Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.683.960 Produkten

Martin Holland 124

Steuerschlupfloch: Google-Mutter Alphabet vermeidet weiter Steuern in Milliardenhöhe

Steuerschlupfloch: Google-Mutter Alphabet vermeidet weiter Steuern in Milliardenhöhe

Bild: PublicDomainPictures

Alphabet hat 2016 schon fast 20 Milliarden US-Dollar der Besteuerung entzogen und dank eines komplizierten Verfahrens wohl mindestens 2,4 Milliarden an Steuern eingespart. Das Schlupfloch bleibt noch bis 2020 offen.

Dank eines eigentlich geschlossenen Steuerschlupflochs hat die Google-Mutter Alphabet 2016 Einnahmen in Höhe von 15,9 Milliarden Euro (19,2 Milliarden US-Dollar) zwischen Irland, den Bermuda-Inseln und den Niederlanden hin und her geschoben und damit Steuern in Milliardenhöhe vermieden. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf Het Financieele Dagblad aus den Niederlanden.

Anzeige

Die im Rahmen der Steuervermeidungsstrategie "Double Irish With a Dutch Sandwich" transferierte Summe lag damit noch einmal 7 Prozent höher als 2015. Google habe so wohl zwischen 3,7 Milliarden und 2,4 Milliarden US-Dollar an Steuern gespart – je nachdem ob man den Steuersatz der Bermudas oder den in Irland anwendet.

Irland hatte das Steuerschlupfloch eigentlich im Oktober 2014 geschlossen, aber eine Übergangsfrist bis 2020 eingeräumt. Im Rahmen des Tricks hatten Unternehmen wie Alphabet, aber auch Apple oder Amazon, zwei Ableger in Irland gegründet: Einer fungiert als Inhaber von Lizenzrechten etwa für Patente, hat seinen Sitz aber nicht auf der Insel, sondern in einem Steuerparadies wie den Bermudas. Dazu kommt eine Tochtergesellschaft, die ihre Einnahmen als Lizenzgebühren oder Tantiemen an die Firma im Steuerparadies weiterleitet und so gar keine Abgaben zahlen muss – die in Irland ohnehin niedrig sind.

Damit auch noch die Quellensteuer wegfällt, die bei einer direkten Überweisung zwischen den beiden Ablegern in Irland zu entrichten wäre, wird das Geld zunächst noch an eine zwischengeschaltete weitere Tochter in den Niederlanden transferiert. Diese überweist die Einnahmen dann ohne Abzugssteuern an die formell irische Firma mit Hauptsitz in einem Steuerparadies. Aus diesem Aufbau mit zwei irischen Ableger und dem zwischengeschalteten Zweig in den Niederlanden leitet sich die Bezeichnung "Double Irish With a Dutch Sandwich" ab.

Angesichts der Nachricht, dass Google mit der Strategie weiterhin Milliarden an Einnahmen einer Besteuerung entzieht, teilte das Unternehmen nun mit: "Wir bezahlen alle fälligen Steuern und halten uns an alle geltenden Gesetze der Ländern, in denen wir operieren." Dem widersprechen die Finanzexperten auch gar nicht. Angesichts der immensen Gewinne kommen aber immer entschiedener Forderungen auf, globale IT-Unternehmen wie Google stärker – beziehungsweise teilweise überhaupt – zu besteuern, um sie etwa gegenüber klassischen Konzernen fairer an den staatlichen Einnahmen zu beteiligen. (mho)

124 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Google-Mutter Alphabet vermeidet dank Schlupfloch weiter Milliarden an Steuern

    Konzerndach Alphabet

    Zwar ist das Steuerschlupfloch des "Double Irish With a Dutch Sandwich" inzwischen geschlossen, aber für Unternehmen gibt es eine Übergangsfrist. Die hat Alphabet genutzt, um 2015 rund 3,6 Milliarden US-Dollar an Steuern zu sparen, schreibt Bloomberg.

  2. Weltweite Steuerregeln: EU-Finanzminister drohen Apple & Co.

    Apple

    Der Konzern soll in der Europäischen Union 13 Milliarden Euro nachzahlen und wird dies wohl ab 2018 endlich tun. Die EU-Finanzminister wollen eine umfassende Steuerreform für multinationale Digitalunternehmen.

  3. Geparkte Milliarden-Steuernachzahlung an Irland: Apple wählt Investment-Manager mit aus

    Apple

    Die von der EU-Kommission geforderte Steuernachzahlung in Höhe von 13 Milliarden Euro, die Apple an Irland zu leisten hat, wird in festverzinsliche Wertpapiere investiert – bis der Streit entschieden ist. Ein Investment-Manager soll helfen.

  4. Apples Steuer-Milliarden: Klage soll Irland zum Eintreiben bringen

    Apple

    Die EU-Kommission hat Irland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt, weil das Land die "illegalen Steuervorteile von Apple" immer noch nicht zurückgefordert hat. Es geht um über 13 Milliarden Euro.

  1. Steuerdeals mit Apple und Amazon waren illegal

    Wettbewerbskommissarin Vestager will Luxemburg und Irland dazu zwingen, von den Konzernen Geld nachfordern

  2. Steueroasen - oder warum Steuern etwas für Arme sind

    Ein Gastbeitrag zum aktuellen Fall Apple

  3. Über die Niederlande ins Paradies

    Über die Niederlande ins Paradies

    Forscher haben in einer aufwendigen Datenanalyse den Fluss von Kapital in Offshore-Finanzzentren untersucht. Wie sich zeigte, scheinen vier EU-Länder eine entscheidende Rolle dabei zu spielen.

  1. Drei Sekunden Aufklärung

    Die Pädagogisierung von Productplacement

  2. Im Vergleich: Peugeot 3008, Toyota Verso und VW Touran

    Für viele Familien sind sie in den letzten Jahren zu einer Kombi-Alternative geworden: Die Rede ist natürlich von den Kompaktvans. Wir haben drei der Familienautos, jeweils mit kleinem Dieselmotor, verglichen

  3. Erste Ausfahrt: VW Up GTI

    VW Up GTI

    Der aktuelle VW Up wird voraussichtlich im nächsten Jahr einen Nachfolger bekommen. Die letzte große Neuerung dieser Generation ist der lang angekündigte 115-PS-Dreizylinder im Up GTI.

  4. Fliegende Badewanne, Europas größter Busen und anderer Irrsinn

    YouTube und Co. - unsere wöchentliche Telepolis-Videoschau

Anzeige