Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.734.489 Produkten

Larissa Schmitz, dpa 418

VoD, Streaming & Co.: Hat die klassische Videothek ausgedient?

VoD, Streaming & Co.: Hat die klassische Videothek ausgedient?

In Zeiten von Streaming-Diensten und Video-on-Demand-Plattformen scheint die Videothek mehr und mehr obsolet zu werden. Gibt es doch alles online, oder? Nicht ganz, erklärt ein Experte.

Eine Viertelstunde vor Öffnung betritt Karin Hüttenhofer ihre Videothek. Sortiert Filme ein, füllt die Kaffeemaschine auf, stellt Tische und Stühle raus. "Traumathek" heißt der Laden im Kölner Süden. Rund zehn Stunden verbringt sie pro Schicht zwischen Filmregalen und hinter der Theke, reicht DVDs, Kaffee oder Limonade an die Kundschaft heraus, verkauft Filmplakate und Fachliteratur. Im "Studio Agento", dem Hinterzimmer der Videothek, veranstaltet sie zudem regelmäßig Filmvorführungen.

Anzeige

"All diese kleinen Dinge helfen", erklärt Karin. Denn auch, wenn die "Traumathek" seit ihrer Eröffnung 1994 zu den Kultvideotheken Deutschlands zählt – im digitalen Zeitalter kämpft auch sie ums Überleben und sammelt sogar Spenden.

Mit existenziellen Problemen steht die "Traumathek" in der Branche längst nicht allein da. "Videotheken-Rückgänge haben wir seit über zehn Jahren", sagt Jörg Weinrich, Vorstand des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD). Im Jahr 2016 wurden demnach insgesamt 933 Videotheken in der Bundesrepublik gezählt. Zum Vergleich: Zu Spitzenzeiten, so ungefähr Anfang der 90er Jahre, verzeichnete man über 9000.

Für das Videothekensterben macht Weinrich auch Raubkopien im Internet verantwortlich. Aber auch wer auf illegale Angebote verzichtet, wird bei VoD-Anbietern wie Netflix und Amazon Prime schnell fündig, ohne dabei den Logenplatz auf dem heimischen Sofa verlassen zu müssen.

Peter Glanz, Betreiber einer der letzten Videotheken in Frankfurt, kann nur bestätigen, dass das Geschäft immer härter wird. Seine "Video-City" gibt es seit 1992, er selbst ist seit 2003 mit dabei. Vor einem Jahr zog er in ein kleineres Ladenlokal um. Auch an den Öffnungszeiten und am Personal wurde gezurrt. "Es ist aber auch so nicht einfach", gesteht er. Ausleihzahlen, die früher an einem ruhigen Wochentag erzielt wurden, kämen heute nur noch am umsatzstärkeren Wochenende zustande.

Ist die Zeit einfach über die Videothek hinweggegangen? Sollte man diese Art des Filmverleihs nicht einfach einmotten? Nein, findet Filmwissenschaftler Tobias Haupts von der Freien Universität Berlin. Das Angebot der Videothek sieht er als "Kostbüffet": als Möglichkeit, zu günstigen Preisen Filme antesten zu können, ohne sie gleich kaufen zu müssen.

Vergleichbare Video-on-Demand (VoD)-Anbieter im Netz seien mehr auf neue Produktionen fokussiert. Ältere oder unbekanntere Filme suche man hier meist vergeblich. Und was soll mit dem Horrorgenre passieren und allgemein mit Filmen, die erst ab 18 freigegeben sind? Von denen, erklärt Haupts, gibt es auf digitalen Plattformen nur eine sehr beschränkte Auswahl. "So sehr Streaming-Dienste auch boomen, sie haben noch einen sehr weiten Weg vor sich, bis sie mit dem, was eine Videothek kann, konkurrieren können", meint Haupts.

"Traumathek"-Inhaberin Karin sieht es – natürlich – genauso. Ohne Videotheken würde etwas fehlen, ist ihre Überzeugung: "Die Leute würden so alle in eine Richtung gelenkt, der Mainstream würde dadurch immer größer", findet sie. "Ich habe die "Traumathek" immer als Subkultur verstanden, die ihr Augenmerk auf das legt, was die anderen nicht beachten." Sie hofft, dass Filminteressierte auch weiterhin über den Tellerrand schauen wollen: "Ich bin da sehr positiv eingestellt." (Larissa Schmitz, dpa) / (axv)

Anzeige

418 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Vom Verbraucher zum Kunden: 20 Jahre Strommarkt-Liberalisierung

    Vom Verbraucher zum Kunden: 20 Jahre Strommarkt-Liberalisierung

    Den Stromlieferanten wechseln wie das Bankkonto oder den Handyvertrag: Seit 20 Jahren geht das grundsätzlich. Immer mehr Verbraucher nutzen diese Chance zum Sparen – aber längst nicht alle.

  2. Netflix: In 20 Jahren vom Videoverleih zum TV-Revolutionär

    Netflix

    Netflix wird oft als junger Herausforderer der TV-Industrie wahrgenommen - aber die Firma gibt es schon seit 20 Jahren. Die Bereitschaft, sich radikal neu zu erfinden, bewahrte Netflix vor dem Schicksal alter Rivalen.

  3. E-Bike statt E-Klasse: Das Geschäft mit Dienstrad-Leasing blüht

    E-Bike statt E-Klasse: Das Geschäft mit Dienstrad-Leasing blüht

    Immer mehr Firmen leasen für ihre Belegschaft Dienstfahrräder. Das freut nicht nur die Leasing-Branche. Auch der Fahrrad-Handel mischt gerne mit. Wo geht die Entwicklung hin?

  4. "Vinyl ist für immer" – Vom Comeback der Schallplatte

    "Vinyl ist für immer" – Vom Comeback der Schallplatte

    Die Schallplatte trotzt ihrer digitalen Konkurrenz. 130 Jahre nach ihrer Erfindung ist die Totgesagte so vital wie schon lange nicht mehr – das zeigen die Verkaufszahlen. Für Vinyl-Fans bestätigt sich damit eine alte Gewissheit.

  1. Vom iPhone zu Android: So gelingt der Smartphone-Wechsel

    Sie haben keine Lust mehr auf das iPhone und wollen ins Android-Lager wechseln? Wir zeigen, wie Sie problemlos umziehen.

  2. Bildung: Mehr Input

    Bildung: Mehr Input

    Mithilfe von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz versprechen immer mehr Unternehmen, eine Art Turbogang für Schulen und Universitäten zu schaffen. Aber ist mehr Technik in der Bildung tatsächlich die Lösung?

  3. Klartext: Bye, bye, Baby Boom

    Klartext

    „The Grand Tour“ ist in der neuen Staffel konservativer, als es Wilsons Top Gear je war. Das moderne Auto findet nicht statt, während sich die Interessen der Zielgruppen verschieben. Ähnliches gilt auch für die Zweirad-Szene. Und wir fuhren früher mehr BMX ...

  1. Batteriesystem und Ladestrategie beim Audi e-tron

    Audi e-tron

    Der erste rein elektrische Audi hat eine Batterie mit großer Kapazität. Und er kann sehr schnell laden. Wie das Konzept im Detail funktioniert, haben die Ingenieure des e-tron jetzt in einem Workshop erklärt: Das unausgesprochene Ziel ist, einen neuen Maßstab zu setzen und Tesla zu übertreffen

  2. Fahrbericht: Mazda 3 mit Homogen-Benziner

    Mazda

    Alle reden von Elektrifizierung – manche von teilweiser, manche von vollständiger. Mazda hingegen will die Schadstoff- und Klimaziele mit dem Verbrennungsmotor erreichen und bringt daher kommendes Jahr eine Kombination aus Otto- und Dieselmotor auf den Markt

  3. Löschanlagen-Ton zerstört Festplatten in schwedischem Rechenzentrum

    Rechenzentrum

    Der extrem laute Ton einer Gaslöschanlage hat in einem Rechenzentrum in Schweden zahlreiche Festplatten beschädigt. Der Börsenhandel in Skandinavien war deshalb stundenlang beeinträchtigt.

  4. Private Videoüberwachung: Illegaler Einsatz ist strafbar

    Überwachung im Innenhof: Beschwerden von Nachbarn nehmen zu

    Private Überwachungskameras hängen in Hauseingängen oder an Balkonen, filmen den Innenhof oder Besucher im Hausflur. Immer mehr Menschen sehen sich dadurch belästigt. Berlins Datenschutzbeauftragte bekommt es zu spüren.

Anzeige