Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.682.355 Produkten

Dusan Zivadinovic 15

TACNET 4.0: Industriekonsortium entwickelt System für echtzeitfähige Industrievernetzung

TACNET 4.0: Industriekonsortium entwickelt System für echtzeitfähige Industrievernetzung

Bild: oporkka/iStockphoto.com

Im TACNET-Projekt wollen 14 Partner aus Industrie und Forschung ihre Kräfte bündeln, um unter anderem ein einheitliches System für die industrielle Echtzeitkommunikation auf Basis des kommenden 5G-Mobilfunks zu entwickeln.

14 deutsche Unternehmen und Organisationen haben sich im Projekt TACNET 4.0 zusammengeschlossen, um ein einheitliches System für die industrielle Kommunikation in Echtzeit zu entwickeln. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Grundlage des Systems soll der ab 2020 erwartete Mobilfunk der fünften Generation werden (5G). Im Zentrum stehen Verfahren für die Digitalisierung von Produktion und Robotik.

Anzeige

Orientiert an den Bedürfnissen des Marktes, soll eine Basis für vielfältige industrielle Anwendungen entstehen. Koordiniert wird TACNET vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und den Nokia Bell Labs.

Den Projektnamen leiten die Teilnehmer von der sehr geringen Latenz des zugrundeliegenden 5G-Netzes ab – diese seien so niedrig, dass sie die Signallaufzeiten von Nervenfasern unterbieten und daher an taktile Wahrnehmung denken lassen (Tastsinn). Daher könne man von einem „taktilen Internet“ sprechen. TACNET 4.0 verspricht Reaktionszeiten von unter einer Millisekunde. Für Menschen ist die Signallaufzeit nicht mehr als Verzögerung wahrnehmbar.

Ausgangspunkt des TACNET-Projekts ist die vernetzte Produktion (Industrie 4.0). Mit der gegenwärtigen Technik sei die "notwendige höchste Zuverlässigkeit und Kommunikation in Echtzeit" noch nicht durchgängig möglich (Ende-zu-Ende). Die Projektteilnehmer wollen daher die Konzepte und Algorithmen entwickeln und "Voraussetzungen für viele Industrie 4.0-Anwendungen schaffen". Dazu zählen die direkte Interaktion zwischen Mensch und Maschine oder die drahtlose Prozesssteuerung.

Einer der wichtigsten Aspekte ist die lokale und standortübergreifende sichere Datenübertragung mit minimaler Verzögerung, um beispielsweise Maschinen fernsteuern zu können. Prof. Dr.-Ing. Hans Schotten meint, dass innovative 5G-Methoden "anspruchsvolle und bisher nicht realisierbare Szenarien in der Prozess- und Fertigungsautomatisierung" ermöglichen werden. Schotten ist Leiter des Forschungsbereichs Intelligente Netze am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern.

Ein solches Szenario sei zum Beispiel die Fernsteuerung von mobilen Maschinen oder Robotern, die in gefährlichen Arbeitsumgebungen im Einsatz sind oder die Bedienung durch lokal nicht verfügbares Fachpersonal erfordern. Dazu werden im Projekt auch neue Ansätze, wie Big Data-Analytics, Edge-Cloud-unterstützte Echtzeitsteuerung und Ferndienste, untersucht.

Schotten koordiniert das Projekt zusammen mit Dr. Peter Rost von Nokia Bell Labs. Rost ergänzt: "Taktiles Internet ist wichtig für eine umfassende Vernetzung von Menschen und Dingen, da diese Technologie zur industriellen Wertschöpfung beiträgt und das Leben der Menschen im Alltag erleichtern wird. Niemand entwickelt die Anwendungsszenarien von morgen alleine. Es braucht eine übergreifende Zusammenarbeit unterschiedlicher Branchen. Wir freuen uns, dass wir zusammen mit den Partnern in TACNET4.0 die Entwicklung des taktilen Internets vorantreiben können.“

TACNET 4.0 soll aber auch künftige 5G-Netze und gängige sowie neuartige industrielle Kommunikationsnetze integrieren, um die unterschiedlichste industrielle Anwendungen zu unterstützen. Dazu zählt auch die Einbindung von Feldbussystemen. TACNET 4.0 setzt dabei auf offene Schnittstellen, sodass die Netzwerkfunktionen etwa durch Apps erweitert werden können. Auch soll das Mobilfunknetz zur Weitbereichsabdeckung genutzt werden, anstatt wie bisher nur lokale drahtlose Sensornetze oder WLAN zu verwenden.

Anzeige

Zum TACNET-Konsortium gehören unter anderem das ABB Forschungszentrum, Bosch, das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) der Hochschule OWL, NXP, die TU Dresden und die Uni Bremen und Partner wie BASF, Busch-Jaeger, Hirschmann Automation and Control, Vodafone und andere Unternehmen und Institutionen.

Initiiert wurde TACNET 4.0 bereits im April 2017. Die Gesamtlaufzeit beträgt drei Jahre. Das BMBF fördert das Projekt mit rund 6,4 Millionen Euro. Am 30.11.2017 fand in München das erste Konsortialtreffen zum ersten Projekt-Meilenstein statt. Damit schlossen die Teilnehmer die Analyse der Anwendungsfälle und Industrieanforderungen ab. Sie werden nun in die 3GPP-Standdardisierung eingebracht, sodass die technischen Arbeitsgruppen mit ihren Aufgaben starten können. (dz)

15 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Frequenzen und Glasfaser: Bund will 5G-Entwicklung vorantreiben

    Mobilfunkmast

    Infrastrukturminister Dobrindt hat die 5G-Strategie der Bundesregierung vorgestellt. Der Bund will vor allem beim Glasfaserausbau Tempo machen und dafür sorgen, dass die benötigten Frequenzen rechtzeitig zur Verfügung stehen.

  2. 5G-Mobilfunk: Vodafone startet Mobility Lab zur Autokommunikation

    5G-Mobilfunk: Vodafone startet Mobility Lab zur Autokommunikation

    Der Düsseldorfer Netzbetreiber schließt sich dem Aldenhoven Testing Center an, das die RWTH Aachen mit Partnern betreibt. Den Schritt ist ein Meilenstein zur Entwicklung von Techniken für die vernetzte Mobilität.

  3. Telekom funkt mit ersten "5G-Antennen" in Berlin

    Telekom funkt mit ersten "5G-Antennen" in Berlin

    Mit einem Vorstandard für 5G hat die Deutsche Telekom in Berlin vier Funkzellen in Betrieb genommen, um die nächste Mobilfunkgeneration greifbar zu machen. Erreicht werden sollen am Endgerät Übertragungsraten von 2 GBit/s.

  4. Wenn Roboter Menschen verstehen

    zweite  Fördermaßnahme zur Mensch-Roboter-Interaktion ausgeschriebe

    Das Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF, legt eine weitere Fördermaßnahme auf, in der die Interaktion zwischen Roboter und Mensch untersucht werden soll.

  1. Mobilfunk: Nie wieder warten

    Nie wieder warten

    Schneller, schöner, besser: Der Mobilfunk der Zukunft verspricht viele neue Dienste, aber auch neue Kämpfe um Netzneutralität und Monopolisierung.

  2. Post aus Japan: Ostasiens Wettrennen zur 5G-Welt

    Post aus Japan: Ostasiens Wettrennen zur 5G-Welt

    Südkorea und Japan versuchen sich beim Einsatz von superschnellen mobilen Datennetzen der fünften Generation zu übertrumpfen. NTT DoCoMo hat hier einige spezielle Anwendungen parat.

  3. "Ich nutze nicht einmal ein Smartphone"

    Datenschutz, Netzwerk, Sicherheit

    Ein Leben ganz ohne Smartphone? Auf wen könnte das zutreffen? Auf Bundesforschungsministerin Johanna Wanka oder den Sicherheitsexperten Eugene Kaspersky? Lesen Sie die Antwort im Doppelinterview.

  1. Die Neuerungen von Linux 4.15

    Linux-Kernel 4.15

    Das noch diesen Monat erwartete Linux 4.15 schützt vor den Auswirkungen der Sicherheitslücken Meltdown und Spectre. Ohne Performance-Verlust geht das aber auch bei Linux nicht. An weiteren Gegenmaßnahmen schrauben die Kernel-Entwickler bereits.

  2. Datenschutzgrundverordnung: Was Admins jetzt wissen müssen

    DSGVO: Was Admins jetzt wissen müssen

    Ab Mai gelten die Regeln der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung – und betreffen jedes Unternehmen. Ein Webinar erläutert Admins, Datenschutz- und Security-Verantwortlichen, wie sie sich vorbereiten können.

  3. Face ID: iPhone X kann Gefühlslage des Betrachters in Echtzeit überwachen

    Face ID: iPhone X könnte Gefühlslage des Betrachters in Echtzeit überwachen

    Ein Hackerteam hat eine App entwickelt, die über die TrueDepth-Gesichtskamera ermittelt, ob der Benutzer gerade traurig, überrascht oder sauer ist. Werbetreibende lecken sich nach solchen Möglichkeiten die Finger.

  4. Chinas und Südkoreas Vorgehen gegen Bitcoin lässt Kurse stürzen

    Bitcoin

    Angesichts des hohen Energieverbrauchs gehen China und Südkorea verstärkt gegen Bitcoin-Mining vor. Die Regulierungsbemühungen der beiden asiatischen Staaten lassen den Kurs der digitalen Währung offenbar nun einbrechen.

Anzeige