Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.699.191 Produkten

22

Experten: Verschärfte Umweltvorschriften treiben digitale Düngung an

Experten: Verschärfte Umweltvorschriften treiben digitale Düngung an

Bild: baywa.de

Der Trend auf dem Bauernhof geht in Richtung Hightech – verschärfte Umweltvorschriften werden das voraussichtlich noch beschleunigen.

Verschärfte Umweltvorschriften für die Düngung werden nach Einschätzung von Experten den Trend zur Hightech-Landwirtschaft auf Deutschlands Bauernhöfen beschleunigen – mit positiven Folgen für das Grundwasser. Sowohl der Bauernverband als auch Europas größter Agrarhandelskonzern Baywa gehen davon aus, dass die Landwirte wegen höherer Anforderungen an den Gewässerschutz verstärkt in Digitaltechnik zur effizienten Düngung investieren werden, insbesondere in Sensoren, die den Stickstoffgehalt der Pflanzen und damit deren Düngebedarf berechnen können.

Anzeige

Seit 1. Juni gilt die neue Düngeverordnung des Bundes – Düngemittel müssen nun gezielt nach dem Nährstoffbedarf der Pflanzen angewendet werden, auch ist zu bestimmten Zeiten im Spätherbst und Winter die Düngung komplett verboten.

"Von rund 275.000 Landwirten in Deutschland sind nach unserer Einschätzung mindestens 200.000 von der Düngeverordnung betroffen", sagte Baywa-Vorstandschef Klaus Josef Lutz in München. Das Unternehmen erwartet deshalb eine "deutliche Belebung" der Nachfrage nach Digital-Farming-Systemen für die Düngung. Ähnlich die Einschätzung beim Bayerischen Bauernverband: "Wir gehen davon aus, dass die neue Düngeverordnung dazu beitragen wird, dass sich diese Technik weiter verbreitet", sagte Experte Markus Peters.

N-Sensoren sind optische Sensoren, die am Traktor befestigt werden und genau messen können, ob Pflanzen überhaupt noch zusätzlichen Dünger benötigen, um zu gedeihen. Auf vielen Feldern und Wiesen ist der Nährstoffbedarf nicht überall gleich hoch. Der in der Branche bekannte westfälische Sensorenhersteller Yara beziffert die Einsparmöglichkeit an Stickstoff auf bis zu 14 Prozent.

Ein Hindernis ist allerdings gerade für die kleineren süddeutschen Bauernhöfe der Preis. Ein Yara-Sensor schlägt mit gut 26.000 Euro zu Buche, für Betriebe mit weniger als 100 Hektar lohnt sich das nach verbreiteter Einschätzung in der Agrarbranche kaum.

Die Bauern verstreuen heute bereits deutlich weniger Stickstoff als noch zur Zeit der Wiedervereinigung – nach Daten des Industrieverbands Agrar sank der Verbrauch an Stickstoffdünger von der Saison 1989/90 bis 2014/15 bereits um knapp 300.000 Tonnen.

Dennoch verfehlt Deutschland die europäischen Ziele für die Wasserqualität – und zwar sehr deutlich. Denn eigentlich hätten die EU-Mitgliedstaaten laut EU-Wasserrahmenrichtlinie schon 2015 einen ökologisch "guten Zustand" ihrer natürlichen Gewässer erreichen sollen. In Deutschland waren laut Umweltbundesamt aber nur sieben Prozent der Gewässer als gut oder sehr gut eingestuft. Eine Ursache dafür: die Landwirtschaft.

Die neue Düngeverordnung soll helfen, das zu ändern. "Mit den neuen Regelungen zur Düngung wird sichergestellt, dass der Dünger bei den Pflanzen ankommt, aber nicht im Grundwasser", sagte ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums in Berlin. "Damit wird ein wesentlicher Beitrag geleistet, die Belastungen zu senken."

Anzeige

Die technische Entwicklung macht allerdings bei den Stickstoffsensoren längst nicht halt. Die Bauern können – sofern sie dies wollen und über das nötige Kleingeld verfügen – ihre Äcker auch aus dem Weltraum beobachten lassen. "Unsere digitalen Produkte reichen von der einfachen Düngebedarfsberechnung bis zur satellitengestützten Analyse von Ackerflächen", sagte Baywa-Vorstandschef Lutz. Und so hat das Unternehmen im Mai 2017 eine Kooperation mit der europäischen Weltraumorganisation ESA vereinbart. (dpa) / (anw)

22 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Schnelles Internet fehlt auf dem Acker

    Schnelles Internet fehlt auf dem Acker

    Der Deutsche Bauernverband fordert von der neuen Bundesregierung mehr Engagement beim Internet-Ausbau in ländlichen Gebieten als bisher. Andernfalls verfestige sich bei der Landbevölkerung der Eindruck, sie werde alleine gelassen.

  2. Vom Fischer zum Unterwasser-Farmer

    Vom Fischer zum Unterwasser-Farmer

    Mit dem sogenannten 3D Ocean Farming will die Organisation GreenWave das Meer nachhaltig bewirtschaften.

  3. Das digitale Kinderzimmer – oder: smarte Helfer rund ums Babybett

    Das digitale Kinderzimmer – oder: smarte Helfer rund ums Babybett

    Die Babyausstattermesse "Kind+Jugend" zeigt, wie weit "digitale Helfer" schon zu den Kleinsten vorrücken. Vom Pulsmess-Söckchen über Bluetooth-Thermometer bis zu Windel-Voll-Alarm-Sensoren ist alles dabei.

  4. Im Schweinestall wird getwittert – warum Bauern bloggen

    Im Schweinestall wird getwittert – warum Bauern bloggen

    Sie twittern vom Traktor und begleiten das Holz hacken mit einer Story auf Snapchat. In der landwirtschaftlichen Blogger-Szene herrscht reger Betrieb. Marcus Holtkötter, besser bekannt als Bauer Holti, ist einer der Internet-Landwirte.

  1. Zu viel Nitrat im Grundwasser

    Das Problem besteht darin, dass Millionen Nutztiere weiterhin in industriellen Tierhaltungsanlagen eingepfercht sind

  2. Stummer Frühling - stummer Sommer

    Kommentar zu Glyphosat

  3. Windelpflicht für Kühe vom Tisch?

    Die Bundesregierung will die Düngeverordnung den Wünschen der EU-Kommission anpassen, um eine Klage zu vermeiden

  1. Schutz vor einem EMP-Angriff

    Gegen die wegen ihrer Folgen verdrängte Waffe des elektronischen Zeitalters, die das Stromnetz und die Elektronik in großen Teilen eines Lands lahmlegen könnte, gibt es auch in den USA noch kaum Vorkehrungen

  2. Vorstellung: Mercedes A-Klasse 2018

    Mercedes A-Klasse 2018

    Die vierte Mercedes A-Klasse soll mehr mehr Komfort bieten. Vor allem aber geht sie bei Bedienung neue Wege. Der immer größer werdenden Komplexität begegnet Mercedes mit einem Touchscreen und einer stark erweiterten Sprachsteuerung

  3. Feindbild: Russland macht Information zur Waffe

    Nicht erst seit der Wahl werden Gegenmaßnahmen zum angeblichen russischen hybriden oder Informationskrieg von interessierten transatlantischen Kreisen gefordert

  4. In Schale geschmissen: Der neue BMW 7er

    Ein riesiger, steil stehender Grill prägt das Gesicht des Oberklasse-Bayern, der im Herbst an den Start geht. Zwischen neuer Niere und wohlgeformtem Heck warten einige Neuheiten auch unterm Blech

Anzeige