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Monika Ermert 388

Telekom-Chef hat das Jammern satt

Timotheus Höttges, CEO der Deutschen Telekom, auf dem DLD 2018

Bild: Hubert Burda Media

Weniger Kritik, aber auch weniger Regulierung, ein breiteres Funkspektrum und viel mehr Intelligenz im Netz verlangt Deutsche-Telekom-Chef Timotheus Höttges.

Timotheus Höttges will nichts mehr hören über das angeblich abgehängte Europa und über Löcher im deutschen Glasfasernetz. "Ich bin die Jammerei darüber leid, was für einen guten Job die USA in der IT machen oder was für tolle Plattformen Tencent oder Alibaba in China sind“, wetterte der CEO der Deutschen Telekom AG auf der Konferenz DLD18 in München. Aus seiner Sicht ist auch das B2C-Plattformgeschäft mit Privatkunden dauerhaft verloren.

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Aber statt dem nachzutrauern, sollten sich Europas Telcos auf das B2B-Geschäft und die 5G-Revolution konzentrieren. Der Telekom-Chef stellt dazu einige Forderungen an die Politik.

Statt ständig über Lücken im deutschen Glasfasernetz zu meckern, regt Höttges an, über die Ursachen dafür nachzudenken. Aus seiner Sicht sind das die Neigungen, "alles zu regulieren", sowie immer nur Kritik statt Lösungen zu liefern.

Deregulierung steht für Höttges an erster Stelle des Aufgabenkatalogs. Solange es für die Wettbewerber billiger sei, auf der Telekom- Infrastruktur mitzufahren, werde es auch keinen echten Infrastrukturwettbewerb geben, sagte er und beklagte seinerseits die schlechtere Position seines Unternehmens im Vergleich zu US-Wettbewerbern. Zurückhaltung der Regulierer auch beim Thema Netzneutralität sowie viel mehr Frequenzspektrum für Europas Telcos oberhalb von 6 Gigahertz stehen auf seiner Wunschliste.

"Blanken Unsinn" nennt Höttges in Bezug auf das kommende 5G-B2B-Netz das Argument von Netzneutralitäts-"Fundamentalisten", dass eine Email genauso schnell transportiert werden muss wie die B2B-Anwendung. Seine Vorstellung, wie sich die Telcos neu erfinden können, setzt vielmehr darauf, mehr Intelligenz in die Basis-Infrastruktur einzupflanzen und das nach Telekom-Vorstellungen durch verschiedene Dienstegüten differenzierte und dadurch komplexe 5G-Netz für Industriekunden zu managen.

Beispielsweise reichten für vernetzte Autos die Latenzen von 5G bisher nicht aus, "selbst wenn alles über Glas geht". Weniger als 10 Millisekunden auf den Stationen vom Fahrzeug über die mobile Site in die Cloud zu den Applikationen und wieder zurück sind zu viel. "Lichtgeschwindigkeit ist nicht genug", so Hoettges. Daher will die Telekom die Clouds bis ganz unten in die Infrastruktur einpflanzen.

Weil das nach Dienstqualitäten differenzierte und durch Authentifizierungsprozesse oder Billing-Management komplexer gemachte 5G-Netz nichts für Start-Ups oder IT-ferne Unternehmen ist, sieht man sich außerdem als neuer Service-Anbieter. "Start-Ups sollten sich nicht um die Komplexität kümmern müssen", so Höttges.

5 Milliarden Investitionen in Deutschland und mehr als 10 Milliarden insgesamt verspricht Höttges dafür. "Wir brauchen die Chinesen nicht, wir brauchen die Amerikaner nicht", unterstrich er. Und man bekomme die besten Ingenieure "nicht, weil die Telekom super-sexy ist, sondern weil wir mit einem Arbeitsplatz in einem sicheren, schönen Land werben, das nicht verschmutzt ist und wo man Kinder gut großziehen kann."

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In diesem Punkt gibt eine auf der DLD18 heute ebenfalls präsentierte Studie von Atomico zu Europas Technologiesektor dem Telekom-Chef recht. In Europa gibt es demnach zurzeit rund 5,5 Millionen Ingenieure, in den USA nur 4,4 Millionen. Europa produziere außerdem doppelt so viele Absolventen in MINT-/STEM-Fächern wie die USA. (Monika Ermert) / (ciw)

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