Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Stefan Krempl 420

Öffentlich-Rechtliche: Experten fordern freie Hand für ARD und ZDF im Internet

«Tagesschau»-App

Bild: dpa, Julian Stratenschulte

Ein "Gesprächskreis aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft" macht sich dafür stark, den Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender an die Netzwelt anzupassen und deutlich zu erweitern. ARD und ZDF müssten Plattformen werden.

Forscher, Medienexperten und Politiker haben zehn weitgehende Thesen zur Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen in einem offenen Brief an die Ministerpräsidenten der Länder zusammengetragen. Ausgangspunkt des "Gesprächskreises aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft" ist, dass der Auftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio "weiterentwickelt werden muss", damit diese in der Netzwelt "Öffentlichkeit schaffen können". Der Rundfunkbeitrag müsse im zweiten Schritt entsprechend bestimmt werden "und nicht umgekehrt". Die Anstalten sollten "sparsam wirtschaften", dürften sich aber nicht selbst "kaputt sparen".

Die Verfasser fordern, dass die nach sieben Tagen greifende, besonders umstrittene Löschfrist für bestimmte öffentlich-rechtliche Sendungen in Mediatheken abgeschafft wird. Der eng gefasste Archivauftrag müsse erweitert werden. Auch das Verbot der "Presseähnlichkeit" für Angebote von ARD und ZDF entspricht ihrer Ansicht nach "nicht den Bedingungen der Content-Aufbereitung im Internet und muss aufgehoben werden". Dann bräuchten die Sender auch nicht länger zwischen "sendungsbezogenen und nicht sendungsbezogenen Telemedien mitsamt der aufwändigen Ausweis- und Nachweispflicht" unterscheiden. Privaten Medien dürfte dieser Punkt kaum munden.

Konkurrenz für Meinungsmonopole

Auch das Verbot einer flächendeckenden lokalen Berichterstattung könnte dem Schreiben nach gelockert werden, soweit für bestimmte Gebiete eine solche gar nicht mehr existiere oder "Meinungsmonopole der publizistischen Konkurrenz bedürfen". Insgesamt plädieren die Autoren dafür, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihren Telemedienauftrag weitgehend in Eigenregie fortentwickeln sollten, damit dieser "zeitgemäß" gefasst werde. Im Interesse der Allgemeinheit müsse es "starke Plattformen geben, die dem Publikum eine leicht erkennbare Anlaufstelle für öffentlich-rechtliche Angebote bieten" und die genannten Kriterien und Standards erfüllten. Denkbar wäre auch ein offener und nicht kommerzieller Portalverbund aller öffentlich-rechtlichen Anbieter als "Public Open Space", über die auch Angebote etwa von Museen, der Bundeszentrale für politische Bildung oder Wikipedia eingebunden werden könnten.

Neben dem Ausbau der Online-Aktivitäten müsse der "terrestrische Ausspielweg" für den klassischen Rundfunk aufrecht erhalten werden, halten die Sachverständigen fest. Nur so könne der Zugang für alle auch unter "sicherheitsrelevanten Aspekten" gewährleistet werden. Im Gefahrenfall müsse eine vom Netz unabhängige Verbreitungsinfrastruktur verfügbar sein. Zu den Erstunterzeichnern des Appells, der sich an eine Konsultation der Länder anschließt, gehören Markus Beckedahl von Netzpolitik.org, der Politologe Christoph Bieber, der Berliner Richter Ulf Buermeyer, ZDF-Internetrat Leonhard Dobusch, Mediensoziologe Volker Grassmuck, Till Kreutzer von irights.info, Journalismusprofessor Lorenz Lorenz-Meyer, die Piratin Julia Reda und die Grüne Tabea Rößner. Befürworter können sich den Forderungen online anschließen. (axk)

420 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Konsultation über Online-Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen und Depublikationspflicht

    «Tagesschau»-App

    Die Länder haben eine öffentliche Umfrage gestartet, auf deren Basis der "Telemedienauftrag" von ARD, ZDF & Co. neu ausgerichtet werden soll. Basis ist ein Vorschlag der Rundfunkreferenten, wonach der Programmbezug gelockert werden soll.

  2. re:publica: Social-Media-Kanäle der Öffentlich-Rechtlichen heftig umstritten

    re:publica: Social-Media-Kanäle der Öffentlich-Rechtlichen heftig umstritten

    Die Privaten werfen ARD und ZDF vor, mit ihrer Content-Strategie für die großen sozialen Netzwerke die US-Plattformen ungebührlich zu stärken: "Facebook wird mit Ihren Inhalten einfach besser."

  3. Gutachter: ARD und ZDF müssen sich fürs "Cloud-TV" wappnen

    Mediatheken von ARD und ZDF

    Die öffentlich-rechtlichen Sender sollten ihre Mediatheken ausbauen und zu echten Online-Plattformen werden. Die 7-Tage-Frist für die Depublikation online bereitgestellter Inhalte sei im Netflix-Zeitalter nicht mehr zeitgemäß.

  4. Countdown für das "Junge Angebot" von ARD und ZDF: "Wir wollen schon anders sein"

    "Wir wollen schon anders sein": Countdown für das "Junge Angebot"

    ARD und ZDF wollen Jugendliche ab Oktober mit einem neuen Angebot im Netz locken. Woran das Team um Florian Hager und Sophie Burkhardt tüftelt, hat mit dem klassischen Fernsehen nicht mehr viel zu tun.

  1. ARD und ZDF fordern jährliche Gebührenerhöhungen

    Rundfunkbeitrag soll zunächst auf 18,28 Euro steigen

  2. Rundfunkverschlankung: CSU und FDP gegen CDU, SPD, Grüne und Linke

    Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner schließt sich Horst Seehofers Vorschlag einer Verringerung der Zahl der öffentlich-rechtlichen Sender an

  3. "Leichte" Märchen, "leichte" Weltpolitik und "leichte" Unterhaltung

    Wie öffentlich-rechtliche Sender Rundfunkgebühren verwenden

  1. "Hackintosh": Der mühsame Weg zum maßgeschneiderten Mac

    Apple

    Will man OS X nutzen, muss man MacBook, Mac mini, iMac oder dem veralteten Mac Pro wählen Wer eine andere Hardware-Zusammenstellung oder einen leistungsfähigen Gaming-Mac haben will, schaut in die Röhre – oder bastelt sich einen.

  2. Im Test: Seat Ateca 1.0 TSI

    Seat Ateca

    Der Kompakt-Klasse droht seit einiger zeit heftige Konkurrenz durch ähnlich große SUV. Bei Seat ist die Verwandtschaft zwischen Leon und Ateca unverkennbar. Wie fährt sich das SUV mit dem 115-PS-Basisbenziner? Ein Test

  3. Vorstellung: Borgward Isabella Concept

    Borgward Isabella

    Borgward will noch in diesem Jahr mit den Verkäufen in Deutschland starten. Zu Beginn wird es nur SUVs geben, doch dabei wird es nicht bleiben. Wie es bei Borgward weitergehen könnte, zeigt eine Studie mit dem traditionsreichen Namen Isabella

  4. Diesel: Das Ende ist nah

    Die Energie- und Klimawochenschau: Von globaler Erwärmung, Stürmen vom atlantischen Fließband, verdrängenden Politikern und einer optimistischen Prognose für das Elektroauto

Anzeige