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Teresa Nauber, dpa 21

Vermesst euch selbst: Wie viel Tracking ist gesund?

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Die Fitness-Welt wird vernetzter. Das hat auch Nachteile. (Archivbild)

Bild: dpa, Britta Pedersen

Auf der Fitnessmesse Fibo zeigen die Hersteller cloudbasierte Produkte, die alle Fitnessdaten zusammentragen. Und Körperscanner, die den Sportler bis ins Detail vermessen. Das kann motivieren, hat aber auch Schattenseiten.

Auf dem Bildschirm flackern kleine bunte Kreise auf. Sportler eins kommt nicht so richtig hinterher. Dafür tritt der Teilnehmer mit der Nummer sechs heute richtig in die Pedale. Ob vor Box-Geräten, Spinning-Rädern oder auf den Touchscreens der modernen Laufbänder: Überall auf der Fitnessmesse Fibo in Köln (noch bis 15. April) ist zu beobachten, wie digital und vernetzt die Sportwelt mittlerweile ist.

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"Die Menschen sind immer und überall online, verbunden mit der Welt. Wir glauben, dass sie das auch beim Sport sein wollen", sagt Jason Worthy vom US-Hersteller Life Fitness. Das Unternehmen stellt auf der Fibo ein cloudbasiertes System vor, das die Fitnessdaten von Clubmitgliedern zusammenführt und auswertet. Der gläserne Sportler, könnte man sagen. Das Optimum fürs Training, halten andere dagegen. Für Worthy liegen die Vorteile auf der Hand: Fitness sei doch eine sehr individuelle Sache. Während seine Frau beim Sporteln abgelenkt werden will, weil sie bloßes Training öde findet, steht er auf Daten: "Ich will wissen, wie schnell ich war – und ob ich schneller war als beim vorigen Mal."

Mit Hilfe der Technik lerne der Trainer im Studio den Sportler viel besser kennen, sagt Worthy. "Die Technik soll Menschen nicht ersetzen, sondern das Trainingserlebnis erweitern." Seine Vision: maßgeschneiderte Lösungen, damit die Leute dranbleiben und nicht schon nach wenigen Wochen gelangweilt sind von ihrem Training. Dient die Technik der Motivation, sei das natürlich erst einmal nicht schlecht, findet Prof. Ingo Froböse von der Sporthochschule in Köln. Allerdings ist dann eben auch wichtig, dass die Daten interpretiert werden.

Wer in seinem Studio allerhand Daten erheben lässt, sollte deshalb einfordern, dass ein Trainer sie auswertet und zum Beispiel den Trainingsplan entsprechend anpasst. Die Rolle des Trainers ist auch für Christina Gregori wichtig. Sie bildet die Instruktoren beim Gerätehersteller Schwinn aus, der unter anderem vernetzte Indoor-Cycling-Räder anbietet. Die Räder verbinden sich mit den Fitnessarmbändern der Kursteilnehmer. Außerdem werden die Trainingsdaten der Radler direkt aus dem Ergometer auf einen großen Bildschirm übertragen. "Sie können dann gegeneinander fahren oder alle gemeinsam ein Ziel erreichen", erklärt Gregori.

Sich vergleichen, in einen Wettbewerb treten, schneller sein als der andere – "die Leute wollen das", sagt Gregori. Aber sie betont auch: "Es ist die Aufgabe eines guten Trainers, das im Zaum zu halten." Denn wer sich vor lauter Eifer überfordert, tut sich keinen Gefallen. Die ausführliche Selbstvermessung birgt daneben aber noch eine ganz andere Gefahr. Denn je mehr Daten einer Person irgendwo zusammengefasst werden, desto transparenter wird sie. Joanna Schmölz vom Deutschen Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) rät deshalb dringend, die AGBs zu lesen, wenn man seine Gesundheitsdaten irgendwo preisgibt.

Das sei nervig, aber wer auf seinen Körper achtgibt, der sollte auch mit seinen Daten vorsichtig umgehen. Im Fitnessstudio lohnt es sich nachzufragen: Wie werden die Daten gespeichert? Anonym oder verbunden mit dem eigenen Namen? Und wer hat Zugriff auf das, was erhoben wird? Die Unternehmen handhaben das durchaus unterschiedlich. Benjamin Krause vom Gerätehersteller Matrix etwa betont, dass die von den Matrix-Geräten erhobenen Daten rechtlich gesehen dem Sportler gehören. Nicht dem Studio, und auch nicht dem Gerätehersteller.

Bei Bodygee ist das anders. Das Schweizer Unternehmen hat für seinen 3D-Bodyscanner gerade einen Innovationspreis auf der Fibo bekommen. "Der Personal Trainer erstellt mit unserem Scanner in regelmäßigen Abständen ein hochauflösendes 3D-Bild Ihres Körpers", erklärt Jens Stimpel aus der Bodygee-Geschäftsführung das Konzept. Der Sportler kann seine Trainingserfolge dann auf seinem Smartphone bestaunen. Die dabei erhobenen Daten allerdings gehören laut Stimpel dem Studio. Und Schmölz zufolge handelt sich dabei um mehr als nur ein paar Zahlen: "Beim 3D-Scan werden Unmengen an Daten erfasst", erklärt sie. "Mit Körperscanner-Aufnahmen können sich andere im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von jemandem machen."

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Auch Froböse findet, dass sich Sportler mit solchen Spielereien ganz schön nackig machen. Und das ohne Not. Denn Hobbyathleten brauchen solche Gadgets seiner Ansicht nach nicht. Den Sportler bis ins letzte Detail zu vermessen, hält der Sportwissenschaftler auch nicht für die eigentliche Aufgabe eines Fitnessstudios: "Ich würde mir wünschen, dass eher Wert auf die eigene Kompetenz des Sportlers gelegt wird." Die Leute sollten wieder spüren lernen, ob es ihrem Körper gut geht, ob und wie viel sie sich gerade belasten dürfen. "Sie sollen ihren Körper nicht einfach abgeben - weder beim Arzt noch im Fitnessstudio." Und für die Dokumentation des Trainingserfolgs genügt im Zweifel auch ein Blick in den Spiegel. (Teresa Nauber, dpa) / (dahe)

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