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Hal Faber 57

Was war. Was wird. Von der besten aller Welten.

EIn Bär kann schon ein Bild der Gelassenheit abgeben

Auch in der besten aller Welten ist etwas Gelassenheit so manches Mal keine schlechte Haltung.

Wenn am 300. Todestag in memoriam Leibniz die Glocken läuten, mögen Einige das angesichts seltsamer Nachrichten als Warnung vor dem Ende der Welt interpretieren. Die beste aller Welten hat aber noch einiges zu bieten, ist sich Hal Faber sicher.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

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Was war.

Was Google so bei der Suche nach "Trump Flag" findet...

*** Something told me it was over nach dieser Woche, in der noch nicht abzusehen ist, was vom ersten schwarzen Präsidenten der USA bleibt. Das weiße Amerika hat nach einer denkwürdigen Nacht gesiegt, für das schwarze gilt jenseits des Ozeans none of us are free. Das weiße Amerika bedankt sich bei Julian Assange für seine heldenhafte Arbeit, etwa der Klu-Klux-Clan-Führer David Duke oder das "rechte blonde Gift", die Moderatorin Ann Coulter. Auch die Taktik des FBI-Chefs James Comey, mit 650.000 bedenklichen Mails den Wahlkampf aufzufrischen, wird als wichtiger republikanischer Schachzug gelobt. Ob hinter all dem Russland wirklich ein paar Stellschrauben bei Wikileaks drehte und dem Trüpplein um Assange etwas unter die Arme griff, wird sicher noch geklärt werden. Angesichts der demnächst anstehenden Bundestagswahl hat es die Angst vor solcher Einflussnahme bereits in die Cyber-Sicherheitsstrategie unserer aktuellen Regierung geschafft.

*** Leute, die dieses Internet hassen, können natürlich auch Trumps Sieg erklären und sehen eine "eine Art putinesken Mafiastaat" kommen, in dem das Tagesgeschäft dem Vizepräsidenten überlassen wird und für Big Daddy jede Pussy zu haben ist. Neben dieser überaus zynischen Sicht kommt eine Einschätzung wie die von Edward Snowden geradezu staatstragend daher. Ja, es ist nicht das Ende der Geschichte, sondern der Anfang von etwas Neuem. Gibt es beispielsweise ein Widerstandsrecht im Vorgriff zu Trumps zahllosen Drohungen gegen die Immigranten, in der IT die Hebel umzulegen und Datenbanken zu löschen, in denen Illegale verzeichnet sind?

*** Immerhin gibt es erste Hinweise, wie es weitergehen kann, wenn Trump nicht als Spottfigur oder Aushängeschild enden oder als Meteor verglühen soll. Im neuen Team taucht der homosexuelle Internet-Starinvestor Peter Thiel auf, ein Mann, der sich bekanntlich sehr disruptiv gibt und das korrupte politische System wissenschaftlich reformieren will. Der Milliardär Thiel passt zum Milliardär Trump, der als disruptives Startup die Republikaner aufgemischt hat. Die von ihm mitgegründete Palantir Technologies gehört zu den wichtigsten Software-Herstellern für die Überwachung des bedrohlichen Auslandes durch US-amerikanische Dienste. Ob jetzt der Moment da ist, an dem die NSA von einem wie Trump missbraucht werden kann, wie es Whistlebower Thomas Drake glaubt? Gegen die These vom schlüsselfertigen Überwachungssystem NSA (Katharina Nocun) steht die Erkenntnis, dass die USA noch Checks and Balances haben, um sich Privataufträgen eines Präsidenten zu entziehen, an dessen Privatuniversität Geschäftsleute mit Waterboarding fit für's Geschäft gemacht wurden.

*** Bald darf Barack Obama sein abgesichertes Blackberry aus der Hand legen und dem digitalen Archiv übergeben, während Trump, der Samsung bevorzugt, vielleicht mit der SIMKo3-Lösung oder einem speziellen Präsidenten-Knox seinen Dienst antritt. Vielleicht werden die IP-Telefone in seinem Büro ausgetauscht und durch "vergoldete" Sicherheitstechnik ersetzt, wie sie daheim seinen langen Schreibtisch ziert. Sail on, sail on, o mighty ship of state, sang dereinst Leonard Cohen in "Democracy is coming to the USA" unter dem Eindruck des Tianmen-Massakers. Nun ist er davongesegelt und hinterlässt uns die Erkenntnis: Das Kaputte ist ein Anfang.

Was wird.

Morgen ist der Höhepunkt des Leibniz-Jahres und wir denken an den Denker des Dualsystems und den Erbauer einer Rechenmaschine, die multiplizieren konnte. An seinem 300. Todestag werden zu seiner Todesstunde um 10 Uhr abends in Hannover die Glocken läuten und mehr als jeder zweite Hannoveraner wird andächtig einen dieser Kekse mit 52 Zacken verzehren, ehe er seine sonstigen Antidepressiva online ordert, die für ein melancholisches Leben am Rande der norddeutschen Tiefebene gebraucht werden. Doch selbst in der besten aller Welten kamen die Wissenschaftler nicht umhin, zur US-Wahl ihren an Leibniz geschärften Verstand zu präsentieren, nach der Wahl natürlich. Da wird zum Beispiel der von Trump versprochene Kampf gegen den Daesh analysiert. Die beste Welt ist es gerade nicht: "Ein wesentliches Element des weltweiten Kampfes gegen den Terror stellt die unter George W. Bush begonnene und unter Barack Obama deutlich ausgeweitete Praxis gezielter Tötungen mit Kampfdrohnen dar. Diese wird wahrscheinlich unter Trump weitergeführt."

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Doch halt, wir wollen ja unseren Leibniz feiern, und in der besten aller Welten geht das entweder über die Variationsrechnung, bei der sich die Mathematiker damals der besten Welt annäherten, indem sie ganze Kurvenverläufe berechneten oder hemdsärmeliger über Voltaire. Mit dem scharfen Blick des Aufklärers ließ er seinen trefflichen Magister Panglos Magister Panglos auftreten:
"Panglos lehrte die Metaphysiko-theologo-kosmolo-nigologie; bewies mit der stärksten philosophischen Suade, daß ohne Ursach keine Wirkung sein könne, und daß in dieser besten aller möglichen Welten das Schloß des gnädgen Herrn Barons das schönste aller Schlösser sei und die gnädge Frau die beste aller möglichen Baroninnen. Es ist bereits klärlich dargetan, hub er zu demonstieren an, daß die Dinge nicht anders sein können, als sie sind; denn alldieweil alles, was da ist, zu einem Endzweck geschaffen worden, so zielt notwendig alles zu dem besten Endzweck ab. Gebt nur acht, und Ihr werdet diese Grundwahrheit durchgängig bestätigt finden. Betrachtet zum Beispiel Eure Nasen. Sie wurden gemacht, um Brillen zu tragen, und man trägt auch welche."

Die beste aller Welten kann schon recht zerbrechlich wirken.

Hurra, diese Erde ist trotz Trump ein hübsches Plätzchen, nicht nur in Marrakesch. Mit industriefreundlichem Gruß! in die Woche, wenn es wieder andere Themen gibt und die Erde sich gedreht hat. Bis es soweit ist, gucken wir alle nochmal The Deer Hunter und verstehen die US-Provinz des Flyover Country, das wir bislang geflissentlich ignoriert haben. Aber vielleicht führt uns ja auch Patrick Bateman in die nahe Zukunft Amerikas. (Hal Faber) / (jk)

57 Kommentare

Themen:

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