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Horrorvideo soll Verbot autonomer Waffen voranbringen

Horrorvideo soll Verbot autonomer Waffen voranbringen

Bild: Future of Life Institute

Ein Gremium der Vereinten Nationen berät in dieser Woche über ein mögliches Verbot autonomer Waffensysteme. Derweil versuchen Aktivisten mit einem Schockvideo für ein solches Verbot zu trommeln.

Amoklauf war gestern. Wie zukünftig statt Selbstmordattentätern bewaffnete autonome Drohnen weltweit die Sicherheit bedrohen und Roboterschwärme für Angst und Schrecken sorgen können, zeigt ein drastischer Videofilm, der am Montag bei der Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen in Genf vom Future of Life Institute vorgestellt wurde. Dort wird in dieser Woche unter dem Titel LAWS (Lethal Autonomous Weapon Systems) erstmals auf formeller Ebene durch eine „intergovernmental group of experts“ über ein mögliches Verbot solcher Waffen beraten.

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Bislang hatte es in Genf seit 2014 informelle Beratungen gegeben. Die Aufwertung zu einem formellen Gremium war zunächst allgemein als Fortschritt gesehen worden. Es bleiben indessen Beratungen, das Gremium hat nach wie vor kein Verhandlungsmandat. Die viel zitierte Aussage des indischen Botschafters Amandeep Gill, dass es bei den fünftägigen Beratungen, die von ihm geleitet werden, wohl zu keinem Verbot kommen werde, ist daher keine besonders gewagte Prognose.

Hinzu kommt, dass zumindest zu Beginn der Beratungen offenbar auch kein besonders starker Wille erkennbar war, zu greifbaren Ergebnissen zu kommen. So schlägt ein deutsch-französisches Positionspapier eine vorläufige Begriffsbestimmung vor, die aber bereits existierende Waffensysteme ausklammert, und strebt als Minimalkonsens einen Verhaltenskodex an, der die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle fordert. Ein vom deutschen Außenministerium mitfinanzierter Bericht des International Panel on the Regulation of Autonomous Weapons rät, auf den Begriff „Künstliche Intelligenz“ im Zusammenhang mit Waffensystemen zu verzichten und stattdessen von „computational methods“ zu sprechen. Er warnt vor der Begrenztheit dieser Technologien und der Unvorhersehbarkeit der daraus resultierenden Aktionen, wendet sich aber nicht grundsätzlich gegen autonome Waffen.

Vielen Beteiligten und Beobachtern der Beratungen ist das zu wenig. "Die Gespräche hier drohen, den Fokus zu verlieren", sagt etwa der Politikwissenschaftler Frank Sauer (Universität der Bundeswehr München), der zusammen mit Jürgen Altmann erst vor kurzem vor der Gefahr der weltweiten Destabilisierung und Gewalteskalation durch autonome Waffensysteme gewarnt hat. "Es ist sicher notwendig, über die Anwendung von KI in vielen heutigen und zukünftigen Lebens- und Arbeitsbereichen sowie den damit einhergehenden Chancen und Risiken zu reden. Aber hier, bei der UN-Waffenkonvention, muss der Fokus doch primär auf Waffensystemen und dem Bewahren der menschlichen Kontrolle über selbige liegen. Dass einige Staaten dieser Verlust an Diskussionsfokus und das Reden über 'KI in voller Breite‘ nicht ungelegen kommt, das ist ein offenes Geheimnis."

Vor diesem Hintergrund ist der aufwendig (mit finanzieller Unterstützung durch Elon Musk) produzierte Film Slaughterbots zu sehen, der mit den Stilmitteln des Hollywoodkinos und moderner Fernsehserien die Bedrohung spürbar werden lässt: Stolz präsentiert da der Vertreter einer Rüstungsfirma eine Minidrohne, die mit Gesichtserkennung gezielt Menschen töten kann, indem sie sich auf deren Stirn heftet und eine kleine Sprengladung zündet. Bald darauf sorgen ganze Schwärme solcher Drohnen für Unruhe, ohne dass jemand sagen könnte, wer oder was dahinter steckt.

Das hat natürlich wenig mit Diplomatie und sachlicher Diskussion zu tun und kann leicht als Überwältigungsästhetik abgetan werden. Wenn aber die Versachlichung von Debatten womöglich eher deren Verzögerung und Verschleppung dient, während gleichzeitig technologische Tatsachen geschaffen werden, ist die Ungeduld und Heftigkeit zumindest nachvollziehbar. Ob es die Beratungen in Genf bis Freitag noch voranbringt, wird sich zeigen. (Hans-Arthur Marsiske) / (axk)

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