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Ben Schwan 108

Predictive Policing: Polizei-Datenanalyse arbeitet nicht wie gewünscht

Polizei-Datenanalyse arbeitet nicht wie gewünscht

Polizeifahrzeug in Hamburg.

Bild: OlliFoolish / Wikipedia / cc-by-sa-3.0

Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Vorhersage von Straftaten mittels Big Data geringere Effekte hat als erwartet.

Siehe dazu auch:

In mehreren Städten in Deutschland werden mittlerweile Analyseprogramme verwendet, um kriminelle Hotspots aufzudecken. Der Computer, gefüttert mit Daten von Einbrüchen, errechnet, wo die Täter wahrscheinlich als Nächstes zuschlagen werden. Die Polizei kann reagieren, noch bevor die Kriminellen zuschlagen. So weit die Vision. Doch niemand hatte unabhängig geprüft, ob das Ziel wirklich erreicht wird. DIe Ergebnisse einer ersten derartigen Studie sind ernüchternd, berichtet Technology Review in seiner November-Ausgabe ("Entzauberte Vorhersage"), die ab Donnerstag am Kiosk erhältlich sowie online bestellbar ist.

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TR 10/2017

TR 11/2017

Dieser Artikel stammt aus der neuen November-Ausgabe von Technology Review. Das Heft ist seit 12. Oktober im Handel erhältlich und im heise shop bestellbar.

Für die Polizeipräsidien Stuttgart und Karlsruhe hat das Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht das Programm "Precobs" unter die Lupe genommen. Die Software des Oberhausener Instituts für musterbasierte Prognosetechnik war die erste auf dem Markt und gilt immer noch als Paradebeispiel. Die Polizeireviere in München und Mittelfranken wagen mit ihr seit 2014 den Blick in die Zukunft. Die bayerischen Beamten sagen Einbrüche und Autodiebstähle voraus. Diese Taten werden besonders häufig von professionellen Mehrfachtätern verübt, die nach bestimmten Mustern vorgehen.

Im Polizeipräsidium Karlsruhe allerdings konnte der Max-Planck-Forscher Dominik Gerstner keinen positiven Effekt feststellen. Die Fallzahlen blieben im Wesentlichen unverändert. Alle dortigen Gebiete, in denen es einen Precobs-Alarm gegeben hatte, nahm Gerstner genauer unter die Lupe. Wird die Polizeidichte verdoppelt, sinkt die Zahl der Folgedelikte lediglich um 0,24.

In Stuttgart sahen die Zahlen etwas besser aus. In der ersten Testphase von Precobs im Winterhalbjahr 2015/16 ist die Zahl der Einbrüche im Vergleich zum Winterhalbjahr 2014/15 von 580 auf 458 gesunken – so wenige wie seit 2010/11 nicht mehr. Ob das aber am Programm Precobs liegt, ist unklar, denn auch viele andere Faktoren beeinflussen Kriminalität. Zwei der zehn baden-württembergischen Polizeipräsidien ohne Precobs melden für den gleichen Zeitraum ebenfalls eine gesunkene Zahl von Einbrüchen.

Mehr dazu bei Technology Review Online:

(Eva-Maria Hommel) / (bsc)

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