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Evangelische Kirche will junge Gläubige im digitalen Raum gewinnen

«AndachtsApp»

Die "AndachtsApp" der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Bild: dpa, Kim Zickenheiner

Die evangelische Kirche will alternative Angebote für junge Leute schaffen. Insbesondere im "digitalen Raum" hofft sie auf Nachwuchs für die schrumpfende Zahl an Gläubigen.

Mit neuen Gottesdienstformen für junge Leute will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dem anhaltenden Mitgliederschwund entgegentreten. Statt morgens könnten Gottesdienste nachmittags oder abends in modernen Räumen mit Lichteffekten und Bands organisiert werden, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am heutigen Sonntag zum Start der Jahrestagung der Kirche in Bonn. Das Kirchenparlament berät bis Mittwoch unter anderem über Zukunftsperspektiven in einer zunehmend kirchenfernen Gesellschaft. Angesichts der heutigen Individualisierung, Schnelllebigkeit und Unverbindlichkeit sei es Aufgabe der Kirche, Formen von Gemeinschaft anzubieten, die der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entsprechen.

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Auch Internetgemeinden und die digitale Kommunikation spielten eine wachsende Rolle, sagte der EKD-Chef. "Erschließt sich die Kirche den digitalen Raum nicht, verpasst sie einen entscheidenden Lebensraum junger Menschen." Kirche werde künftig weniger als Ort, sondern vielmehr als ein Netzwerk gesehen, in welchem das Gemeindehaus nicht mehr der einzige Knotenpunkt für Gemeinschaftlichkeit ist, sondern einer unter vielen. "Hier wird die Herausforderung für die Kirche sein, ob und wie sie den digitalen Raum mitgestalten will."

Alleine 2016 sank die Zahl der zur EKD gehörenden Protestanten in Deutschland um 350.000 auf 21,92 Millionen. Binnen zehn Jahren verlor die evangelische Kirche mehr als zehn Millionen Gläubige. Zur Erklärung verweist die Kirche vor allem auf den demografischen Wandel. Dass deutlich mehr evangelische Christen sterben als neu in die Kirche eintreten, hängt aber auch damit zusammen, dass weniger Neugeborene getauft werden als früher.

"Kirche ist für junge Menschen weithin nicht mehr relevant", konstatierte Bedford-Strohm in seiner Rede vor dem Kirchenparlament. "Sie haben nichts gegen die Kirche, sie finden ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit und Frieden in aller Regel sogar gut und richtig." Beides sei aber nicht spezifisch für die Kirche und für junge Leute auch kein ausreichender Grund, sich selber in der Kirche zu engagieren. Die Suche nach Sinn, Glück und Identität verbänden junge Leute oft nicht mehr mit Religion. Gleichzeitig hätten sie einen Bedarf an Spiritualität, da könne die Kirche ansetzen.

Dem Parlament, der sogenannten Synode, gehören 120 Kirchenparlamentarier aus den 20 evangelischen Landeskirchen an. Als Dachorganisation vertritt die EKD die knapp 22 Millionen evangelischen Christen in Deutschland. (dpa) / (uma)

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