Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.703.355 Produkten

Volker Briegleb 438

Mobilität im Wandel: "Uber wird sterben"

Alle reden über Uber, aber nicht mit dem umstrittenen US-Unternehmen. Mitbewerber Blacklane will das ändern und hat die Branche zum Dialog nach Berlin eingeladen, um die dicke Luft zu klären. Immerhin ein Anfang.

Fabien Nestmann kann mit offener Ablehnung ganz gut umgehen. Das muss er auch: Der Deutschlandchef des US-Unternehmens Uber darf sich der innigen Feindschaft des deutschen Taxigewerbes sicher sein. Das liegt weniger an Nestmanns Persönlichkeit, als an seinem Job – und seinem Boss Travis Kalanick. Der Uber-CEO hat mit seiner hemdsärmeligen Art und gezielten Invektiven gegen das Taxigewerbe die Beziehung nachhaltig belastet.

Anzeige
Will eigentlich gar nicht mit Uber reden: Taxifunktionär Michael Müller trifft auf Uber-Chef Fabien Nestmann.
Will eigentlich gar nicht mit Uber reden: Taxifunktionär Michael Müller trifft auf Uber-Chef Fabien Nestmann. (Bild: dpa)

Entsprechend gereizt ist die Stimmung, als Nestmann und zahlreiche Vertreter des Taxigewerbes auf einer Konferenz in Berlin zusammentreffen, die sich mit der Mobilität im Wandel befassen will. Aber sie sind alle hier, und damit kann Gastgeber Jens Wohltorf schon einen Erfolg verbuchen, bevor es überhaupt losgeht. Der CEO des Berliner Limousinenvermittlers Blacklane will alle an einen Tisch bringen, damit die nicht nur über Anwälte und die Medien kommunizieren. "Wir wollen einen Schnitt machen", sagt Wohltorf.

Es gibt Redebedarf, ohne Zweifel. Kein Unternehmen polarisiert derzeit so stark wie Uber. In Deutschland vermittelt das mit viel Risikokapital gepäppelte US-Startup Limousinen (UberBLACK) und Privatchauffeure (UberPOP) über seine App. Besonders UberPOP erhitzt die Gemüter: Das Geschäftsmodell halten nicht nur die Taxifahrer für illegal, sondern auch zuständige Behörden und die bisher damit befassten Gerichte. Trotzdem macht Uber weiter. "Es gibt viel zu besprechen", meint Nestmann, der übrigens mit dem Taxi gekommen ist. Viel sagt er dann aber nicht, es laufen ja Gerichtsverfahren. Es entsteht auch der Eindruck, der aus den USA vorgegebene Kommunikationskorridor ist nicht besonders breit.

Zum Dialog bekennt sich auch Michael Müller. "Wir sind grundsätzlich bereit, über alles zu reden", sagt der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands (BZP). Aber nicht mit allen: Wer sich nicht an die Gesetze halte, mit dem werde nicht verhandelt. Ubers Geschäftsgebaren nennt er "kriminell". Wenn es konkreter wird, wiegelt Müller ab. Bei der Rückkehrpflicht für Mietwagen etwa, von Wohltorf und anderen Branchenvertretern als möglicher Ansatzpunkt für Reformen identifiziert, sieht Müller "keinen akuten Handlungsbedarf".

Das Taxigewerbe kann auf Zeit spielen, das Personenbeförderungsgesetz steht – und das Bundesverkehrsministerium hat derzeit keine Pläne, daran etwas zu ändern. Dabei waren sich am Mittwoch in Berlin alle weitgehend einig, dass die digitale Revolution auch auf dem Mobilitätsmarkt radikale Veränderungen bringt. "Das Internet verändert unsere Welt rapide, und wir müssen uns darauf einstellen", sagt Sabine Toepfer-Kataw, Staatssekretärin in der Berliner Senatsverwaltung Justiz und Verbraucherschutz.

"Der Impuls für Änderungen muss von der Politik kommen", fordert Alexander Mönch von MyTaxi. Doch die Politik hält sich mit konkreten Initiativen noch zurück. Man müsse die "rechtlichen Möglichkeiten prüfen", sagt der Großstadtbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Kai Wegner. Eine vollständige Deregulierung der Branche sei aber der "komplett falsche Weg". Das hören die Taxifahrer gerne, denen Wegner aber auch ihre eigenen Baustellen aufzeigt: Schwarzarbeit zum Beispiel, und prekäre Beschäftigungsverhältnisse.

Blacklane/Viktor Strasse
Blacklane-CEO Jens Wohltorf, Fabien Nestmann (Uber) und Robert Henrich (Moovel) hören zu, was das Taxigewerbe zu sagen hat. (Bild: Blacklane/Viktor Strasse)

Wohltorf fallen da noch ein paar mehr Punkte ein, die er diskutieren will. Zum Beispiel die unselige Türenregelung: "Taxen und Mietwagen müssen mindestens auf der rechten Längsseite zwei Türen haben", heißt es in der Verordnung über den Betrieb von Kraftfahrunternehmen im Personenverkehr (BOKraft). Als Blacklane in Berlin einen Pilotversuch mit chauffierten Smarts starten wollte, "war die erste Reaktion: Geht nicht", erzählt Wohltorf. "Auch die zweite und dritte Reaktion war: Geht nicht."

Anzeige

Inzwischen rollen die schwarzen Smarts über die Straßen Berlins. Es geht also, wenn man miteinander redet. "Wir müssen uns zusammentun", sagt auch Robert Henrich, CEO von Daimlers Mobilitätsplattform Moovel- und "ehrlich diskutieren". Themen gibt es genug: Die Rolle des Taxis für den öffentlichen Personennahverkehr, starre gesetzliche Rahmenbedingungen, die Abgrenzung zu neuen Dienstleistern wie Blacklane oder auch Uber. Wohltorf will dabei auch über die "klare Linie" zwischen sinnvollen Vorschriften und Protektionismus sprechen.

Die gute Nachricht für aller Beteiligten: Der Markt für Mobilitätsdienstleistungen insgesamt wächst. Das ist vielleicht ein Ansporn, sich zusammenzuraufen. Dabei wird es Kompromisse geben müssen. "Dass alle glücklich sind, wird nicht gehen", sagt Sascha Schubert vom Bundesverband Deutsche Startups, und verweist auf weitere Baustellen, die Geschäftsmodelle wie Uber im Arbeits- und Steuerrecht aufreißen.

Während alle hoffen, von den anstehenden Umwälzungen der Branche am Ende auch irgendwie profitieren zu können, werden ein paar auf der Strecke bleiben, schätzt Toepfer-Kataw. Die Staatssekretärin überbringt die schlechte Nachricht: "Uber und die Taxizentralen werden sterben." Nestmann ist da optimistischer, was sein Unternehmen angeht. In naher Zukunft, sagt er, "ist das Personenbeförderungsgesetz in seiner heutigen Form nicht mehr vorhanden". Man wird sehen, wer Recht behält. Immerhin reden sie jetzt miteinander. Mönch kann von seinen Erfahrungen bei MyTaxi berichten: "Der Frieden rückt näher." (vbr)

438 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Uber: EuGH muss sich mit Limousinen-Service Uber Black beschäftigen

    Fahrdienst Uber Black kommt vor den EuGH

    Der umstrittene Mobilitätsanbieter Uber landet vor dem europäischen Gerichtshof (EuGH). Der Bundesgerichtshof hat das Verfahren ausgesetzt und dem EuGH Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt.

  2. Moia: Volkswagens Mobilitätstochter offen für Investoren

    Moia: Volkswagens Mobilitätstochter offen für Investoren

    "Wir wollen eine Demokratisierung der Mobilität", sagte Moia-Chef Ole Harms. Um die Ansprüche seines Unternehmens umzusetzen, will er auch Investoren ins Boot holen.

  3. Uber stoppt Betrieb in Dänemark

    Uber

    Am 18. April soll Schluss sein. Der Fahrdienst-Vermittler Uber will sich aus dem dänischen Markt zurückziehen. Grund dafür sind strengere Gesetze für die Fahrgastbeförderung.

  4. Gericht verbietet Uber-Dienste in Italien

    Fahrdienst Uber

    Ein römisches Gericht hat angeordnet, dass der Fahrdienst Uber seine Dienste in Italien einstellen muss - und zwar nicht nur das in vielen Ländern umstrittene UberPOP. Das Unternehmen will das Urteil anfechten.

  1. Uber: Zusammenlegung von Fahrten geplant

    Taxi Uber

    Der Fahrdienst-Vermittler wirbt mit Nachdruck dafür, dass sich mehrere Leute ein Auto teilen. „Wir müssen die populärste Form der Fortbewegung in der Welt – Autos – effizienter nutzen“, schrieb Uber-Chef Travis Kalanick

  2. London entzieht Uber die Lizenz

    London entzieht Uber die Lizenz

    Das ist eine harte Nuss für Uber: Die Londoner Verkehrsbehörde will die Lizenz des Ridesharing-Dienstes nicht verlängern. Der Vorwurf: Verantwortungslosigkeit. Uber will kämpfen

  3. Zetsche: Zusammenarbeit mit Uber wäre denkbar

    Dieter Zetsche

    Daimler-Chef Dieter Zetsche kann sich eine Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber vorstellen. „Wir können potenziell in manchen Bereichen kooperieren und in anderen Konkurrenten sein“, sagte Zetsche

  1. Metal Gear Survive angespielt: Überleben um jeden Preis, speichern für zehn Euro

    Metal Gear Survive angespielt: Überleben um jeden Preis, speichern für zehn Euro

    In Metal Gear: Survive schlägt die bekannte Agenten-Saga ganz neue Töne an. Statt auf Politik und Pathos setzen die Entwickler auf Zombies und dreiste Mikrotransaktionen: Sogar für einen zusätzlichen Speicher-Slot muss man zahlen.

  2. VoIP-Telefonie und Mobilfunkrufnummer: Erste Erfahrungen mit Sipgate Satellite

    VoIP-Telefonie und Mobilfunkrufnummer: Erste Erfahrungen mit Sipgate Satellite

    Mit dem Satellite-Dienst bekommt das Smartphone eine zweite Mobilfunkrufnummer ohne SIM-Karten-Bindung gratis. Das dürfte Nutzer interessieren, die geschäftliche und private Telefonie trennen wollen. Die wichtigsten Funktionen überzeugen.

  3. Fahrbericht Audi A7 55 TFSI

    Wenn brandneue Smartphones das erste Mal in die Hände neugieriger Tester geraten, nennt man das gerne ein „Hands On“. Fahren kann das Ding auch. Vom hübsch gefalteten Blechkleid mal abgesehen, stecken aber gerade in den elektronischen Komponenten viele der Highlights der neuesten Generation

  4. STM-Entwicklerkits für Mobilfunk

    STM-Entwicklerkits für Mobilfunk

    Langsam kommt NB-IoT ins Rollen: Pünktlich zur Embedded World zeigt STMicroelectronics eine Entwicklerplatine mit Modem für den neuen Internet-der-Dinge-Netzstandard.

Anzeige