Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.735.396 Produkten

34

Verbraucherschützer fordern erneut mehr Transparenz bei Algorithmen

Verbraucherschützer wiederholen Ruf nach mehr Transparenz bei Algorithmen

Bild: geralt

Algorithmen bewerten Daten und erleichtern oft den Alltag. Sie entscheiden aber auch darüber, wer einen Kredit erhält. Wie kann man Diskriminierungen entgegentreten? Verbraucherschützer plädieren für mehr Transparenz – und für mehr Allgemeinwissen.

Verbraucherschützer mahnen mehr Transparenz bei automatisierten Entscheidungen an und wollen eine breite gesellschaftliche Debatte darüber anstoßen. Kernforderung ist eine stärkere Kontrolle seitens der Politik. "Wenn ich heute einen Kredit beantragen würde, würde wahrscheinlich ein Algorithmus über meine Kreditwürdigkeit entscheiden", sagte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), am Donnerstag in Berlin. Daten würden ausgewertet, aber oft sei unklar, welche. "Es geht um präventiven Verbraucherschutz."

Anzeige

Immer mehr Entscheidungen würden im alltäglichen Leben heute durch Algorithmen vorbereitet oder automatisch getroffen – ob im Gesundheitswesen, bei Prototypen selbstfahrender Autos, vernetzten Haushaltsgeräten oder bei Einkaufsempfehlungen. Sie könnten das Leben erleichtern, aber auch zu falschen Entscheidungen führen oder Verbraucher diskriminieren, sagte Müller. Der vzbv fordert deshalb auch eine Regulierung und Kontrolle seitens der Politik. Es gehe darum, die Autonomie und Selbstbestimmung der Verbraucher zu schützen. Damit erneuert er eine Forderung aus dem Frühjahr.

Bereits heute entscheiden Algorithmen nicht nur darüber, welche Route wir fahren und welche Werbung wir im Netz sehen. In Frankreich würden nach diesem Verfahren Studienplätze vergeben, sagte Müller. Es wäre "naiv und dumm", berechtigte Sorgen nicht ernstzunehmen.

Denn unklar sei oft, anhand welcher Kriterien solche Entscheidungen getroffen und wie die einzelnen Aspekte gewichtet würden. Algorithmen fielen allerdings häufig unter das Geschäftsgeheimnis von Unternehmen. Der vzbv fordert deshalb, dass die nächste Bundesregierung sich des Themas aus Sicht des Verbraucherschutzes annimmt. "Relevante algorithmenbasierte Entscheidungsprozesse müssen durch eine unabhängige, staatlich legitimierte Institution kontrolliert werden können", sagte Müller.

Bei der Auswertung großer Datenmengen (Big Data) liege in der öffentlichen Diskussion oft der Fokus auf Google oder Facebook, sagte Judith Simon, Professorin für Ethik in der Informationstechnologie an der Uni Hamburg. Dabei werde aber vergessen, dass eine ganze Reihe von Unternehmen sich schon seit langer Zeit etwa in der Konsumforschung mit Prognosen aus der Analyse großer Mengen von Nutzerdaten beschäftige. Für eine Einschätzung müssten die Qualität der Datenquellen, die Angemessenheit der Algorithmen sowie die Methoden der Analyse beurteilt werden.

Nach Einschätzung von Sebastian Stiller, Mathematik-Professor an der TU Braunschweig, ist neben mehr Transparenz aber vor allem auch eine bessere Allgemeinbildung der Verbraucher nötig. Dabei gehe es nicht um dezidierte mathematische Kenntnisse. Man müsse auch kein Ökotrophologe sein, um sich etwas mit Ernährung auszukennen. Und was ein Hybrid-Auto ist, wüssten auch schon viele Verbraucher. "Aber wenn es um Algorithmen geht, hat offenbar niemand das Grundwissen, darüber zu entscheiden." Dabei seien nur relativ wenige Kenntnisse dafür erforderlich. (dpa) / (mho)

34 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Verbraucherschützer fordern Transparenz bei künstlicher Intelligenz

    Verbraucherschützer fordern Transparenz bei künstlicher Intelligenz

    Der Antrag auf einen Bankkredit, das Fahren in einem autonomen Auto und selbst beim Online-Einkauf – Künstliche Intelligenz arbeitet häufig im Hintergrund. Doch wer kontrolliert die Algorithmen?

  2. Verbraucherzentralen fordern „Algorithmen-Tüv“

    Verbraucherzentralen fordern „Algorithmen-Tüv“

    Wie verändern die Algorithmen die Gesellschaft? Den Implikationen für unseren zunehmend von Algorithmen geprägten Alltag gehen nicht nur IT-Experten wie der CCC regelmäßig nach, auch die Verbraucherzentralen sorgen sich.

  3. Geistiges Eigentum im Netz: Intermediäre wie Google sollen stärker in den Fokus

    Wieder im Zentrum der Schlacht ums Geistige Eigentum: die Intermediäre

    An Markenfälscher und Urheberrechtspiraten direkt heranzukommen, fällt Rechteinhabern trotz vieler gesetzlicher Möglichkeiten schwer. Daher sind es Vermittler aller Art – wie etwa Google –, die noch mehr der Durchsetzung von Rechten "helfen" sollen.

  4. 15.000 Dieselkunden schließen sich Schadenersatzklage gegen VW an

    VW, Passat, Clean Diesel

    Viele Kläger, ein Vertreter vor Gericht: Über eine Online-Plattform wollen VW-Kunden im Abgasstreit Schadenersatz herausholen. Verbraucherschützer sehen das im Prinzip positiv – aber nicht ohne Einschränkungen.

  1. Erneuerbare: Die Zukunft der Dezentralisierung

    Unterschiedliche Tendenzen prägen derzeit den Ausbau der Erneuerbaren. Mieterstrom-Modelle könnten Netze entlasten und wieder für mehr Dezentralisierung sorgen

  2. Verbraucherschützer fordern weiteren Diesel-Gipfel

    Andreas Scheuer

    Die Verbraucherzentralen dringen auf einen baldigen Dieselgipfel mit der Autoindustrie. Um im Kampf gegen zu hohe Luftbelastung und drohenden Fahrverbote in Städten voranzukommen, müsse es zu einem Treffen kommen, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands Müller

  3. Die Ursachen wachsender Ungleichheit

    Über kaum ein Thema wird gegenwärtig mehr debattiert als über die wachsenden Einkommens- und Vermögensunterschiede. Erweisen sich dabei gängige Erklärungsansätze als Irrwege?

  1. China bei Elektroautos weit voraus

    China setzt bei Elektoautos Maßstäbe

    Lange waren deutsche Hersteller auf dem wichtigsten Automarkt der Welt kaum zu schlagen. Doch im rasant wachsenden Geschäft mit Elektroautos droht die chinesische Konkurrenz davonzufahren.

  2. Ruckler adé: AMD-Microcode-Update AGESA 1002a behebt Bildraten-Einbrüche mit Ryzen-Kombiprozessoren

    Ruckler adé: AMD-Microcode-Update AGESA 1002a behebt Bildraten-Einbrüche mit Ryzen 3 2200G und Ryzen 5 2400G

    Ein neues Microcode-Update für AMDs Kombiprozessoren Ryzen 3 2200G und Ryzen 5 2400G verhindert, dass deren GPU unter Last kurzzeitig in den Leerlauf-Modus schaltet.

  3. EU-Plan: 20 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz bis 2020

    EU-Plan: 20 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz bis 2020

    Die EU-Kommission will mit einem Maßnahmenpaket die öffentlichen und privaten Investitionen in Künstliche Intelligenz deutlich steigern. Die Entwicklung soll mit Daten aus den Bereichen Verkehr, Gesundheit und Forschung angefüttert werden.

  4. Vorstellung: Hyundai i20 Facelift

    Hyundai i20 Facelift

    Es wird vermutlich nicht die letzte Angebotsbeschneidung sein, die Diesel-Interessenten hinnehmen müssen. Hyundai überarbeitet den Kleinwagen i20 und nimmt das als Anlass, die beiden Selbstzünder mit 75 und 90 PS aus dem Sortiment zu nehmen

Anzeige