Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Anton Weste 8

Makerspace lässt Medizinprodukte im Krankenhaus entstehen

Makerspace im Krankenhaus

Bild: UTMB

Krankenschwestern wissen am besten, was ihnen bei ihrer Arbeit gerade fehlt. Im John Sealy Hospital in der US-Stadt Galveston lädt eine Erfinderwerkstatt die Pflegekräfte zu eigenen Kreationen ein.

Der Markt für Medizinprodukte ist riesig. In den USA setzt die Branche jährlich mehr als 100 Milliarden Dollar um. Trotzdem bleiben spürbare Lücken, weil Hersteller oft die konkreten Bedürfnisse von Patienten oder Pflegepersonal nicht im Blick haben. Im texanischen Galveston wurde deshalb erstmals in einem Universitätskrankenhaus eine Erfinderwerkstatt eingerichtet. Das berichtet die Juniausgabe von Technology Review (im Handel oder im heise shop erhältlich). Der Makerspace des John Sealy Hospital legt Design und Herstellung von medizinischen Artikeln in die Hände von Krankenschwestern und Pflegern. Sie wissen – so die Idee – am besten, was den Kranken hilft.

Direkt neben den Stationen gelegen, bietet die Werkstatt alles, um Ideen für neue Geräte und Arbeitsmittel zu realisieren. In Regalen stapeln sich Wachs, Klettverschlüsse, Stoffe und PVC-Elemente. Am Computer entworfene Modelle werden von 3D-Druckern gefertigt. Laserschneider, Schleifgeräte und Bohrmaschinen bringen die Kreationen in Form. Mit Mikrocomputern und Sensoren lassen sich elektronisch vernetzte Medizinprodukte herstellen. Ein Techniker unterstützt das Pflegepersonal bei den Projekten. Am Ende kann es die Kreationen vor einer Kamera vorstellen.

Bastelarbeit für fehlende Medizinprodukte

"Dinge zu modifizieren, liegt Krankenschwestern im Blut", sagt Anna Young vom International Design Center des Massachusetts Institute of Technology (MIT), die die Einrichtung angeregt hat. Die Ökonomin und Gesundheitsforscherin war inspiriert von Ad-hoc-Lösungen, die sie während einer Entwicklungskooperation in Nicaragua beobachtet hatte. Dort bastelten Krankenschwestern mit simpelsten Mitteln fehlende medizinische Gerätschaften. "Aber sie halten ihre innovativen Arbeiten für selbstverständlich, nichts, worüber man reden müsste", sagt Young. 2013 gründete sie die Initiative Maker Nurse, die mit modernen Makerspaces in Krankenhäusern die Do-it-yourself-Möglichkeiten für das Personal verbessern will.

Makerspace im Krankenhaus
Chefpfleger Jason Sheaffer hat im Makerspace ein mobiles Bad zum Spülen von Brandwunden gefertigt. Vergrößern
Bild: UTMB

MakerNurse betreibt mehrere mobile Werkstätten, die verschiedene Krankenhäuser versorgen. Weitere fest ein gerichtete Makerspaces wie in Galveston sollen folgen. Die Ergebnisse aus der Werkstatt in Galveston können sich sehen lassen. So erleichtert ein praktischer Pflegergürtel mit viel Stauraum für Verbände und Werkzeug den Dienst auf den Stationen. Eine smarte Pillenschachtel vermeldet per Sensor, wenn die Einnahme einer Dosis vergessen wurde. Ein aus einem Trinkbecher geschnittener Wundschutz hindert Kinder daran, ihre Verbände abzustreifen.

Maker und Chefpfleger in einem

Jason Sheaffer, Chefpfleger der Station für Brandwunden, ist stolz auf sein mobiles Verbrennungsbad aus PVC-Rohren. Bislang mussten chemische Verbrennungen stundenlang manuell gewaschen werden. Sheaffers Erfindung spült die verbrannte Haut mit drei justierbaren Duschköpfen und ermöglicht den Pflegern, in der Zeit andere Aufgaben wahrzunehmen. "Scheint eine einfache Sache zu sein, aber allein wäre ich nie dazu gekommen, sie umzusetzen", sagt Sheaffer.

Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe des Technology Review, die jetzt im Handel erhältlich ist oder online im heise shop bestellt werden kann. (inwu)

8 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Nanoroboter im Auge unterwegs

    Nanoroboter im Auge unterwegs

    Medizinroboter waren bisher meist sperrige Geräte. Nun tüfteln Forscher an winzigen Maschinen, die gezielt im Körper wirken und viele Therapien verbessern sollen.

  2. Frankreich hat größten Anteil von Impfgegnern

    "Jeder achte französische Hausarzt ist Impfskeptiker"

    Pierre Verger ist Co-Autor einer aktuellen Studie, die den globalen Stand von Vertrauen in Impfungen untersucht. "Jeder achte französische Hausarzt ist Impfskeptiker", sagt er. Im Interview mit Technology Review erläutert er die Ursachen.

  3. Gendatenbank: Sind Krankheiten mit einer Million Genomen vorhersagbar?

    Das Genom ist nicht genug

    Erbgutentschlüsseler Craig Venter hat sein nächstes Giga-Projekt: Er will DNA-Informationen mit den Gesundheitsdaten von einer Million Patienten verknüpfen. Das Ziel ist eine individuelle Beratung.

  4. Teilchenbeschleuniger im Mini-Format

    Teilchenbeschleuniger im Mini-Format

    Teilchenbeschleuniger wie der LHC am Cern in Genf sind gigantische Maschinen. Dass sich Teilchen auch mit sehr viel kleineren Apparaturen beschleunigen lassen, haben Physiker aus den USA und Deutschland gezeigt.

  1. Der zweite Fuß in der Tür

    Eine Kooperation der Google-Tochter DeepMind auf dem Gesundheitssektor jagt die nächste. Nachdem sich die britische Softwareschmiede bereits mit Nierenpatienten beschäftigt, strebt sie nun die Diagnose von Augenkrankheiten an.

  2. Kopf sucht Körper

    Kopf sucht Körper

    Wenn der Körper versagt, könnte man einen Menschen theoretisch retten, indem man seinen Kopf auf den Rumpf eines hirntoten Spenders verpflanzt. Das ist Sergio Canaveros Plan. Wie realistisch ist das Projekt?

  3. Wasserstoff revolutioniert die Energieversorgung

    Wasserstoff revolutioniert die Energieversorgung

    Wasserstoff gilt als grüner Energieträger, da er sich mit überschüssigem Ökostrom herstellen lässt. Dabei geht jedoch sehr viel Energie verloren.

  1. TT Isle of Man 2017

    TT Isle of Man feierte 2017 ihr 110. Jubiläum und die Zuschauer strömten wie eh und je zu Tausenden auf die idyllische Insel in der Irischen See. Wegen der Verletzung von Altmeister John McGuiness lief es auf ein Duell zwischen Ian Hutchinson und Michal Dunlop hinaus. Doch es gab auch einige Überraschungen

  2. Fahrbericht: VW Tiguan 2.0 TSI Allspace

    Der VW Tiguan der zweiten Generation, der sich seit 2016 zu ungeahnter Beliebtheit aufschwingt, kommt im November in einer Langversion zu uns. In den USA kommt er unter der schlichten Bezeichnung VW Tiguan bereits in diesem Sommer auf den Markt. Wir konnten ihn dort bereits kurz ausprobieren

Anzeige