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Gesichtserkennung per Video: Bundespolizei sucht Berliner Freiwillige

Menschenmenge

Bild: José Martín

Die Bundespolizei sucht Freiwillige, die sich am Test der Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz beteiligen. Sie müssen volljährig und bereit sein, zusätzlich einen RFID-Chip am Körper zu tragen.

Der Test der softwaregestützten Gesichtserkennung am "Sicherheitsbahnhof" Berlin Südkreuz geht in seine Aufwärmphase. Vor Ort hat die Bundespolizei ein Büro eingerichtet, in dem sich Freiwillige für den Test anmelden können, der am 1. August beginnen soll. Gesucht werden volljährige Personen, die den Umsteigebahnhof täglich mehrmals benutzen und dabei die markierte Testzone in der Westhalle des Bahnhofes durchqueren. Von ihnen werden verschiedene Lichtbilder angefertigt, die in der Test-Datenbank "gesuchter Personen" gespeichert werden. Zusätzlich müssen sie zur Kontrolle durch eine zweite Überwachungstechnik einen RFID-Transponder-Chip an einem Schlüsselbund oder ähnlichem tragen. Zur Belohnung gibt es Amazon-Gutscheine und Wearables für die eifrigsten Tester.

Gefahren erkennen, Anschläge verhindern

Das eigens für den Test freigeschaltete FAQ der Bundespolizei gibt sich vorsichtig optimistisch: "Mit dieser Technik könnte es gelingen, Straftaten und Gefahrensituationen vorab zu erkennen. Mögliche Gefährder könnten vor einem geplanten Anschlag festgestellt und dieser verhindert werden." Es ist der zweite polizeiliche Test von Erkennungstechnik durch Polizeibehören und er ist im Vergleich zum gescheiterten Test am Mainzer Hauptbahnhof deutlich anspruchsvoller geworden. Beim BKA-Projekt Foto-Fahndung mussten die Freiwilligen in der gut ausgeleuchteten Mainzer Bahnhofshalle die Rolltreppe nehmen und stillstehen, während sie von unterschiedlichen Videokameras gefilmt und von unterschiedlichen Software-Systemen ausgewertet wurden.

Am Bahnhof Südkreuz sollen die Freiwilligen im Pendleralltag eine Fläche in der Westhalle hingegen ganz in ihrem normalen Gehtempo durchqueren und dennoch erkannt werden. Diese Fläche ist mit RFID-Baken "abgezäunt", wie sie von den Diebstahlsicherungen in Warenhäusern her bekannt sind. Da die Freiwilligen RFID-Transponder in Form einer Kreditkarte am Schlüsselbund tragen, werden sie in jedem Fall erkannt, wenn sie die Fläche durchqueren. Diese Daten bilden die Referenzmenge zu den Erkennungsraten der automatischen Gesichtserkennung, sodass die Quote der "False Positives" und "False Negatives" bestimmt werden kann. Überschreiten beide einen Grenzwert, ist die Gesichtserkennung gescheitert: Entweder gibt es dann zu viele Fehlalarme oder zu viele "Gesuchte" werden nicht erkannt.

Noch ein Test geplant

Der Feldtest in Berlin soll über sechs Monate laufen und wird von der Bundespolizei durchgeführt. Unabhängig von diesem Feldtest planen Bundespolizei und die Deutsche Bahn einen weiteren Test mit Videokameras und einer gänzlich anderen Software. Dabei sollen von dieser automatisch Gefahrensituationen erkannt werden, etwa herrenlose Koffer, stürzende Personen oder die Aktionen von Graffitti-Sprayern. Auch die Mustererkennung von Taschendieben, die in Gruppen meistens auf Treppen oder Rolltreppen auftreten und in denen jeder feste Rollen hat, soll dazugehören.

Detlef Borchers
Pläne zur Videoüberwachung der Bahn in Berlin Vergrößern
Bild: Detlef Borchers

Beide Test sind Vorstufen, den Berliner Bahn-Nahverkehr mit einem umfassenden Videoüberwachungssystem auszurüsten. Bereits Ende 2017 sollen alle Berliner S-Bahnhöfe mit Videokameras ausgestattet sein, die von Leitstellen der Bahn und Bundespolizei angesteuert werden können. Derzeit werden nur alle "Wechselbahnhöfe" durchgängig überwacht (Gesundbrunnen, Hauptbahnhof, Friedrichstraße, Ostbahnhof, Potsdamer Platz, Spandau, Südkreuz und Zoo). Dabei hat die Bahn rund 1000 Kameras im Einsatz, 80 davon am Bahnhof Südkreuz. (mho)

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