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Helga Hansen 190

Wonder Woman – "Die Menschen verdienen Dich nicht"

Wonder Woman –

Bild: Warner Bros.

Nach 21 Jahren und drei finanziell erfolgreichen, aber inhaltlich enttäuschenden Filmen bringt DC endlich Wonder Woman auf die große Leinwand und findet nebenbei, was seinen Superhelden zuletzt fehlte: glaubwürdige Motivation, fürs Gute einzustehen.

Was hatte es nicht alles für Argumente gegeben, warum der Film so lange brauchte. Wie sollte griechische Göttermythologie erfolgreich in die Neuzeit gebracht werden? Können Superheldinnenfilme überhaupt funktionieren? Und dann noch die feministisch motivierte Wonder Woman, Kreation eines umstrittenen Psychologen, die gar nicht unbedingt zuhauen, sondern im Glauben an die Wahrheit Konflikte auch mit Mitgefühl lösen möchte?

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Spätestens seit Marvel mit Thor erfolgreich Göttermythologie umgesetzt und DCs Supergirl sich im Fernsehen mit buntem Empowerment einen festen Platz geschaffen hat, sahen die Vorbehalte alt aus. Der Erste Weltkrieg bildet dabei den passenden Rahmen, um griechische Götterdämmerung an die Moderne anzubinden. Der Kontrast zwischen übermenschlich starken Amazonen mit Pfeil und Bogen und Soldaten mit einfachen Gewehren bleibt überschaubar, während der zunehmende technische Fortschritt schnell in die falschen, bösen Bahnen gelenkt werden kann.

Zunächst aber wächst die Amazonenprinzessin Diana (Gal Gadot) auf der Insel Themyscira heran, während ihre Mutter Königin Hippolyta (Connie Nielsen) und ihre Tante Antiope (Robin Wright) über ihre militärische Ausbildung streiten. Provoziert die Vorbereitung auf den Krieg diesen nicht erst? Nach dem Absturz des Piloten Steve Trevor (Chris Pine) und seinen Erzählungen ist die Sache für Diana klar. Sie macht sich auf den Weg, den Krieg zu beenden, der alle Kriege beenden sollte. Dafür sammelt sie mit Steve in bester Superheldenmanier eine bunte Truppe zur Unterstützung zusammen: Trickbetrüger Sameer (Said Taghmaoui), den ehemaligen Scharfschützen Charlie (Ewen Bremner) und Schmuggler Chief, den letzten Überlebenden eines US-Ureinwohnerstamms (Eugene Brave Rock).

Dabei hat Regisseurin Patty Jenkins viel mehr einen Kriegs- als Superheldenfilm geschaffen. Die typischen Kostüme und Kampfszenen, inklusive Slow-Motion-Einlagen, bilden nur den Rahmen für das Elend und die Absurditäten des ersten modernen Kriegs. Nach der paradiesischen Amazoneninsel mit strahlendem Sonnenschein und blauer See geht es ins düster-kalte London, in dem neben glitzernden Shoppingtempeln Kriegsstrategien besprochen werden. Spätestens auf dem Weg ins belgische Niemandsland wird deutlich, wie elend Krieg Soldaten und Zivilbevölkerung zurücklässt. Aus dem Töten macht Jenkins folgerichtig keine blutspritzenden Ereignisse. Stattdessen zeigt sie, wie fragil ein Sieg sein kann, wenn das eben befreite Dorf am nächsten Morgen mit der nächsten Erfindung ausgelöscht wird.

Quelle: Warner Bros.

Hier darf Diana noch der Illusion anhängen, nur eine Veränderung, ein gezielter Tod würde magisch alles wieder gut machen. So einfach ist es nicht – im Gegenteil. "Die Menschen verdienen Dich nicht" hatte Hippolyta ihrer Tochter mit auf den Weg gegeben. Dass dies stimmt und sie sich trotzdem entscheiden kann, den Menschen beizustehen hebt diese Origin Story von Wonder Woman angenehm von ihren düster vor sich hin brütenden DC-Kollegen ab. Hinzu kommen die vielfältigen Seiten Dianas, die sowohl kampflüstern Panzer aufhebt, sich über das Konzept der Ehe wundert, ihre Kleidung lieber funktional wählt und losquietscht, als sie das erste Mal im Leben ein Baby sieht. Schließlich stimmt auch die Chemie von Gal Gadot und Chris Pine, die einen Hauch Romantik bringt.

Zusammengenommen bringt der Film endlich die Menschlichkeit ins DC Extended Universe, die bisher fehlte. (Helga Hansen) / (kbe)

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