Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

238

Evangelische Kirche will junge Gläubige im digitalen Raum gewinnen

«AndachtsApp»

Die "AndachtsApp" der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Bild: dpa, Kim Zickenheiner

Die evangelische Kirche will alternative Angebote für junge Leute schaffen. Insbesondere im "digitalen Raum" hofft sie auf Nachwuchs für die schrumpfende Zahl an Gläubigen.

Mit neuen Gottesdienstformen für junge Leute will die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) dem anhaltenden Mitgliederschwund entgegentreten. Statt morgens könnten Gottesdienste nachmittags oder abends in modernen Räumen mit Lichteffekten und Bands organisiert werden, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am heutigen Sonntag zum Start der Jahrestagung der Kirche in Bonn. Das Kirchenparlament berät bis Mittwoch unter anderem über Zukunftsperspektiven in einer zunehmend kirchenfernen Gesellschaft. Angesichts der heutigen Individualisierung, Schnelllebigkeit und Unverbindlichkeit sei es Aufgabe der Kirche, Formen von Gemeinschaft anzubieten, die der Lebenswirklichkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entsprechen.

Anzeige

Auch Internetgemeinden und die digitale Kommunikation spielten eine wachsende Rolle, sagte der EKD-Chef. "Erschließt sich die Kirche den digitalen Raum nicht, verpasst sie einen entscheidenden Lebensraum junger Menschen." Kirche werde künftig weniger als Ort, sondern vielmehr als ein Netzwerk gesehen, in welchem das Gemeindehaus nicht mehr der einzige Knotenpunkt für Gemeinschaftlichkeit ist, sondern einer unter vielen. "Hier wird die Herausforderung für die Kirche sein, ob und wie sie den digitalen Raum mitgestalten will."

Alleine 2016 sank die Zahl der zur EKD gehörenden Protestanten in Deutschland um 350.000 auf 21,92 Millionen. Binnen zehn Jahren verlor die evangelische Kirche mehr als zehn Millionen Gläubige. Zur Erklärung verweist die Kirche vor allem auf den demografischen Wandel. Dass deutlich mehr evangelische Christen sterben als neu in die Kirche eintreten, hängt aber auch damit zusammen, dass weniger Neugeborene getauft werden als früher.

"Kirche ist für junge Menschen weithin nicht mehr relevant", konstatierte Bedford-Strohm in seiner Rede vor dem Kirchenparlament. "Sie haben nichts gegen die Kirche, sie finden ihr Engagement für soziale Gerechtigkeit und Frieden in aller Regel sogar gut und richtig." Beides sei aber nicht spezifisch für die Kirche und für junge Leute auch kein ausreichender Grund, sich selber in der Kirche zu engagieren. Die Suche nach Sinn, Glück und Identität verbänden junge Leute oft nicht mehr mit Religion. Gleichzeitig hätten sie einen Bedarf an Spiritualität, da könne die Kirche ansetzen.

Dem Parlament, der sogenannten Synode, gehören 120 Kirchenparlamentarier aus den 20 evangelischen Landeskirchen an. Als Dachorganisation vertritt die EKD die knapp 22 Millionen evangelischen Christen in Deutschland. (dpa) / (uma)

238 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Segnungsroboter: Publikumsmagnet auf Weltausstellung der Reformation

    Wittenberg: Roboter segnet mehr als 9000 Besucher der Weltausstellung

    Auf der Weltausstellung der Reformation 2017 in Wittenberg ließen sich Tausende Besucher von einem Roboter segnen. Das Kunstwerk sollte zur Diskussion über die Zukunft von Mensch und Maschine anregen. Kirchgänger und Neulinge reagierten unterschiedlich.

  2. Vodafone kündigt Gigabit-Offensive an: 13,7 Millionen neue Anschlüsse

    Glasfaser

    Vodafone startet eine große Gigabit-Offensive und will 2 Milliarden Euro in den Breitbandausbau investieren. Jeder dritte Haushalt in Deutschland soll auf Gigabit-Leitungen zugreifen können – auch auf dem Land.

  3. VDZ-Präsident fordert Schranken für Netzaktivitäten von ARD und ZDF

    «Tagesschau»-App

    Im Interview sagt Rudolf Thiemann, der neue Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger, Zeitschriften ein langes Leben voraus – und warnt vor den Angeboten von ARD und ZDF. Aber auch Facebook und Google sieht er kritisch.

  4. Skype sei Dank: Baltenstaat Estland will Hort für Start-ups sein

    Skype sei Dank: Baltenstaat Estland will Hort für Start-ups sein

    Es gibt kaum ein Land, in dem die Bedingungen für junge Gründer aus der Tech-Szene so gut sind wie in Estland. Eine wichtige Rolle spielt dabei noch immer der Internetdienst Skype.

  1. Evangelikale und ihre Positionen in der Politik

    Kann das funktionieren: evangelikal sein in der Politik? Oder auch "nur" christlich sein, als Politiker? Was bedeutet es für eine Demokratie, wenn sich Evangelikale engagieren?

  2. Kein Kriegskirchen-Tag?

    Beim Massenevent in Berlin und Wittenberg sollte die christliche Basis eine Unabhängigkeit von der staatlichen Militärapparatur einfordern

  3. "Militärisches Abenteuer, ohne absehbares Ziel und Ende"

    Das Parlament hat eine deutsche Kriegsbeteiligung in Syrien durchgepeitscht. Die kirchlichen Stellungnahmen fallen mit wenigen Ausnahmen ablehnend oder zumindest äußerst kritisch aus

  1. Google veröffentlicht 3 Fotos-Apps: Storyboard, Selfissimo und Scrubbies

    Google veröffentlicht Fotos-Apps: Storyboard, Selfissimo und Scrubbies

    Google hat drei experimentelle Fotos-Apps für Android und iOS veröffentlicht. Die "Appsperiments" nutzen Techniken, an denen Google derzeit forscht. Bei allen Apps steht der Spaß im Vordergrund.

  2. Q#: Microsofts Development Kit für Quantencomputing mit eigener Programmiersprache und Simulator

    Q#: Microsoft stellt Preview seines Development Kit für Quantencomputing vor

    Mit der neuen, in Visual Studio integrierten Programmiersprache Q# will Microsoft Entwicklern die Programmierung von Quantencomputern vereinfachen. Die Preview des Quantum Development Kit steht ab sofort zur Verfügung.

  3. Im Test: Honda Civic 1.0 VTEC Turbo CVT

    Honda Civic 1.0 VTEC Turbo CVT

    Seit ein paar Monaten gibt es die zehnte Generation des Honda Civic auch hierzulande. Ein Test mit dem Basismodell zeigt, dass Honda der eigenwilligen Gestaltung der beiden Vorgänger weitgehend treu geblieben ist. Doch an mindestens einem Punkt muss nachgebessert werden

  4. Diversifikation: Aston Martin Project Neptune & Valkyrie

    Aston Martin designt ein U-Boot von Triton. Die technische Basis heißt 1650/3 LP und soll bis zu 500 Meter tief tauchen können. Inspiriert hat die Gestalter der Aston Martin Valkyrie, ein in seiner Gestaltung eigenwilliges Hypercar mit 1000 PS aus einem V12-Mittelmotor

Anzeige