die Öffentlichkeit kommen. Diese Transparenz ist wichtig und was als nächstes kommt, ist: 'Was machen wir dagegen?' Ich bin sehr gespannt, welche Ideen dabei herauskommen. Aber auch nur der Diskurs, den ich sowohl in den USA als auch auf meinen Reisen weltweit höre, dass dies nicht mehr weitergehen kann und wir etwas ändern müssen: Das allein ist Fortschritt. Und wir brauchen mehr davon."

Auch bei der Firma ihres Mannes, für die sie auch lange gearbeitet hat, sieht sie in dieser Hinsicht Fortschritte. "Ich bin immer noch eng mit rund zehn Frauen dort befreundet. In den späten 80er und frühen 90er Jahren arbeiteten wir bei Microsoft zusammen. Die Arbeit bei Microsoft war keineswegs perfekt. Aber es war ein sehr meritokratisches [auf Leistungsträger fixiertes, die Red.] Unternehmen, als meine weiblichen Kollegen und ich dort arbeiteten. Man konnte unglaublich schnell aufsteigen, wenn man gute Arbeit leistete. Wir haben uns gegenseitig unterstützt."

Die Branche insgesamt sei allerdings "nicht besonders gut" gewesen. "Wir haben sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Voreingenommenheit in der Branche erfahren. Aber innerhalb des Gebäudes fühlten wir uns relativ sicher."

Die #MeToo-Debatte entstand im vergangenen Herbst, nachdem Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein laut geworden waren. Die Enthüllungen hatten eine weltweite Bewegung ins Rollen gebracht, bei der Hunderttausende Betroffene über eigene Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen berichten und Missbrauchsvorwürfe öffentlich machen. Auch die Technologie-Branche blieb davon nicht verschont. So berichteten Dutzende Frauen aus dem Silicon Valley im Internet von ihren negativen Erfahrungen.

Anzeige

Ihre Stimme zu erheben und selbst Teil der #MeToo-Bewegung zu werden, ist für Gates ein wichtiges Anliegen, sagt sie. "Als ich realisierte, dass Frauen mich als Führungsfrau betrachten, wurde mir klar, dass ich diese Stimme mehr nutzen muss, um im Namen von Frauen auf der ganzen Welt Probleme anzusprechen." Auch ihren drei Kindern will Gates Vorbild sein. "Ich sage meinen zwei Töchtern und meinem Sohn, dass sie ihre Stimme in der Welt nutzen sollen. Vor zehn Jahren merkte ich, dass ich das nicht wirklich gemacht habe. Ich habe mehr hinter den Kulissen gearbeitet. Ich schätze meine Privatsphäre und die Privatsphäre meiner Familie. Aber ich erkannte, wenn ich meinen Töchtern sage, dass sie ihre Stimme in der Welt nutzen sollten, muss ich das als ihr Vorbild auch tun." (dpa) / (tiw)

131 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Sexuelle Belästigung: Microsoft schafft Pflicht zu Schlichtung ab

    Sexuelle Belästigung: Microsoft schafft Pflicht zu Schlichtung ab

    In den USA ist es Angestellten oft untersagt, Vorwürfe sexueller Belästigung vor Gericht zu bringen. Stattdessen müssen sich die Opfer einer Schlichtung unterwerfen. Als erster großer Konzern schafft Microsoft das ab – bevor der Gesetzgeber tätig wird.

  2. "Goalkeepers": Gates-Stiftung warnt vor Kürzungen der Entwicklungshilfe

    Bill und Melinda Gates

    Kindersterblichkeit, HIV, Impfungen - der Kampf gegen Armut und Krankheiten sei in den letzten Jahrzehnten gut voran gekommen, sagt Microsoft-Gründer Gates. Aber mit einem neuen Bericht will er auch zeigen: Bei Geld-Kürzungen geht das so nicht weiter.

  3. Bill Gates kritisiert Trumps Kampagne "America first"

    «Make America Great Again»

    Jedes Jahr legen Bill und Melinda Gates in einem öffentlichen Brief ihre Sicht der Dinge dar, nun bereits zum zehnten Mal. "Schwierige Fragen" ist das Oberthema - da geht es natürlich auch um US-Präsident Trump.

  4. Bloomberg: Jeff Bezos ist reicher als Bill Gates es jemals war

    Bloomberg: Jeff Bezos ist reicher als Bill Gates es jemals war

    Der Amazon-CEO soll so viel Geld angehäuft haben wie es Bill Gates noch zu keinem Moment geschafft hat, meldet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Der Microsoft-Mitgründer ist allerdings philanthropisch aktiver als Bezos.

  1. Googeln Sie mal "von vorgestern", Mr. Damore

    Das im viel diskutierten "Google Manifest" formulierte Frauenbild scheint rückständig - ist jedoch aktueller denn je. Zeit für eine Debatte über einen neuen Typus "sozial verträglicher Mann"

  2. Quid pro quo: Niemand muss bei Deals à la Weinstein mitspielen

    Geduldete sexuelle Übergriffe von Menschen in Machtpositionen sollten nicht als Missbrauch, sondern als Korruption verstanden werden

  3. #metoo: Welche nicht?

    Der Hashtag #metoo offenbart das Ausmaß an sexueller Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung von Frauen

  1. Sternenexplosion: Amateur-Astronom beobachtet erstmals Beginn einer Supernova

    Astronomie: Amateur-Astronom beobachtet erstmals Beginn einer Supernova

    Der Argentinier Victor Buso widmet sich in seiner Freizeit der Astronomie: Nun ist es ihm offenbar als erstem Menschen überhaupt gelungen, die Anfänge einer Supernova abzulichten. Forscher erhoffen sich wichtige neue Erkenntnisse.

  2. Fritzbox 7583: Neuer AVM-Router für extraschnelles DSL

    MWC: Fritzbox 7583 für extraschnelles DSL

    Äußerlich gleich, innen flotter als der Vorgänger 7580: Die Fritzbox 7583 schafft an gebondeten G.fast-Anschlüssen maximal 3 GBit/s Downloadrate. Super Vectoring beherrscht sie aber auch.

  3. Klartext: Der Frosch, der Auto fährt

    Klartext

    Bei Comma.ai kann man sich an einem Open-Source-Projekt zum autonomen Fahren beteiligen. Das ist cool. Gründer George Hotz prahlt gern: "We are going to win autonomous cars." Das ist weniger cool. Ich verbreite etwas Ernüchterung

  4. Studie: IT-Freiberufler nagen nicht am Hungertuch

    Xing AG

    Selbständige werden häufig als Risikogruppe für Altersarmut dargestellt, was laut einer repräsentativen Allensbach-Studie zumindest für den IT-Bereich nicht zutrifft. Dort liege das frei verwertbare Monatsnetto-Einkommen für Freelancer bei fast 4700 Euro.

Anzeige