Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.733.931 Produkten

261

Elektro-Start-ups haben große Pläne

Streetscooter der Deutschen Post

Der Chefentwickler des E.Go Life hat auch schon den Streetscooter für die Post entworfen.

Bild: dpa, Oliver Berg

Die Entwicklung eines neuen Autos ist teuer und langwierig. Deswegen hatten Newcomer in der Branche bislang schlechte Karten. Doch die Autoindustrie wandelt sich rasant. Neugründungen wollen die etablierten Hersteller herausfordern.

KFZ-Tarifvergleich Anzeige

Auf dem umkämpften Zukunftsmarkt der Elektroautos meldet sich ein neuer Wettbewerber mit ehrgeizigen Plänen: Am 27. Juli will das Münchner Start-up Sonomotors sein Solarzellenauto Sion offiziell vorstellen. Von August bis Oktober soll eine europaweite Tour mit 7000 Probefahrten in sieben Ländern beginnen, wie Unternehmensmitgründer Laurin Hahn der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Serienfertigung soll 2019 starten. Sonomotors hofft, bis 2027 eine sechsstellige Zahl von Fahrzeugen absetzen zu können.

Anzeige

Zuvor hatte bereits das Aachener Unternehmen E.Go Mobile seine Pläne publik gemacht, das noch schneller als Sonomotors sein will. Voraussichtlicher Produktionsstart sei Mai 2018, ab Juli 2018 könne dann ausgeliefert werden, sagte eine Sprecherin. Vorbestellbar sind die Fahrzeuge schon.

Beide Unternehmen wollen ihre Fahrzeuge billiger anbieten als andere Elektroautos: Der Sion soll in zwei Versionen mit 120 und 250 Kilometern Reichweite erhältlich sein, die Kosten sollen ohne Batterie 12 000 beziehungsweise 16 000 Euro betragen. Das Konkurrenzmodell E.Go Life soll einschließlich Batterie 16 000 Euro kosten und 130 Kilometer weit fahren. Außerdem soll es noch eine Version mit 170 Kilometern Reichweite geben. Chefentwickler ist der Aachener Professor Günther Schuh, der bereits den elektrischen Lieferwagen Streetscooter für die Post entworfen hat.

Der Münchner Sion soll sich auch durch eine andere Besonderheit von üblichen Elektroautos unterscheiden: Das Fahrzeug kann auch mit Solarzellen aufgeladen werden – zumindest so weit, dass eine Reichweite von 30 Kilometern am Tag möglich sein soll. Die Idee: Das Auto könnte sich beim Parken selbst laden, ohne an Ladesäule oder Steckdose angeschlossen werden zu müssen.

Eine volle Ladung per Solarzelle wäre allerdings ein langwieriger Prozess: "Das würde vier bis fünf Tage dauern", sagt Hahn. Deswegen ist auch herkömmliches Laden via Steckdose möglich; "die Batterie ist komplett schnellladefähig". Die Kunden sollen die Batterie wahlweise kaufen oder mieten können. Gebaut sind für die Probefahrten zwei Prototypen. Die Serienproduktion soll ein Auftragsfertiger übernehmen.

Sonomotors finanziert sich bislang ohne Bankkredite über Crowdfunding. "Bisher haben wir 1200 unverbindliche und 300 verbindliche Vorbestellungen", sagt Hahn. "Durch das Crowdfunding haben wir auch private Investoren gewinnen können." Wie das Auto aussehen wird, hält das Unternehmen streng geheim, die Prototypen sollen erst bei der offiziellen Vorstellung präsentiert werden.

Schuh und seine Mitstreiter in Aachen verfolgen einen anderen Weg: E.Go Mobile baut eine eigene Produktion auf – erst ab 2020 soll sich das "teilweise ändern", wie die Sprecherin sagt. Das Unternehmen finanziert sich zum Teil aus Eigenmitteln – die Gründer halten mehr als die Hälfte der Anteile – zum Teil mit Hilfe von Investoren, die bislang nicht genannt werden wollen.

In der Autobranche haben es Neueinsteiger wegen des sehr hohen Bedarfs an Kapital und Know-how traditionell schwer. Tesla-Gründer Elon Musk war bislang erfolgreich, ist jedoch sowohl Milliardär als auch Celebrity – zwei Voraussetzungen, die den deutschen E-Auto-Gründern fehlen.

Anzeige

"Vom Grundsatz her ist es einfacher, ein Elektroauto neu an den Start zu bringen als ein herkömmliches Fahrzeug", meint Automobilexperte Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger. "Die Technik ist einfacher und besonders bei Stadtfahrzeugen sind die Anforderungen weniger hoch. Dadurch ist die Entwicklung schneller."

Ausschlaggebend für Start-ups ist nach Bernharts Einschätzung ein anderer Punkt: "Oft unterschätzt werden aber die Vermarktung und das Vertriebssystem. Über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg entscheidet der Marktzugang." (dpa) / (jss)

261 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Elektroauto Sion: Münchner Startup Sono Motors zeigt Prototyp mit Solarmodulen

    Elektroauto Sion: Münchner Startup Sono Motors präsentiert Prototyp mit Solarmodulen

    Ein Elektroauto mit Solarzellen will ein Münchner Startup auf den Markt bringen. So soll die Sorge um die Reichweite gelindert werden.

  2. Auf leisen Sohlen in die Zukunft – Post gibt Gas mit Streetscooter

    Auf leisen Sohlen in die Zukunft – Post gibt Gas mit Streetscooter

    Die Post ist einer der größten Flottenbetreiber in Deutschland und damit ein großer Umweltverschmutzer. Deshalb treibt der Vorstand den Umbau auf E-Fahrzeuge massiv voran, CO2-frei soll die Logistik künftig werden.

  3. Elektroauto e.Go Life soll ab Frühjahr 2018 in Aachen gebaut werden

    Elektroauto e.Go Life soll ab Frühjahr 2018 in Aachen gebaut werden

    Das Elektroauto e.Go Life soll nächstes Jahr für 15.900 Euro zu haben sein, dann soll die Serienproduktion aufgenommen werden.

  4. Audi will Elektroauto mit Solarzellen bestücken

    Audi will Elektroauto mit Solarzellen bestücken

    Noch in diesem Jahr will Audi einen Prototyp eines Elektroautos fertig haben, das mit Solarzellen bestückt ist. Dadurch soll die Reichweite des Autos erhöht werden.

  1. Der neue Volks-Wagen

    Der neue Volks-Wagen

    Ein Aachener Professor plant, was kein Autokonzern schafft: ein billiges, sicheres Elektroauto made in Germany. Auf der CeBIT 2017, nicht auf einer Autoshow, präsentierte er es erstmals.

  2. e.Go Mobile AG der RWTH Aachen

    Elektroautos, alternative Antriebe

    Die Konkurrenz der elektrischen Kleinwagen ist sehr teuer. In diese Lücke stößt der e.Go Life. Was ihn glaubwürdig macht, ist die RWTH Aachen. Die hat mit dem Streetscooter bereits ein Fahrzeug entwickelt, dass jetzt produziert wird. Warum soll das nicht auch beim e.Go Life funktionieren?

  3. Meinung: Jetzt Autofirma werden

    Meinung: Jetzt Autofirma werden

    Die etablierten Autohersteller haben die Zeitenwende sehr wohl verstanden. Deshalb sind sie auch so nervös. Denn für Elektroautos braucht man sie nicht mehr.

  1. Vorstellung: Ford Ka+ Facelift

    Ford Ka+

    Nach nur anderthalb Jahren wird der pragmatische Ford Ka+ überarbeitet, bleibt sich im Kern aber treu. Abgesehen von etwas Detailarbeit bringt das Facelift vor allem Neuerungen bei Infotainment und Motoren, wobei Ford sich an einem Punkt viel Zeit lässt - wie die Konkurrenz

  2. Vorstellung: Ford Focus

    Ford Focus

    Ford stellt in London den vierten Focus vor. Der tritt ein schweres Erbe an, war der Vorgänger doch über Jahre das meistproduzierte Auto der Welt. Der Neue hat jedoch gute Chancen, daran anzuknüpfen, denn Ford hat alte Schwächen beseitigt

  3. Infotainment im Test: Mercedes MBUX

    Mercedes

    Autohersteller geizen mit Rechenleistung, davon konnte man bisher von wenigen Ausnahmen abgesehen immer getrost ausgehen. Doch mit dem Infotainment-System in A-Klasse und Sprinter gibt Mercedes jetzt richtig Gas in Sachen Rechenleistung, Entwicklungszeit und Software-Vertrieb

  4. Ausprobiert: Porsche Classic Radio-Navigationssystem

    Porsche, Infotainment

    2010: Porsches erster Versuch einer Infotainment-Einheit für alte Porsches war gut, aber den Kunden nicht gut genug. 2015: Ein neues System soll da abhelfen. Wir fahren bei Porsche vor und probieren kurz aus

Anzeige