Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

55

Digitalgipfel will Vernetzung von Patientendaten vorantreiben

Digitalgipfel will Vernetzung von Patientendaten vorantreiben

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) beim Digitalgipfel.

Bild: BMWi/Maurice Weiss

Röntgenbilder, Laborbefunde und Co. – all diese Patientendaten sollten künftig zentral verfügbar sein, sind sich Manager und Politiker beim Digitalgipfel sicher.

Die Vernetzung und Zentralisierung von Patientendaten steht im Mittelpunkt des zweitägigen Digitalgipfels, zu dem Manager und Spitzenpolitiker am Montag und Dienstag in Ludwigshafen zusammenkommen. Die rund 1000 Teilnehmer befassen sich unter anderem mit Modellen, wie die bislang verstreut beim Arzt oder in Kliniken gespeicherten Daten zentralisiert und für effizientere Therapien genutzt werden können. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt allerdings vor einem automatisierten Zugriff für Krankenkassen und Unternehmen.

Anzeige

"Wir sind jetzt dabei, Krankenhäuser, Arztpraxen und die 70 Millionen gesetzlich Versicherten über ein sicheres Netz miteinander zu verbinden", sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) der Rhein-Neckar-Zeitung. Letzte Sicherheitstests seien erfolgreich abgeschlossen, so dass die erforderliche Technik bis Ende kommenden Jahres flächendeckend in allen Kliniken und Praxen verfügbar sein werde.

Röntgenbilder, Laborberichte, Daten zu Untersuchungen, Impfungen oder Medikamenten sollten nicht länger in einzelnen Praxen, Kliniken oder Rehazentren liegen, sondern für Patienten zentral verfügbar sein, empfahl Microsoft Deutschland. Um den Anforderungen etwa in der Telemedizin gerecht zu werden, komme es auf reaktionsschnelle Netzverbindungen an, betonte der schwedische Netztechnikanbieter Ericsson und nannte dabei die Mobilfunktechnik 5G, bei der Experten aber nicht vor 2020 Marktreife erwarten.

Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (HPI) stellte auf dem Digitalgipfel einen "radikal patienten- oder bürgerorientierten Ansatz" vor. "Dabei bieten wir den Patienten die Möglichkeit, ihre Daten in einer Gesundheits-Cloud abzulegen, die wir entwickeln", sagte HPI-Direktor Christoph Meinel der Deutschen Presse-Agentur. Die Patienten können dann entscheiden, welcher Art von Datennutzung auf Seiten von Ärzten, Krankenhäusern oder Unternehmen sie zustimmen.

"Wenn wir von den Chancen reden, sollten wir die Risiken für die Patienten nicht vergessen", mahnte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. "Patientendaten sind hochsensibel und hochpersönlich", sagte Brysch der dpa. Bei der Speicherung von Daten gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, schließlich sei noch nicht einmal das Computernetz des Bundestags vor Angriffen gefeit. Unternehmen dürften keinen Zugriff auf Daten erhalten, um etwa ihre Marketing-Strategien zu verbessern.

Mehrere Teilnehmer des bisher als IT-Gipfel bekannten Forums wiesen darauf hin, dass Deutschland bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich im Rückstand sei. In der Verwaltung und in der Bildung sei dies besonders eklatant, sagte die Geschäftsführerin der Initiative D21, Lena-Sophie Müller, der dpa. "Die eingeleiteten Aktivitäten im Bildungswesen reichen nicht aus, um da wirklich voranzukommen."

Im Beisein von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) und der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) wurde im pfälzischen Grünstadt eine "Schul-Cloud" gestartet. Hierfür hat das HPI die technische Infrastruktur aufgebaut, um in einer ersten Stufe 26 Schulen in 13 Bundesländern miteinander zu vernetzen. Dem Auftakt am Leininger-Gymnasium im pfälzischen Grünstadt müsse eine flächendeckende Umsetzung mit einem professionellen Partner folgen, der dann auf den Erkenntnissen des Pilotprojekts aufbauen könne, sagte Meinel. (Mit Material der dpa) / (axk)

55 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Wirtschaftsministerin will Digitalisierung im Gesundheitswesen anschieben

    Wirtschaftsministerin will Digitalisierung im Gesundheitswesen anschieben

    Für Brigitte Zypries ist das Gesundheitswesen noch nicht ausreichend digitalisiert. Das will sie ändern, auch damit Start-ups in diesem Bereich einen besseren Zugang bekommen.

  2. Nach WannaCry: Deutscher Ärztetag warnt vor Risiken in einem totalvernetzten Gesundheitswesen

    Nach WannaCry: Deutscher Ärztetag warnt vor Risiken einem totalvernetzten Gesundheitswesen

    Patientendaten zentral in der Cloud zu speichern ist zu riskant, meint der Deutsche Ärztetag. Besser sei eine "moderne und dezentrale Punkt-zu-Punkt-Kommunikation im Gesundheitswesen unter höchsten Datenschutzkriterien".

  3. Digitalgipfel: Mit eHealth und Big Data kommt die Präzisionsmedizin

    Stethoskop

    Gleich zwei große Panels und etliche Exponate des Digitalgipfels 2017 beschäftigten sich mit eHealth und den Folgen der Digitalisierung der Medizin. Beim letzten Panel zeigte sich die dunkle Seite von Big Data.

  4. Kompetenztest per Computer für zugewanderte Kinder an mehr Schulen

    Computer in Schule

    Ein Kompetenzcheck mit Computerhilfe für Kinder mit wenig Deutschkenntnissen wurde an fünf Schulen in Rheinland-Pfalz getestet. Nun sind 34 Schulen dazugekommen. Man habe sehr gute Erfahrungen mit dem Programm gemacht, so das Bildungsministerium in Mainz.

  1. "Digital Health Pioneers" sind ausgewählt

    "Digital Health Pioneers" sind ausgewählt

    Technology Review gibt die Finalisten des Wettbewerbs "Digital Health Pioneers" bekannt.

  2. Datenschatz für Krebsforscher

    Datenschatz für Krebsforscher

    Lange haben Krebsforscher darauf gewartet: Die Angaben von über 1,2 Millionen Erkrankten aus den USA gebündelt in nur einer einzigen Datenbank. Sie soll zeigen, wie Ärzte die Krebskranken optimal behandeln können und wie es um die Qualität der Versorgung steht.

  3. Blockchains für die Gesundheit

    Blockchains für die Gesundheit

    Medizinische Daten werden zunehmend digital gespeichert, dies allerdings in verschiedenen inkompatiblen Systemen. Blockchain-Technologie soll jetzt den Zugriff darauf vereinheitlichen.

  1. Kryptowährung: Apple lässt gefälschte Wallet-App in App Store

    Kryptowährung: Apple lässt gefälschte Wallet-App in App Store

    Im Hype um Kryptowährungen hat die für über 5 Euro gehandelte iPhone-App “MyEtherWallet” offenbar zahlreiche Kunden gefunden – allerdings steckt dahinter nicht der tatsächliche Anbieter der gleichnamigen Ethereum-Wallet.

  2. Android 8.1 zeigt Geschwindigkeit öffentlicher Netzwerke an

    Android 8.1 zeigt Geschwindigkeit öffentlicher Netzwerke an

    Android zeigt ab Version 8.1 nicht mehr nur die Signalstärke WLANs an, sondern auch die erwartete Surfgeschwindigkeit in vier Stufen. Die Neuerung funktioniert nur bei öffentlichen Netzwerken.

  3. Trump und die Forschung: Medizin-Nobelpreisträger kritisiert US-Regierung

    Trump und die Forschung: Medizin-Nobelpreisträger kritisiert US-Regierung

    Der Nobelpreisträger Michael Rosbash nutzte seine Dankesrede auf dem Nobelbankett in Stockholm dazu, vor Beschränkungen der Wissenschaft zu warnen. Dabei kritisierte er indirekt US-Präsident Donald Trump.

  4. Mercedes-Maybach 6 Cabriolet

    Mercedes-Maybach 6 Cabriolet

    Die Leistungsschau der Marke Mercedes-Maybach war auf dem Pebble Beach Concours D’Élégance in Monterey zu sehen. Das Mercedes-Maybach 6 Cabriolet zeigt, was passiert, wenn die Schwaben all das, was sie können, auch wirklich sollen

Anzeige