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Verbraucherzentralen fordern „Algorithmen-Tüv“

Verbraucherzentralen fordern „Algorithmen-Tüv“

Bild: Gerd Altmann, Public Domain (Creative Commons CC0 1.0 Universell)

Wie verändern die Algorithmen die Gesellschaft? Den Implikationen für unseren zunehmend von Algorithmen geprägten Alltag gehen nicht nur IT-Experten wie der CCC regelmäßig nach, auch die Verbraucherzentralen sorgen sich.

Algorithmen, die als Handlungsanweisungen aufgefasst werden können, bestimmen auf vielfältige Weise unser tägliches Leben. Der Informatiker John MacCormick hat eine Rangfolge der wichtigsten Algorithmen unserer Zeit aufgestellt. Viele davon folgen mathematischen oder physikalischen Regeln, wie beispielsweise bei Public Key-Verschlüsselung oder bei der Fehlerkorrektur. Nicht immer aber sind Algorithmen für jeden transparent – manch einer fühlt sich daher schon von Algorithmen getrieben.

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Die Verbraucherzentralen verlangen nun Kontrollen der internen Algorithmen bei sensiblen Internet-Dienstleistungen. „Wenn es um wichtige Dinge geht, wo etwas über mich über meinen Kopf hinweg entschieden wird, brauchen wir einen Algorithmen-Tüv“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, der Deutschen Presse-Agentur. Als Beispiele nannte er Online-Angebote zu Versicherungstarifen oder Studienplätzen. Eine Behörde oder eine staatlich beliehene Institution wie der Tüv solle überprüfen können, ob Computer-Entscheidungen nachvollziehbar seien oder etwa jemand wegen bestimmter Daten-Informationen benachteiligt wird.

Viele Anbieter arbeiteten mit Algorithmen, die auf Basis gesammelter Informationen auf bestimmte Nutzer zugeschnittene Angebote machen könnten, erläuterte Müller. „In vielen Fällen mag das auch genau so sein, dass ich das bekomme, was ich gern haben möchte.“ In Bereichen wie Versicherungstarifen oder Jobangeboten stelle sich aber die Frage: „Wer entscheidet eigentlich darüber, was hier passiert?“

Sei auf der anderen Seite nach wie vor ein Mensch, könne man sich an jemanden wenden, wenn vielleicht etwas missverstanden worden sei. Bei automatisierten Entscheidungen aufgrund großer Datenmengen (Big Data) sei dagegen nicht immer genau klar, wo Daten gesammelt wurden, ob sie richtig erfasst oder womöglich fehlinterpretiert worden seien. „Da muss jemand drauf gucken“, forderte Müller. Eine Überprüfung müsse in staatlicher Regie ablaufen, weil Anbieter Algorithmen natürlich nicht auf einem offenen Marktplatz präsentieren könnten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich für Transparenz bei Algorithmen ausgesprochen. Als Bürger müsse man sich informieren können. „Was passiert da eigentlich mit meinem Medienverhalten?“, fragte sie im Herbst bei den Medientagen München. (dpa) / (map)

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