Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.735.556 Produkten

Martin Holland 504

Neue Rätsel um KIC 8462852: Mysteriöser Stern wird immer dunkler

Neue Rätsel um KIC 8462852: Mysteriöser Stern wird langsam dunkler

Künstlerische Darstellung des Sterns KIC 8462852.

Bild: T. Pyle, JPL-Caltech, NASA

Seit fast einem Jahr rätseln Astronomen über auffällige Helligkeitsveränderungen des Sterns KIC 8462852. Zwei von ihnen haben ihn nun weiter erforscht und kennen kein natürliches Phänomen mehr, das die Beobachtungen erklären könnte.

Der mysteriöse Stern KIC 8462852 ist innerhalb von nur vier Jahren um mehr als drei Prozent dunkler geworden, den Forschern gehen inzwischen die Erklärungsversuche für das seltsame Verhalten der fernen Sonne aus. Zu diesem Schluss kommen die US-Astronomen Benjamin Montet und Joshua Simon nach ihrer ausführlichen Auswertung aller Aufnahmen von KIC 8462852, die das Weltraumteleskop Kepler der NASA gemacht hat. Im Entwurf ihrer Studie plädieren sie für weitere Untersuchungen, denn ihr Text erweitert das Rätsel KIC 8462852 um ein weiteres Puzzlestück.

Anzeige

Im Oktober 2015 war bekannt geworden, dass Astronomen über merkwürdige und sehr starke Helligkeitsschwankungen des rund 1500 Lichtjahre entfernten Sterns rätseln. Die deuten auf Objekte hin, die vor dem Stern vorüberziehen und deutlich größer sein müssten als Exoplaneten. Weil aber von dem System keine übermäßige Infrarotstrahlung ausging, schien eine proto-planetare Scheibe oder ein durcheinander gewirbeltes System als Grund auszuscheiden. Als anderen Erklärungsversuch hatte der Astronom Jason Wright mögliche Megastrukturen in die Diskussion gebracht und damit für Aufmerksamkeit gesorgt. Gebaut von Außerirdischen könnte ein Schwarm davon etwa als immense Sonnenkollektoren den Stern umkreisen. Eine natürliche Erklärung sei aber immer noch wahrscheinlicher und spannend, hatten alle beteiligten Wissenschaftler immer wieder versichert.

Die neuen Datenpunkte und die bereits gesammelte Lichtkurve mit den massiven Verdunkelungsschüben. (Bild: Monet, Simon)

Montet und Simon vom Cahill Center for Astronomy and Astrophysics, dem Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und der Carnegie Institution of Washington haben nun insgesamt 52 sogenannte FFI-Aufnahmen (Full-Frame Images) von Kepler verglichen, auf denen KIC 8462852 zu erkennen ist. Die ergänzen die durchgängig gesammelte Lichtkurve einmal im Monat um voll kalibrierte Aufnahmen, erklären die Wissenschaftler. Die Bilder stammen demnach aus vier verschiedenen Detektoren, aber ihre Ergebnisse passen zueinander. Demnach verdunkelte sich der Stern in den ersten rund 1000 Tagen gleichmäßig um rund 0,9 Prozent und in den nächsten 200 Tagen dann viel schneller um mehr als 2 Prozent. Dann fiel die Rate der gleichmäßigen Verdunkelung wieder auf den anfänglichen Wert.

Um mögliche Fehler auszuschließen, haben sie die Helligkeit von acht Sternen vermessen, die von Kepler nahe KIC 8462852 abgelichtet wurden. Sie alle zeigen demnach keine Auffälligkeiten. Die beiden Astronomen handeln auch andere Erklärungsversuche ab, nur um sie auszuschließen oder zumindest für äußerst unwahrscheinlich zu erklären. Die zwischenzeitlich beschleunigte Verdunkelung beispielsweise sehe aus wie ein Transit vor dem Stern, nur eben deutlich langsamer. Die Überreste einer gigantischen Kollision in dem System müssten "unmöglich weit" von dem Stern entfernt sein oder langsam an Dichte zulegen. Selbst das würde aber weder die kontinuierliche Verdunkelung davor und danach noch die massiven, kurzzeitigen Verdunkelungen erklären.

Nehme man diese neuen Erkenntnisse und die bereits beobachteten Aspekte zusammen, so "kann kein bekanntes oder vorgeschlagenes stellares Phänomen vollständig alle Details der Lichtkurve erklären", bilanzieren die Forscher. Immerhin hätten sie dort nun eine kontinuierliche Verdunkelung beobachtet, einen zwischenzeitlichen Verdunkelungsschub, die kurzfristigen, aber massiven Verdunkelungen und das sehr langfristige Dunklerwerden. Die Astronomen fordern deswegen weitere Beobachtungen, alternative Hypothesen und neue Datensammlungen, um dieses "sehr mysteriöse Objekt" zu erklären. Auch wenn sie keine Außerirdischen in ihrem Papier erwähnen, so machen sie mehr als deutlich, welch spannendes Forschungsobjekt KIC 8462852 bleibt. (mho)

504 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. KIC 8462852: Feiner Staub könnte mysteriösen Stern verdunkeln – Rätsel bleiben

    KIC 8462852: Feiner Staub könnte mysteriösen Stern verdunkeln – Rätsel bleiben

    Seit Jahren sorgt der sich immer wieder verdunkelnde Stern KIC 8462852 für viele Spekulationen. Vergangenes Jahr haben Forscher ihn ausführlich analysiert und eine natürliche Erklärung gefunden. Die wirft aber neue Fragen auf.

  2. KIC 8462852: Mysteriöser Stern verdunkelt sich wieder

    KIC 8462852: Erneute Verdunkelung des mysteriösen Sterns

    Astronomen in aller Welt haben ihre Instrumente auf den mysteriösen Stern KIC 8462852 gerichtet: Der ist über Tage hinweg wieder deutlich dunkler geworden und die Forscher sammeln Daten, um damit einer Erklärung der rätselhaften Vorgänge näher zu kommen.

  3. Astronomen finden erstmals Atmosphäre bei fast erdgroßem Exoplaneten

    Astronomen finden erstmals Atmosphäre bei erdgroßem Exoplaneten

    Erstmals haben Forscher eine Atmosphäre um einen Planeten gefunden, der unserer Erde bezüglich seiner Masse sehr ähnlich ist. Für erdähnliches Leben ist es dort zwar zu heiß, aber der Fund eröffnet große Perspektiven für viele ähnliche Entdeckungen.

  4. Erste Ergebnisse: Breakthrough findet keine Signale von Außerirdischen

    Erste Ergebnisse: Breakthrough findet keine Signale von Außerirdischen

    Das ganze vergangene Jahr über lauschten Astronomen mit drei Radioteleskopen ins All, um bei Hunderten vergleichsweise nahen Sternen nach Anzeichen für außerirdisches Leben zu fahnden. Was sie fanden, hielt den Überprüfungen nicht stand.

  1. c't uplink 13.1: Android absichern, Flatpak und Snap für Linux, KIC 8462852

    c't uplink 13.0: Android absichern, Flatpak und Snap für Linux, KIC 8462852

    Wie sicher ist Android und was sollten Nutzer beachten? Darüber sprechen wir in der neuen Folge des Podcasts aus Nerdistan. Außerdem klären wir über die Linux-Universalpakete von Flatpak und Snap auf, diskutieren einen mysteriösen Stern und No Man's Sky.

  2. Historisches SETI-Signal ohne Kosmogramm

    Heute vor 40 Jahren traf das mysteriöse "Wow!-Signal", das manche für den Fetzen einer intelligenten Funknachricht aus dem All halten, auf eine der Antennen des "Großen Ohrs" in Ohio

  3. Eine Frage der Raumzeit

    Wertkritische Annäherungen an das Fermi-Paradoxon

  1. Ubuntu 18.04 LTS: Ubuntu Desktop statt Unity, Kernel-Livepatching

    Ubuntu 18.04 LTS

    Unity und Wayland haben ausgedient, Gnome und X-Server sind zurück. Ubuntu 18.04 LTS macht es Anwendern zudem leichter, lästigen Neustarts aus dem Weg zu gehen. Neu dabei ist die Minimal-Installation und ein frischer Server-Installer.

  2. Wiener Motorensymposium: Volkswagen hybridisiert den Golf VIII

    alternative Antriebe, Elektroautos

    Volkswagen elektrifiziert die Massen: Auf dem Wiener Motorensymposium konkretisieren die Wolfsburger Ingenieure, wie sie sich die flächendeckende Hybridisierung des Golfs vorstellen. Erstmals erwähnt Volkswagen offiziell den Golf VIII, der 2019 eingeführt werden soll

  3. Astronomen verblüfft über Megafusion großer Galaxien

    Astronomen verblüfft über Megafusion großer Galaxien

    Gleich zwei Mal haben Forscher gewaltige Galaxienhaufen aufgespürt – weit zurück im jungen Universum. Dass sie zu jener Zeit schon zu Haufen verschmolzen, lässt die Astronomen rätseln. Beeindruckend ist noch eine andere Eigenheit der Massemonster.

  4. Avengers: Infinity War – Thanos gibt dem Marvel-Universum endlich einen Sinn

    Avengers: Infinity War –

    So geht unterhaltsames Popcorn-Kino: Mit ein paar simplen Kniffen und Hilfe von oben entgehen die Avengers in “Infinity War” dem narrativen Overkill, der die früheren Auftritte der Rächertruppe lähmte. Dazu kommt endlich ein Gegner von Format.

Anzeige