Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

143

Ermittler vermuten Millionen-Betrug bei Lkw-Maut

Maut

Seit zwölf Jahren kassiert Toll Collect die Maut für Lastwagen auf den deutschen Autobahnen. Nun hat der Betreiber den Staatsanwalt im Haus. Die Opposition fordert Konsequenzen.

Mitarbeiter des Maut-Betreibers Toll Collect sollen den Staat um mehrere Millionen Euro betrogen haben. Ermittler durchsuchten am Mittwoch die Unternehmenszentrale in Berlin, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Die Behörden haben mehrere Manager im Verdacht, dem Bund für die Ausweitung der Lkw-Maut auf ausgewählte Bundesstraßen im Jahr 2012 überhöhte Kosten veranschlagt zu haben. In den Folgejahren habe der Bund deshalb zu viel Geld an Toll Collect überwiesen. Die Ermittler sprachen von mehreren Millionen Euro Schaden, die genaue Höhe werde noch ermittelt.

Anzeige

Wie die Behörden mitteilten, hatte ein früherer Mitarbeiter die Ermittler auf die Spur gebracht. Er habe Anzeige erstattet. Eine Toll-Collect-Sprecherin sagte: "Wir unterstützen die Behörden bei ihrer Arbeit." Nach einer Verfahrensunterlage, die der dpa vorliegt, beträgt der Schaden für den Bund bis zu drei Millionen Euro jährlich.

Hinter Toll Collect stehen als Mehrheitsgesellschafter der Autobauer Daimler und die Deutsche Telekom. Das Unternehmen kassiert seit 2005 im Auftrag des Bundes die Lkw-Maut in Deutschland. Das Bundesverkehrsministerium stellte den Ermittlern Unterlagen zur Verfügung, wie ein Sprecher mitteilte. "Die Ermittlungen gilt es abzuwarten." Über die Durchsuchung am Mittwoch sei das Ministerium nicht informiert gewesen.

Derzeit wird ein Betreiber für die Zeit von 2018 bis 2030 gesucht, auch Toll Collect bewirbt sich. Der Linken-Verkehrspolitiker Herbert Behrens forderte: "Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, muss der Bund Toll Collect sofort übernehmen und darf den Mautbetrieb nicht erneut an Private vergeben."

Der Grünen-Politiker Sven-Christian Kindler warf Verkehrsminister Alexander Dobrindt vor, mit Daimler und der Telekom zu klüngeln. "Toll Collect versucht den Bund, überall wo es geht, über den Tisch zu ziehen." Auch der SPD-Fraktionsvize Sören Bartol nahm in der Passauer Neuen Presse das Ministerium ins Visier: "Es braucht immer zwei: Einer, der betrügt und einer der sich betrügen lässt."

Das von Toll Collect aufgebaute System ist seit 2005 zuständig für die Erhebung der Lkw-Maut auf den Autobahnen und auf 2300 Kilometern Bundesstraße. 2016 nahm der Staat darüber 4,6 Milliarden Euro ein. Künftig soll auch auf dem kompletten, 39 000 Kilometer langen Netz der Bundesstraßen Lkw-Maut erhoben werden. Das soll weitere zwei Milliarden Euro pro Jahr einbringen. (dpa) / (axk)

143 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Verkehrsministerium schreibt LKW-Maut neu aus

    Autobahn, Lkw-Maut

    Wie geplant hat der Bund die Erweiterung und den Betrieb des Mautsystems europaweit ausgeschrieben. Der bisherige Betreiber Toll Collect, dessen Vertrag 2018 ausläuft, kann sich auch wieder bewerben.

  2. Jenoptik verdient mehr Geld – Auftragsbücher sind gefüllt

    Jenoptik verdient mehr Geld – Auftragsbücher sind gefüllt

    Mikro-Optiken für die Datenübertragung, aber auch umstrittene Lieferungen für Militärprojekte sorgen für gute Geschäfte beim Jenoptik-Konzern. Und das könnte in Zukunft so bleiben.

  3. Jenoptik steigert Umsatz um 6,6 Prozent

    Jenoptik steigert Umsatz um 6,6 Prozent

    Etwa 100 Tage ist der neue Jenoptik-Chef Stefan Traeger im Amt – und hat schon die zweite Zwischenbilanz präsentiert. Mit soliden Zahlen, auch dank der Nachfrage aus den USA.

  4. Elektromobilität: Oberleitungs-Lkw sollen testweise bei Lübeck und Frankfurt fahren

    Elektromobilität: Oberleitungs-Lkw sollen testweise bei Lübeck und Frankfurt fahren

    Anfang 2019 soll es mit Lkw an Oberleitungen losgehen, und zwar testweise in der Nähe von Lübeck und von Frankfurt am Main.

  1. Verdacht auf Betrug: Ermittlungen bei Toll Collect

    Mitarbeiter des Maut-Betreibers Toll Collect sollen den Staat um mehrere Millionen Euro betrogen haben. Ermittler durchsuchten am Mittwoch (10. Mai 2017) die Unternehmenszentrale in Berlin, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten

  2. Lkw-Maut auf Bundesstraßen: Länder sollen profitieren

    Von den Mehreinnahmen bei der geplanten Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen soll nicht nur der Bund profitieren. Da etwa acht Prozent des Netzes nicht in seiner Zuständigkeit liegen, sollen dortige Einnahmen nach Abzug von Systemkosten den jeweiligen Ländern ausgezahlt werden

  3. IBM und Conti wollen gemeinsam Toll Collect betreiben

    IBM und Conti wollen gemeinsam Toll Collect betreiben

    Continental will sich offenbar zusammen mit IBM um den Betrieb des Mautsystems Toll Collect bewerben. Beim Bundesverkehrsministerium wollten sich neben dem bisherigen Konsortium aus Deutscher Telekom, Daimler und der französischen Cofiroute auch IBM und Conti mit einem weiteren Partner bewerben

  1. Redesign: Google Maps soll übersichtlicher werden

    Redisgn: Google Maps soll übersichtlicher werden

    Eine überarbeitete und personalisierte Kartenansicht soll zusammen mit farblich abgegrenzten Kategorien für Orte für mehr Übersicht im Kartendienst Google Maps und in anderen Google-Apps sorgen

  2. Kommentar: Firefox ist wieder cool

    Kommentar: Firefox ist wieder cool

    Mit großem Tamtam hat Mozilla Firefox Quantum veröffentlicht. Ein längst überfälliges Update: Endlich kann es der Browser mit seinem ärgsten Rivalen aufnehmen. (Nicht nur) Chrome-Nutzer sollten einen Blick riskieren und Firefox eine (zweite) Chance geben.

  3. Amazon Cloud Cam enthält Lücke für smarten Einbruchdiebstahl

    Amazon

    Amazon Key öffnet Paketboten und anderen Dienstleistern die Tür zum privaten Smarthome per Cloud-Funktion. Leider lässt sich die zugehörige Überwachungskamera mit einem Trick überlisten.

  4. Quad9: Datenschutzfreundliche Alternative zum Google-DNS

    Quad9: Datenschutzfreundliche Alternative zum Google-DNS

    Wer Google nicht wesentliche Teile seines Surfverhaltens anvertrauen möchte, kann ab sofort auf einen alternativen DNS-Dienst ausweichen: 9.9.9.9 statt 8.8.8.8. Doch auch dort gibt es Besonderheiten.

Anzeige