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Volker Briegleb 221

Stephen Kings "Der Dunkle Turm" im Kino: Warten auf die Serie

"Der Dunkle Turm" im Kino: Warten auf die Serie

Idris Elba ist der Gunslinger.

Bild: Sony Pictures

Zehn Jahre hat es gedauert, bis es Stephen Kings epische Romanreihe auf die Leinwand geschafft hat. Vielleicht wäre der Stoff im Fernsehen besser aufgehoben – eine Serie ist auch schon in Arbeit.

Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm. (Schwarz. Der Dunkle Turm 1, 1982)

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Es war ein schwieriges Projekt. Stephen Kings epische Geschichte, die sich um die wiederholenden Anstrengungen des Gunslingers rankt, den dunklen Turm als tragendes Element verschiedener Paralleluniversen gegen die Zerstörungswut des Mannes in Schwarz zu verteidigen, ist nicht einfach zu verfilmen. Denn das Material ist sperrig: Nicht nur umfasst die Roman-Serie ganze acht Bände. Die Reihe gilt als Kings Opus Magnum, ein eklektizistischer Genre-Mix aus Western, Science-Fiction und Fantasy, angereichert mit der überbordenden Fantasie des Autors und der typischen Selbstreferenzialität. Als Film muss "The Dark Tower" die Fans der Literaturvorlage ebenso überzeugen wie die Kinogänger, die wie der Rezensent die Romane vorher nicht gelesen haben.

Der Film verdichtet Motive aus verschiedenen Romanen zu der Geschichte des 11-jährigen Jake Chambers (Tom Taylor), der von einem Mann in Schwarz, einem dunklen Turm und einem Mann mit Revolver träumt. Jake hält seine Visionen in Zeichnungen fest und ist überzeugt, dass es nicht nur Träume sind. Seine Eltern halten ihn für verrückt. Als sie ihn in die Psychatrie bringen lassen wollen, erkennt er in dem Klinik-Personal die Wesen mit dem falschen Gesicht aus seinen Träumen. Jake flieht und findet in einem alten Haus ein Portal in eine Parallelwelt, wo er den Gunslinger Roland (Idris Elba) trifft. Damit wird Jake in den epischen Kampf um den Dunklen Turm hineingezogen, den der Gunslinger mit dem Mann in Schwarz (Matthew McConaughey) führt.

Zehn Jahre hat "The Dark Tower" an jenem unseligen Ort verbracht, den sie in Hollywood development hell nennen. King selbst hatte die Filmrechte zuerst an J.J. Abrams ("Lost") verkauft, dem er zutraute, das üppige Material zähmen zu können – für, so heißt es, symbolische 19 Dollar. Doch auch Abrams, dem man Berührungsängste mit fantastischen Stoffen nicht nachsagen kann, überließ den "Dark Tower" dann lieber anderen. Zwischendurch wollte Universal mal ein ganzes Franchise mit mehreren Filmen und eine TV-Serie auf den Romanen aufbauen, mit dem verlässlichen, aber überraschungsarmen Handwerker Ron Howard ("The Da Vinci Code") auf dem Regiestuhl.

Schließlich ist das Projekt bei Sony gelandet, die mit einem nicht ganz so dicken Budget (rund 66 Millionen Dollar), einem erfahrenen Autorenteam (u.a. Akiva Goldsman) und Nikolaj Arcel, einem relativ unerfahrenen, wenn auch schon Oscar-nominierten Regisseur, auf Nummer Sicher gehen wollten. Mit Idris Elba, dessen Präsenz alleine schon jedes noch so durchschnittliche Drehbuch zu heben vermag, als Gunslinger und Matthew McConaughey als Mann in Schwarz ist der Film auch prominent und interessant besetzt. Die Hauptdarsteller machen ihre Sache erwartbar gut: Elba ist Elba und McConaughey hat sichtlich Spaß, den ebenso flamboyanten wie bösartigen Mann in Schwarz zum Leben zu erwecken.

Was kann da schon schiefgehen? Offensichtlich eine Menge. Das Branchenblatt Variety will von desaströsen Testvorführungen wissen: Das Publikum hat die komplexe Mythologie, die King über 4000 Seiten gesponnen hat, im Film kondensiert auf gut anderthalb Stunden, nicht verstanden. Die Produzenten sollen zwar aus Kostengründen davon abgesehen haben, einen anderen Regisseur das Material neu schneiden zu lassen. Doch Howard, immer noch als Produzent an Bord, und Goldsmann sollen maßgeblich an der Fertigstellung von "The Dark Tower" beteiligt gewesen sein.

Das Ergebnis ist ein Film, dem man ansieht, dass er mehr sein könnte. "The Dark Tower" ist wie eine Paraphrase der Romane und zugleich deren Fortschreibung. Doch dass der Gunslinger in seinem wiederkehrenden Duell mit dem Mann in Schwarz seine Weggefährten verschleißt, dass es um viel mehr geht als um die beiden Kontrahenten, das wird allenfalls angedeutet. Und es sind diese Andeutungen, die den unbelesenen Zuschauer verwirren und die Fans der Bücher nur enttäuschen können – ganz abgesehen davon, dass entscheidende Figuren wie der Scharlachrote König überhaupt keine Rolle spielen.

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Vielleicht ist Kings Geschichte zu komplex für einen Film, der mit gut anderthalb Stunden auch noch verhältnismäßig kurz ist. Vielleicht eignet sich der Stoff besser für eine Serie: Mit "Game of Thrones" hat der Kabelsender HBO vorgemacht, wie man eine so üppige Literaturvorlage kongenial verfilmen kann. In seinen besten Momenten wirkt "The Dark Tower" auch wie der Pilotfilm für eine Serie des SyFy-Channels – immerhin eine, die man sich gerne angucken will: Ein bisschen B-Movie, aber mit einer interessanten Geschichte und viel Liebe zum Detail. Da ist es eine gute Nachricht, dass eine Serie in Arbeit ist, die vielleicht die Fragen beantworten kann, die "The Dark Tower" aufwirft.

Sony Pictures – Quelle: Sony Pictures

Der Dunkle Turm ist ab dem 10. August im Kino. Im Heyne-Verlag ist eine Neuauflage des ersten Romans der Serie (Schwarz – Der Dunkle Turm 1) in der von Stephen King 2003 erweiterten Fassung erschienen. (vbr)

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