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Larissa Schmitz, dpa 418

VoD, Streaming & Co.: Hat die klassische Videothek ausgedient?

VoD, Streaming & Co.: Hat die klassische Videothek ausgedient?

In Zeiten von Streaming-Diensten und Video-on-Demand-Plattformen scheint die Videothek mehr und mehr obsolet zu werden. Gibt es doch alles online, oder? Nicht ganz, erklärt ein Experte.

Eine Viertelstunde vor Öffnung betritt Karin Hüttenhofer ihre Videothek. Sortiert Filme ein, füllt die Kaffeemaschine auf, stellt Tische und Stühle raus. "Traumathek" heißt der Laden im Kölner Süden. Rund zehn Stunden verbringt sie pro Schicht zwischen Filmregalen und hinter der Theke, reicht DVDs, Kaffee oder Limonade an die Kundschaft heraus, verkauft Filmplakate und Fachliteratur. Im "Studio Agento", dem Hinterzimmer der Videothek, veranstaltet sie zudem regelmäßig Filmvorführungen.

"All diese kleinen Dinge helfen", erklärt Karin. Denn auch, wenn die "Traumathek" seit ihrer Eröffnung 1994 zu den Kultvideotheken Deutschlands zählt – im digitalen Zeitalter kämpft auch sie ums Überleben und sammelt sogar Spenden.

Mit existenziellen Problemen steht die "Traumathek" in der Branche längst nicht allein da. "Videotheken-Rückgänge haben wir seit über zehn Jahren", sagt Jörg Weinrich, Vorstand des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD). Im Jahr 2016 wurden demnach insgesamt 933 Videotheken in der Bundesrepublik gezählt. Zum Vergleich: Zu Spitzenzeiten, so ungefähr Anfang der 90er Jahre, verzeichnete man über 9000.

Streaming statt Leihe

Für das Videothekensterben macht Weinrich auch Raubkopien im Internet verantwortlich. Aber auch wer auf illegale Angebote verzichtet, wird bei VoD-Anbietern wie Netflix und Amazon Prime schnell fündig, ohne dabei den Logenplatz auf dem heimischen Sofa verlassen zu müssen.

Peter Glanz, Betreiber einer der letzten Videotheken in Frankfurt, kann nur bestätigen, dass das Geschäft immer härter wird. Seine "Video-City" gibt es seit 1992, er selbst ist seit 2003 mit dabei. Vor einem Jahr zog er in ein kleineres Ladenlokal um. Auch an den Öffnungszeiten und am Personal wurde gezurrt. "Es ist aber auch so nicht einfach", gesteht er. Ausleihzahlen, die früher an einem ruhigen Wochentag erzielt wurden, kämen heute nur noch am umsatzstärkeren Wochenende zustande.

Ist die Zeit einfach über die Videothek hinweggegangen? Sollte man diese Art des Filmverleihs nicht einfach einmotten? Nein, findet Filmwissenschaftler Tobias Haupts von der Freien Universität Berlin. Das Angebot der Videothek sieht er als "Kostbüffet": als Möglichkeit, zu günstigen Preisen Filme antesten zu können, ohne sie gleich kaufen zu müssen.

Abseits des Mainstreams

Vergleichbare Video-on-Demand (VoD)-Anbieter im Netz seien mehr auf neue Produktionen fokussiert. Ältere oder unbekanntere Filme suche man hier meist vergeblich. Und was soll mit dem Horrorgenre passieren und allgemein mit Filmen, die erst ab 18 freigegeben sind? Von denen, erklärt Haupts, gibt es auf digitalen Plattformen nur eine sehr beschränkte Auswahl. "So sehr Streaming-Dienste auch boomen, sie haben noch einen sehr weiten Weg vor sich, bis sie mit dem, was eine Videothek kann, konkurrieren können", meint Haupts.

"Traumathek"-Inhaberin Karin sieht es – natürlich – genauso. Ohne Videotheken würde etwas fehlen, ist ihre Überzeugung: "Die Leute würden so alle in eine Richtung gelenkt, der Mainstream würde dadurch immer größer", findet sie. "Ich habe die "Traumathek" immer als Subkultur verstanden, die ihr Augenmerk auf das legt, was die anderen nicht beachten." Sie hofft, dass Filminteressierte auch weiterhin über den Tellerrand schauen wollen: "Ich bin da sehr positiv eingestellt." (axv)

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