Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Tom Sperlich 46

Schweizer Armee verdreifacht ihre "Cyber-Krieger"

Schweizer Armee verdreifacht ihre "Cyber-Krieger"

Bild: Bundeswehr, Archiv

In der Schweiz soll die Abwehr von Cyber-Angriffen verstärkt werden. Auch die deutsche Bundeswehr will mit einem "Cyber Innovation Hub" frischen Wind in die "Cyber-Verteidigung" bringen.

Der Schweizer Verteidigungsminister und Bundesrat Guy Parmelin will die Personaldecke für die "Cyber-Abwehr" stark anheben. Bis 2020 sollen insgesamt 150 bis 170 Stellen für die Abwehr von Netzwerk- und Hackerangriffen geschaffen werden. Heute gibt es dafür rund 50 Stellen.

Anzeige

Der Personalausbau sei Teil eines "Cyber-Aktionsplans", über den die Landesregierung, der Bundesrat, noch dieses Jahr entscheiden würde, sagte Parmelin in einem Interview mit der Zeitung Schweiz am Wochenende. "Die Armee kann keine Cyber-Mama für die ganze Schweiz sein", betonte Parmelin aber auch. Für die CH-Armee stehe der Schutz der eigenen Infrastrukturen im Vordergrund.

Allerdings wurde der Verteidigungsminister von diversen Politikern seit einer Weile ins Gebet genommen, mehr für die allgemeine Cyber-Sicherheit des Landes auszugeben. Einige Mitte-Links-Politiker etwa haben Parmelin in den vergangenen Monaten vorgeworfen, in einer "Kalten-Kriegsperspektive" steckengeblieben zu sein und mehr für den Einmarsch fremder Armeen zu planen als für heutige moderne Cyber-Bedrohungen.

Selbst Parmelins SVP-Parteikollege und Nationalrat Franz Grüter etwa verlangte von Parmelin, mehr in die Abwehr von Cyber-Attacken zu investieren. Grüter, der Gründer und Chef eines der größten Schweizer Rechenzentren namens "Green" ist, forderte in der Aargauer Zeitung: "Wir brauchen eine Cyber-Streitkraft, die den gleichen Status wie die Luftwaffe hat.". Dafür seien zehn Prozent des Rüstungsbudgets in die Hand zu nehmen: 250 Millionen Franken (233 Millionen Euro) für IT-Spezialisten und 250 Millionen für technisches Equipment. "Wir sparen lieber bei den Kampfpanzern", sagte Grüter.

Da die Schweiz nicht genügend qualifizierte IT-Fachleute für die Wirtschaft und die Armee habe, schlägt Parmelin eine "Art Cyber-Rekrutenschule" vor. Dabei lehnt sich Parmelin an Israel an, wo sich junge Männer und Frauen in der Armee in Informatik ausbilden ließen, dort eine gewisse Zeit tätig seien und dann in die Privatwirtschaft wechselten.

Konkreter wird da die deutsche Bundeswehr, die laut einem Bericht des Spiegel bald einen "Cyber Innovation Hub" einrichten will. 12,6 Millionen Euro sollen für das "Innovations-Team" eines zunächst auf drei Jahre begrenzten Projekts aufgewendet werden, das sich demnächst in einem Loft in der Nähe der Berliner TU etablieren soll. In der Endausbaustufe sollen hier einmal 30 Männer und Frauen nach Innovationen suchen.

Weitere 15 Millionen Euro stünden für konkrete Projekte zur Verfügung. Der Cyber Innovation Hub solle nicht Cyber-Offensivwaffen entwickeln, sondern zivile Erfindungen für das Militär nutzbar machen. Dazu zähle etwa Software, die Künstliche Intelligenz dazu nutzt, Big Data nach unentdeckten Viren abzusuchen. Die Bundeswehr überlegt auch, ob sich die von der Kryptowährung Bitcoin her bekannte Technik Blockchain für manipulationssichere Transaktionen auch militärisch nutzen lasse. (Tom Sperlich) / (anw)

46 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Auch unsportliche Studienabbrecher: Bundeswehr sucht Rekruten für den Cyber-Krieg

    Quellcode

    Die Aufstellung einer Cyber-Armee stellt die Bundeswehr vor Herausforderungen. Um im digitalen Krieg zu siegen, muss die Truppe zunächst den Kampf um IT-Experten gewinnen. Denn die sind nicht nur beim Bund gefragt.

  2. Was war. Was wird. Zur neuen deutschen Fake-Aufrüstungswut.

    Cyber Cyber Cyber

    Ein Cyber ist ein Cyber ist ein Cyber ist ein Cyber. Was man uns damit sagen will? Gute Frage, meint Hal Faber, der all die Cyber-Angstträume von Flinten-, Meinungs- und Bedenkenträgern so traurig findet, dass er (noch) lachen muss.

  3. Von der Leyen verteidigt Cyber-Attacken: "Wir dürfen uns auch wehren"

    Von der Leyen verteidigt Cyber-Attacken: "Wir dürfen uns auch wehren"

    "Sobald ein Angriff die Funktions- und Einsatzfähigkeit der Streitkräfte gefährdet, dürfen wir uns auch offensiv verteidigen", sagte die Bundesverteidigungsministerin zur Gründung des neuen Kommandos Cyber- und Informationsraum.

  4. Kommando Cyber- und Informationsraum: Bundeswehr verteidigt die Freiheit – jetzt auch im Netz

    Kommando Cyber- und Informationsraum: Bundeswehr verteidigt die Freiheit – jetzt auch im Netz

    Mit einem feierlichen Appell soll am kommenden Mittwoch das Kommado Cyber- und Informationsraum als sechster militärischer Organisationsbereich seine Arbeit aufnehmen.

  1. Deutschland wird nun auch im Cyberraum verteidigt

    Am 1. April nahm das neue Kommando "Cyber- und Informationsraum" (CIR) seine Tätigkeit auf

  2. Gefährliche Angriffe auf die Infrastruktur

    Kriminelle Blitze

    Fachleute warnen: Nach Cyber-Attacken drohen schon bald Angriffe mit elektrischen Impulskanonen.

  3. Auch Frankreichs Regierung sieht sich vor der Wahl von "Destabilisierungsoperationen" bedroht

    Verteidigungsminister Le Drian über die französische Cyber-Armee und warum "höchste Wachsamkeit" erforderlich sei

  1. Das ungekürzte Originalvideo "2 Girls 1 Cup" und andere schöne Filme

    YouTube und Co. - unsere wöchentliche Telepolis-Videoschau

  2. Google I/O 2016: Google Home legt sich mit Amazons Echo an

    Google Home: sprachgesteuerter Assistent fürs Wohnzimmer greift Amazon an

    Google hat seine eigene Wanze fürs Wohnzimmer vorgestellt: "Home" ist ein WLAN-Lautsprecher, der Befehle per Sprache empfängt. Unter anderem bucht er Tickets, steuert Smart-Home-Zubehör und beantwortet allgemeine Fragen.

  3. Lobby-Bericht E-Privacy: Wie die Industrie starken Datenschutz bekämpft

    Lobby-Bericht E-Privacy: Wie die Industrie starken Datenschutz bekämpft

    Mit Cocktail-Debatten und anhaltenden Kampagnen versucht vor allem die Online-Werbewirtschaft laut der Analyse "Big Data Is Watching You" die Schutzbestimmungen in der geplanten E-Privacy-Verordnung aufzuweichen.

  4. Autonome Minibusse: Easymiles im Interview

    Audi tat sich damit hervor, mit dem A8 das erste normale Auto gebracht zu haben, das im Stau keine Hand mehr am Lenkrad verlangt. Doch im Langsamfahrbereich gibt es längst vollautonome Fahrkabinen

Anzeige