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Elektro-Start-ups haben große Pläne

Streetscooter der Deutschen Post

Der Chefentwickler des E.Go Life hat auch schon den Streetscooter für die Post entworfen.

Bild: dpa, Oliver Berg

Die Entwicklung eines neuen Autos ist teuer und langwierig. Deswegen hatten Newcomer in der Branche bislang schlechte Karten. Doch die Autoindustrie wandelt sich rasant. Neugründungen wollen die etablierten Hersteller herausfordern.

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Auf dem umkämpften Zukunftsmarkt der Elektroautos meldet sich ein neuer Wettbewerber mit ehrgeizigen Plänen: Am 27. Juli will das Münchner Start-up Sonomotors sein Solarzellenauto Sion offiziell vorstellen. Von August bis Oktober soll eine europaweite Tour mit 7000 Probefahrten in sieben Ländern beginnen, wie Unternehmensmitgründer Laurin Hahn der Deutschen Presse-Agentur sagte. Die Serienfertigung soll 2019 starten. Sonomotors hofft, bis 2027 eine sechsstellige Zahl von Fahrzeugen absetzen zu können.

Zuvor hatte bereits das Aachener Unternehmen E.Go Mobile seine Pläne publik gemacht, das noch schneller als Sonomotors sein will. Voraussichtlicher Produktionsstart sei Mai 2018, ab Juli 2018 könne dann ausgeliefert werden, sagte eine Sprecherin. Vorbestellbar sind die Fahrzeuge schon.

Beide Unternehmen wollen ihre Fahrzeuge billiger anbieten als andere Elektroautos: Der Sion soll in zwei Versionen mit 120 und 250 Kilometern Reichweite erhältlich sein, die Kosten sollen ohne Batterie 12 000 beziehungsweise 16 000 Euro betragen. Das Konkurrenzmodell E.Go Life soll einschließlich Batterie 16 000 Euro kosten und 130 Kilometer weit fahren. Außerdem soll es noch eine Version mit 170 Kilometern Reichweite geben. Chefentwickler ist der Aachener Professor Günther Schuh, der bereits den elektrischen Lieferwagen Streetscooter für die Post entworfen hat.

Elektroauto mit Solarzellen

Der Münchner Sion soll sich auch durch eine andere Besonderheit von üblichen Elektroautos unterscheiden: Das Fahrzeug kann auch mit Solarzellen aufgeladen werden – zumindest so weit, dass eine Reichweite von 30 Kilometern am Tag möglich sein soll. Die Idee: Das Auto könnte sich beim Parken selbst laden, ohne an Ladesäule oder Steckdose angeschlossen werden zu müssen.

Eine volle Ladung per Solarzelle wäre allerdings ein langwieriger Prozess: "Das würde vier bis fünf Tage dauern", sagt Hahn. Deswegen ist auch herkömmliches Laden via Steckdose möglich; "die Batterie ist komplett schnellladefähig". Die Kunden sollen die Batterie wahlweise kaufen oder mieten können. Gebaut sind für die Probefahrten zwei Prototypen. Die Serienproduktion soll ein Auftragsfertiger übernehmen.

"Vermarktung und Vertrieb entscheiden über Erfolg oder Misserfolg"

Sonomotors finanziert sich bislang ohne Bankkredite über Crowdfunding. "Bisher haben wir 1200 unverbindliche und 300 verbindliche Vorbestellungen", sagt Hahn. "Durch das Crowdfunding haben wir auch private Investoren gewinnen können." Wie das Auto aussehen wird, hält das Unternehmen streng geheim, die Prototypen sollen erst bei der offiziellen Vorstellung präsentiert werden.

Schuh und seine Mitstreiter in Aachen verfolgen einen anderen Weg: E.Go Mobile baut eine eigene Produktion auf – erst ab 2020 soll sich das "teilweise ändern", wie die Sprecherin sagt. Das Unternehmen finanziert sich zum Teil aus Eigenmitteln – die Gründer halten mehr als die Hälfte der Anteile – zum Teil mit Hilfe von Investoren, die bislang nicht genannt werden wollen.

Elektroauto einfacher als herkömmliche Fahrzeuge

In der Autobranche haben es Neueinsteiger wegen des sehr hohen Bedarfs an Kapital und Know-how traditionell schwer. Tesla-Gründer Elon Musk war bislang erfolgreich, ist jedoch sowohl Milliardär als auch Celebrity – zwei Voraussetzungen, die den deutschen E-Auto-Gründern fehlen.

"Vom Grundsatz her ist es einfacher, ein Elektroauto neu an den Start zu bringen als ein herkömmliches Fahrzeug", meint Automobilexperte Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger. "Die Technik ist einfacher und besonders bei Stadtfahrzeugen sind die Anforderungen weniger hoch. Dadurch ist die Entwicklung schneller."

Ausschlaggebend für Start-ups ist nach Bernharts Einschätzung ein anderer Punkt: "Oft unterschätzt werden aber die Vermarktung und das Vertriebssystem. Über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg entscheidet der Marktzugang." (dpa) / (jss)

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