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Birgit Sander, dpa 578

Fusionsexperiment Wendelstein 7-X erzeugt erstes Wasserstoffplasma

Fusionsexperiment Wendelstein 7-X erzeugt erstes Wasserstoffplasma

Das erste Wasserstoff-Plasma in Wendelstein 7-X.

Bild: IPP

Die Energiequelle der Sonne zu nutzen, ist ein alter Traum der Menschheit. Mit dem Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" ist die Wissenschaft dem einen Schritt näher gekommen. Kanzlerin Merkel, selbst Physikerin, überzeugte sich davon vor Ort.

In der Kernfusions-Forschungsanlage "Wendelstein 7-X" in Greifswald ist das erste Wasserstoff-Plasma erzeugt worden. Für die Forscher am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) begann damit am Mittwoch der wissenschaftliche Experimentierbetrieb. Sie wollen nachweisen, dass die Anlage vom Typ Stellarator für den Kraftwerksbetrieb taugt. Der Start wurde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gefeiert. Die Kanzlerin, selbst Physikerin, schaltete das erste Wasserstoff-Plasma ein.

Ziel der Forschung ist, in der Zukunft die Kernfusion – die Energiequelle der Sonne und der Sterne – auch auf der Erde für den Menschen nutzbar zu machen. Merkel sagte, eine der drängendsten Fragen der Menschheit sei es, wie dem zunehmenden Energiebedarf Rechnung zu tragen sei, ohne die Klimaziele zu verfehlen. Wasserstoff sei fast unbegrenzt verfügbar und eine saubere Energiequelle. Merkel kündigte an, dass die Bundesregierung Projekte zur Kernfusion weiter unterstützen werde: "Wir glauben, dass dieses Geld gut angelegt ist".

Vier Eimer Wasser statt 40 Tonnen Kohle

Aus vier Eimern Wasser könne einmal so viel Energie gewonnen werden wie aus 40 Tonnen Kohle, erläuterte die Wissenschaftliche Direktorin des IPP, Sibylle Günter.

Ein kurzzeitiges helles Leuchten auf den Monitoren, von Kameras aus dem Inneren der Fusionsanlage übertragen, signalisierte den Mitarbeitern und Gästen aus anderen Forschungseinrichtungen den Erfolg. Wie einer der IPP-Direktoren, Robert Wolf, erläuterte, war für etwa eine halbe Sekunde bei einer Temperatur von mehreren Millionen Grad aus Wasserstoff Plasma geworden, ein extrem dünnes, elektrisch geladenes Gas. "Wir simulieren schon in weiten Teilen den Kraftwerksbetrieb", sagte er. Bis 2020 sollen die Entladungen schrittweise bis auf 30 Minuten verlängert werden.

Noch Jahrzehnte nötig

Nach Angaben des IPP wird es noch mehrere Jahrzehnte dauern, bis die Kernfusion den Menschen Energie liefern kann. Wie Projektleiter Thomas Klinger erläuterte, wechselten die Forscher beim Wendelstein-Experiment nun von Plasmen aus Helium zu Wasserstoff, ihrem eigentlichen Untersuchungsobjekt. Im Dezember 2015 war zum Betriebsstart der Anlage das erste Plasma aus Helium erzeugt worden. Dieses Gas geht leichter in Plasma über als Wasserstoff.

Das Greifswalder Institut mit rund 400 Mitarbeitern gehört zum IPP im bayrischen Garching. Dort wird ebenfalls an einem Kernfusionsreaktor geforscht. Das rund eine Milliarde Euro teure Greifswalder Kernfusionsexperiment "Wendelstein 7-X" ist laut IPP die weltgrößte Fusionsanlage vom Typ Stellarator. Energie wird mit "Wendelstein 7-X" nicht gewonnen werden, dazu ist die Anlage mit 16 Metern Durchmesser und 5 Metern Höhe zu klein. (axk)

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