Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.703.355 Produkten

Stefan Krempl 578

Tracking: Forscher finden Ultraschall-Spyware in 234 Android-Apps

Tracking: Forscher finden Ultraschall-Spyware in 243 Android-Apps

Sicherheitsexperten der TU Braunschweig haben in über 200 Apps für Android Lauschsoftware von Silverpush entdeckt, mit der sich Nutzer über verschiedene Geräte hinweg verfolgen und recht einfach deanonymisieren lassen.

Immer mehr Mobiltelefonierer haben unwissentlich Ultraschall-Beacons auf ihren Smartphones. Allein die für die Werbeindustrie entwickelte einschlägige Lauschtechnik des Anbieters Silverpush ist mittlerweile in mindestens 234 Android-Apps versteckt, die auf Millionen von Handys weltweit installiert sind. Dies haben Sicherheitsforscher der TU Braunschweig herausgefunden, die ein entsprechendes Studienpapier jüngst auf einer Datenschutzkonferenz in Paris präsentierten. Die Wissenschaftler haben für die Untersuchung über 1,3 Millionen Mobilanwendungen nach Hinweisen auf die Silverpush-Software durchforstet.

Anzeige

Bei einem vergleichbaren Test im April 2015 fanden die Experten erst sechs Apps mit "uBeacons" des ursprünglich indischen Entwicklerteams, im Dezember desselben Jahres waren es 39. Die Anwendungen fürs Handy, mit denen die Silverpush-Technik Huckepack kommt, stamme teils von bekannten Konzernen wie McDonald's oder Krispy Kreme beziehungsweise deren Filialen in südostasiatischen Ländern. Die Apps seien teils bis zu fünf Millionen Mal heruntergeladen worden.

Mit dem "Ultraschall-Leuchtfeuer" wird eine kleine Datensequenz in eine sehr hohe, von Menschen nicht hörbare Frequenz im Bereich zwischen 18 und 20 kHz enkodiert, über gängige Lautsprecher von Computern oder Smart-TVs ausgesandt und von Mikrofonen in Smartphones eingefangen. Bei einer die Technik nutzenden Werbekampagne erstellt der Anbieter ein uBeacon für seinen Kunden und schickt dieses an Medienpartner, die den Audiocode in ihre Inhalte einbetten. Schaut der Nutzer sich diese im Fernsehen an oder stößt er auf einer Webseite darauf, wird der Soundschnipsel über einige Meter Entfernung hin ausgesandt.

Grafiken zeigen, wie eingebettete Ultraschallsignale die Privatsphäre verletzen oder Nutzer verraten könnten.
Grafiken zeigen, wie eingebettete Ultraschallsignale die Privatsphäre verletzen oder Nutzer verraten könnten. (Bild: Studie, TU Braunschweig)

Das Mobiltelefon des Betroffenen nimmt das Beacon auf sendet es mit Zusatzinformationen über den Nutzer in Form verschiedenster Kennungen und Metadaten an den Provider zurück. Dieser kann damit das zugehörige Profil verfeinern und angepasste Werbung ausliefern. Gleichzeitig lässt sich der Nutzer und sein Standort über verschiedene Geräte hinweg verfolgen und vergleichsweise einfach identifizieren. Das Verfahren funktioniert auch beim Location-Based-Marketing, wo beteiligte Händler potenzielle Käufer in der Nähe direkt etwa mit Coupons und Rabatten ansprechen sowie ihr Verhalten im Laden verfolgen.

Bürgerrechtler haben bereits vor der Silverpush-Software gewarnt, Anti-Viren-Dienstleister sie als Malware eingestuft. Das Entwickler-Kit wird inzwischen von San Francisco aus weiter verbreitet. Die Forscher haben zudem vergleichbar funktionierende, auf den Handelsbereich ausgerichtete uBeacons von Anbietern wie Lisnr oder Shopkick ausfindig gemacht, aber in deutlich geringerer Anzahl. Ultraschall-Signale von Shopkick konnten sie etwa in vier von 35 untersuchten Läden in zwei europäischen Städten aufzeichnen. Der Unterschied zu Silverpush sei, dass der Nutzer die einschlägige Anwendung absichtlich starte, um sich etwa Einkaufsvorteile vor Ort zu verschaffen.

Gegenlauschangriff: Mobiltelefone vorm TV abgehört.
Die Forscher haben unter anderem ermittelt, welche Ultraschallsignale bei verschiedenen Mobilgeräten ankommen, wenn ein zwei Meter entferntes TV-Gerät sie abstraht. (Bild: Studie, TU Braunschweig)

Vorerst Entwarnung geben die Forscher, was den aktiven Einsatz der Schnüffeltechnik bei Fernsehwerbung angeht. Laut dem Papier haben sie TV-Streams übers Internet aus sieben verschiedenen Ländern einschließlich Deutschland, Großbritannien, Indien, den Philippinen und den USA viele Stunden lang aufgezeichnet und ausgewertet. Hinweise auf Signale von uBeacons konnten sie dabei aber nicht aufspüren. Dies könne aber auch daran liegen, dass die Streams speziell komprimiert, die Ultraschall-Zusätze dabei herausgenommen worden seien und diese nur in den direkten Rundfunkübertragungen erhalten blieben. Keine Treffer hätten sich auch bei Audio-Elementen vielbesuchter indischer und philippinischer Webseiten ergeben.

Anzeige

Die Wissenschaftler bezeichnen ihre vom Bundesforschungsministerium im Rahmen des Projekts Vamos geförderte Studie als einen ersten größeren Schritt, um Gefahren für die Privatsphäre durch "Ultraschall-Tracking" abzustecken. Weitere Untersuchungen in diesem Bereich seien dringend nötig, da etwa auch Angriffe auf Nutzer von Bitcoin oder des Anonymisierungsdiensts Tor möglich seien. Andere Sicherheitsforscher hatten entsprechende Attacken jüngst bereits skizziert.

(Ursprünglich war in der Meldung von 243 Apps die Rede. Wir bitten für den Zahlendreher um Entschuldigung.)

Lesen Sie dazu bei c't:

(Stefan Krempl) / (ps)

578 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Smartphone-Spiele belauschen Nutzer

    Smartphone-Spiele belauchen angeblich Nutzer

    Eine in Spiele-Apps integrierte Funktion spioniert über das Mikrofon des Smartphones Nutzer darüber aus, welche Werbespots und Sendungen sie im Fernsehen anschauen.

  2. Google hat 2017 mehr als 700.000 bösartige Apps aus Google Play verbannt

    Google hat 2017 700.000 bösartige Apps aus Google Play verbannt

    In einem Jahresbericht führt Google aus, wie sicher der eigene Android-App-Store Google Play doch ist. Aufgrund einiger Vorfälle wirkt die Argumentation stellenweise jedoch nicht ganz glaubwürdig.

  3. Eine Million Android-Nutzer laden falschen WhatsApp-Messenger aus Google Play

    1 Millionen Android-Nutzer laden gefakten WhatsApp-Messenger aus Google Play

    Google hat nicht aufgepasst und Betrüger haben eine Fake-Version von WhatsApp in den offiziellen App Store gebracht. Bei dem Fake handelt es sich um eine Werbe-Spam-App.

  4. Google schmeißt 500 potenzielle Spionage-Apps aus App Store

    Google schmeißt 500 potenzielle Spionage-Apps aus App Store

    Ein Software Development Kit für Werbeeinblendungen soll Schnüffelfunktionen mitbringen. Damit ausgestattete Android-Apps weisen über 100 Millionen Downloads auf, warnen Sicherheitsforscher.

  1. Erpressungstrojaner und Mac-Malware: Schützen statt zahlen

    An der Tastatur

    Bislang konnten sich Mac-Nutzer relativ sicher fühlen. Inzwischen kursierte aber die erste Ransomware im Netz, die auch OS X infiziert. Sie verschlüsselt Daten und erpresst Lösegeld vom Anwender. Mac & i zeigt, wie Sie sich generell vor Malware schützen können und nennt die Hintergründe.

  2. Spielt Shazam NSA?

    Auf Apple-Geräten lässt die Musikidentifikationssoftware das Mikrofon ständig laufen

  3. Vom iPhone zu Android: So gelingt der Smartphone-Wechsel

    Sie haben keine Lust mehr auf das iPhone und wollen ins Android-Lager wechseln? Wir zeigen, wie Sie problemlos umziehen.

  1. Google ARCore 1.0: Realistische Augmented Reality künftig auf 13 Android-Smartphones

    Google ARCore 1.0: Realistische Augmented Reality künftig auf 13 Android-Smartphones

    Die Augmented-Reality-Plattform ARCore wird zum MWC offiziell gestartet: Der Project-Tango-Nachfolger und Apple-ARKit-Konkurrent läuft künftig auf 13 Android-Telefonen.

  2. Unterwegs im BMW i3S

    BMW i3s

    Eine neue Schlupfregelung und eine harmonischere Fahrwerksabstimmung machen den batterieelektrischen BMW i3s zum Agilitätswunder mit ganzheitlichem Ansatz dank Recycling-Materialien und einer mit Strom aus Wasserkraft hergestellten CFK-Karosserie. Aber der Preis ...

  3. Maßnahmen für bessere Luft: Wer zahlt bei Gratis-Nahverkehr?

    Maßnahmen für bessere Luft: Wer zahlt bei Gratis-Nahverkehr?

    Ideen zur Luftreinhaltung gibt es viele, gratis sind die wenigsten. Vor allem der Vorstoß der Bundesregierung, in zunächst fünf Städten kostenlosen Nahverkehr anzubieten, wirft Fragen auf – und lenkt vom Anlass zu der teils hitzigen Diskussion ab.

  4. Wenn Rom ruckelt: Age of Empires Definitive Edition mit technischen Unzulänglichkeiten für 20 Euro

    Age of Empires Definitive Edition: Technische Unzulänglichkeiten für 20 Euro

    Microsoft hat Age of Empires generalüberholt und verkauft das Spiel nun für 20 Euro als Definitive Edition. Die neue Ausgabe ist im Vergleich zum Original hübscher, technisch allerdings miserabel umgesetzt.

Anzeige