Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Peter Zschunke/dpa, Julia Schmidt 11

Digitalisierung: Museen sind bereit zu teilen

Digitalisierung: Museen sind bereit zu teilen

Bild: Städel Museum

Die Digitalisierung musealer Bestände ermöglicht den weltweiten Zugang zu großen Werken und schützt sie vor der Auslöschung wie beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Finanzierung und rechtliche Fragen stellen die Betreiber jedoch vor neue Aufgaben.

Unter dem Motto "Bereit zu teilen?" diskutierten Experten bei einem vom Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften ausgerichteten Fachgespräch die Möglichkeit des virtuellen Teilens von Kulturgütern und die Strukturen, die ihnen dabei im Weg stehen. Einigkeit bestand bei den Beteiligten darüber, dass Kunstwerke und historische Dokumente umfassend im Netz verfügbar sein sollen. Dafür spräche schon der Schutz vor Zerstörung. So wies es die Vizepräsidentin der Uni Mainz, Mechthild Dreyer, darauf hin, dass viele Schätze des 2009 eingestürzten Stadtarchivs Köln unwiederbringlich verloren sind: "Wir hätten sie noch, wenn sie rechtzeitig digitalisiert worden wären". Das digitalisierte Kulturerbe sei auch die Grundlage für Neuschöpfungen, sagt die Geschäftsführerin der Deutschen Digitalen Bibliothek, Ellen Euler.

Anzeige

Angst vor einem Besucherrückgang bestünde bei der digitalen Bereitstellung nicht: "So interessant und nützlich die digitalen Angebote auch sind, so faszinierend ist doch das Original", sagte Chantal Eschenfelder vom Städel-Museum in Frankfurt am Main. Das Museum beschäftigt sich seit seinem 200-jährigen Bestehen 2015 verstärkt mit digitalen Möglichkeiten zur Kunstvermittlung und bietet online etwa eine digitale Sammlung sowie eine App für die VR-Brille Gear VR, für Rundgänge im historischen Städel. In Frankfurt könne man keinen Besucherrückgang feststellen, sondern eher einen Zuwachs des Interesses. Und wenn das Museum Zuschriften etwa aus Kiew erhalte, mache dies deutlich, dass das Museum jetzt Menschen anspreche, die mit dem analogem Vor-Ort-Programm sonst kaum erreicht worden wären.

Google/Deutsches Schifffahrtsmuseum
Wem Bremerhaven zu weit weg ist, kann per Street View das Schifffahrtsmuseum Bremerhaven durchstreifen. (Bild:  Google/Deutsches Schifffahrtsmuseum )

Dieses Ziel verfolgt auch das Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven, das in Zusammenarbeit mit Google das ganze Museum digitalisierte. So können es Interessierte auch via StreetView besuchen und sich zudem in virtuellen Ausstellungen informieren. Ursula Warnke, Museumsdirektorin des Schifffahrtsmuseums, sieht die Museen allerdings auch in der Pflicht, Strategien zu entwickeln, um den Anforderungen zu entsprechen, die eigene Forschung sichtbarer zu machen und dabei den Forderungen nach frei verfügbaren Daten und freiem Zugang zu Forschungsergebnissen gerecht zu werden.

Dabei gebe es allerdings noch etliche Hürden, kritisiert der Direktor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, Alfried Wieczorek. Es fehle an finanziellen Mitteln, um die Digitalisierung voranzutreiben und
auch eine "anständige rechtliche Grundlage" dafür. Zumindest für die kommerzielle Nutzung sollten Museen für die Werke in ihrem eigenen Bestand weiterhin Rechte beanspruchen. Die Entwicklung dürfe nicht von Großunternehmen bestimmt werden. "Das Museum arbeitet für die Gesellschaft und nicht für eine Gesellschaft wie Google." (Peter Zschunke/dpa, Julia Schmidt) / (jul)

11 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Smartify-App: Shazam für bildende Kunst

    Smartify-App: Shazam für bildende Kunst

    Die App "Smartify" soll Gemälde erkennen, liefert Zusatz-Informationen dazu und sammelt sie in einer persönlichen digitalen Kunstgalerie.

  2. Metropolitan Museum of Art stellt 375.000 digitalisierte Kunstwerke unter Public Domain

    Metropolitan Museum of Art stellt 375.000 digitalisierte Kunstwerke unter Public Domain

    Tausende Bilder des New Yorker Museums sind nun frei verfügbar. Außerdem kooperiert es mit Wikimedia.

  3. Bücher aus dem Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek sind online

    Lutherbibel-Deckblatt auf Flachbildschirm

    Google hat alle historischen Bücher aus dem Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek eingescannt. Nun können die rund 200.000 Bände, gemeinsam mit 220.000 weiteren historischen Büchern, online gelesen und heruntergeladen werden.

  4. Wikimedia will Streit über Gemälde-Fotos vor den BGH bringen

    Richterhammer

    Die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim wollen nicht hinnehmen, dass Bilder von ihren Exponaten ungefragt online gestellt werden, auch wenn das für das freie Wissensprojekt Wikipedia geschieht. Der Streit wird demnächst vor dem Bundesgerichtshof landen.

  1. c't uplink 14.0: Note-7-Debakel, Motorola Moto Z und Playstation VR

    c't uplink 14.0: Note-7-Debakel, Motorola Moto Z und Playstation VR

    In der jüngsten Folge unseres Podcasts aus Nerdistan besprechen wir die nicht so offensichtlichen Folgen des Desasters um das Note 7. Außerdem gucken wir uns zwei neue Smartphones von Motorola an und vergleichen die Playstation VR mit ihrer Konkurrenz.

  2. c't uplink 11.3: WhatsApp-Verschlüsselung, Heim-Server, Virtual Reality

    c't uplink 11.3: WhatsApp-Verschlüsselung, Heim-Server, Virtual Reality

    In der jüngsten Folge unseres Podcasts aus Nerdistan gucken wir uns die Verschlüsselung von WhatsApp an. Außerdem sprechen wir über praktische Server für Zuhause und die neuen Virtual-Reality-Brillen.

  3. Doch keine Rundfunklizenzpflicht für Livestreamer?

    Die FDP hat das Land Nordrhein-Westfalen im Koalitionsvertrag dazu verpflichtet, sich für eine Änderung einzusetzen

  1. Kryptowährung: Apple lässt gefälschte Wallet-App in App Store

    Kryptowährung: Apple lässt gefälschte Wallet-App in App Store

    Im Hype um Kryptowährungen hat die für über 5 Euro gehandelte iPhone-App “MyEtherWallet” offenbar zahlreiche Kunden gefunden – allerdings steckt dahinter nicht der tatsächliche Anbieter der gleichnamigen Ethereum-Wallet.

  2. Android 8.1 zeigt Geschwindigkeit öffentlicher Netzwerke an

    Android 8.1 zeigt Geschwindigkeit öffentlicher Netzwerke an

    Android zeigt ab Version 8.1 nicht mehr nur die Signalstärke WLANs an, sondern auch die erwartete Surfgeschwindigkeit in vier Stufen. Die Neuerung funktioniert nur bei öffentlichen Netzwerken.

  3. Trump und die Forschung: Medizin-Nobelpreisträger kritisiert US-Regierung

    Trump und die Forschung: Medizin-Nobelpreisträger kritisiert US-Regierung

    Der Nobelpreisträger Michael Rosbash nutzte seine Dankesrede auf dem Nobelbankett in Stockholm dazu, vor Beschränkungen der Wissenschaft zu warnen. Dabei kritisierte er indirekt US-Präsident Donald Trump.

  4. Mercedes-Maybach 6 Cabriolet

    Mercedes-Maybach 6 Cabriolet

    Die Leistungsschau der Marke Mercedes-Maybach war auf dem Pebble Beach Concours D’Élégance in Monterey zu sehen. Das Mercedes-Maybach 6 Cabriolet zeigt, was passiert, wenn die Schwaben all das, was sie können, auch wirklich sollen

Anzeige