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Netzwerkdurchsetzungsgesetz: Forscher warnen vor voreiligem Löschen von "Fake News"

Netzwerkdurchsetzungsgesetz: Forscher warnen vor voreiligem Löschen von "Fake News"

Kommunikationswissenschaftler halten den Plan der Bundesregierung, gesetzlich schärfer gegen Falschmeldungen in sozialen Netzwerken vorzugehen, für kontraproduktiv. Populisten könnten damit gestärkt werden.

Der Streit über das geplante Netzwerkdurchsetzungsgesetz konzentriert sich vor allem auf strafbare Hasskommentare, obwohl soziale Netzwerke wie Facebook laut dem Entwurf der Bundesregierung auch gegen ebenfalls strafbewehrte, bewusst gestreute Falschmeldungen offensiver vorgehen sollen. Dieser im Wahlkampf geplante Schuss könnte aber nach hinten losgehen. Das haben Philipp Müller und Nora Denner vom Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einem heise online vorliegenden Kurzgutachten zu "Fake News" herausgearbeitet, das die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Auftrag gegeben hat.

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Vieles spricht nach den Recherchen der Kommunikationswissenschaftler dafür, dass ohnehin nur Anhänger eines verschwörungstheoretischen und elitenkritischen Weltbildes anfällig für "Fake News" sind. Dieses über soziale Netzwerke angefeuerte Phänomen definieren die Forscher als "Falschinformationen, die bewusst und absichtlich online verbreitet werden". Würden diese rascher gelöscht, könnte dies Populisten laut der Studie "als weiteres Argument im Rahmen ihrer Elitenkritik dienen und ihre Position stützen".

Das würde "als Einschränkung der individuellen Informationsfreiheit wahrgenommen", führen die Forscher aus. Sie befürchten, dass "entsprechende Personen" damit in ihrem Weltbild gestärkt und diese damit ihre Anhängerbasis weiter festigen könnten. Das Vorhaben könnte zudem dazu führen, dass verärgerte Nutzer in "abseitigere Winkel des Internets" auf "alternative" Plattformen abwanderten, die dem staatlichen Zugriff durch Gesetze weitgehend entzogen wären. Dies könne nicht im Sinne einer funktionierenden Demokratie sein, da Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten verschiedener Gesellschaftsgruppen damit schwänden und sich Filterblasen-Effekte verstärkten.

Auch generelle Warnhinweise vor "Fake News", wie sie derzeit insbesondere von Facebook entwickelt und implementiert werden, halten die Verfasser nicht für sinnvoll. Gerade bei Nutzern, die für solche Meldungen anfällig seien, könnten solche Signale den gegenteiligen Effekt verursachen, weil sie diesen "als Eingriff in ihre autonome Entscheidungsfreiheit bewerten". Dies führe dazu, "dass der Falschaussage noch stärker geglaubt wird". Warnhinweise vor dem Teilen einer gezielten Falschmeldung erschienen dagegen sinnvoll. Wer nicht völlig vom Inhalt der betroffenen "Fake News" überzeugt sei, lasse sich dadurch vermutlich davon abhalten, eine Nachricht aus dem eigenen News Feed weiterzuverbreiten.

Insgesamt meinen die Wissenschaftler, es sei zu früh, Falschmeldungen einzubeziehen. Derzeit existierten noch keine hinreichenden Untersuchungen, die das Aufkommen von "Fake News" in Deutschland oder die Konfrontation einzelner Gruppen damit quantifizieren könnten. Studien aus den USA legten nahe, dass das Phänomen vermutlich nur einen sehr begrenzten Beitrag zur Meinungsbildung leiste. Weitere Forschungsarbeiten seien daher genauso nötig wie die Förderung von Medienkompetenz und eines breiten gesellschaftlichen Dialogs. (Stefan Krempl) / (anw)

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