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Digitalgipfel will Vernetzung von Patientendaten vorantreiben

Digitalgipfel will Vernetzung von Patientendaten vorantreiben

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) beim Digitalgipfel.

Bild: BMWi/Maurice Weiss

Röntgenbilder, Laborbefunde und Co. – all diese Patientendaten sollten künftig zentral verfügbar sein, sind sich Manager und Politiker beim Digitalgipfel sicher.

Die Vernetzung und Zentralisierung von Patientendaten steht im Mittelpunkt des zweitägigen Digitalgipfels, zu dem Manager und Spitzenpolitiker am Montag und Dienstag in Ludwigshafen zusammenkommen. Die rund 1000 Teilnehmer befassen sich unter anderem mit Modellen, wie die bislang verstreut beim Arzt oder in Kliniken gespeicherten Daten zentralisiert und für effizientere Therapien genutzt werden können. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt allerdings vor einem automatisierten Zugriff für Krankenkassen und Unternehmen.

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"Wir sind jetzt dabei, Krankenhäuser, Arztpraxen und die 70 Millionen gesetzlich Versicherten über ein sicheres Netz miteinander zu verbinden", sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) der Rhein-Neckar-Zeitung. Letzte Sicherheitstests seien erfolgreich abgeschlossen, so dass die erforderliche Technik bis Ende kommenden Jahres flächendeckend in allen Kliniken und Praxen verfügbar sein werde.

Röntgenbilder, Laborberichte, Daten zu Untersuchungen, Impfungen oder Medikamenten sollten nicht länger in einzelnen Praxen, Kliniken oder Rehazentren liegen, sondern für Patienten zentral verfügbar sein, empfahl Microsoft Deutschland. Um den Anforderungen etwa in der Telemedizin gerecht zu werden, komme es auf reaktionsschnelle Netzverbindungen an, betonte der schwedische Netztechnikanbieter Ericsson und nannte dabei die Mobilfunktechnik 5G, bei der Experten aber nicht vor 2020 Marktreife erwarten.

Das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (HPI) stellte auf dem Digitalgipfel einen "radikal patienten- oder bürgerorientierten Ansatz" vor. "Dabei bieten wir den Patienten die Möglichkeit, ihre Daten in einer Gesundheits-Cloud abzulegen, die wir entwickeln", sagte HPI-Direktor Christoph Meinel der Deutschen Presse-Agentur. Die Patienten können dann entscheiden, welcher Art von Datennutzung auf Seiten von Ärzten, Krankenhäusern oder Unternehmen sie zustimmen.

"Wenn wir von den Chancen reden, sollten wir die Risiken für die Patienten nicht vergessen", mahnte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. "Patientendaten sind hochsensibel und hochpersönlich", sagte Brysch der dpa. Bei der Speicherung von Daten gebe es keine hundertprozentige Sicherheit, schließlich sei noch nicht einmal das Computernetz des Bundestags vor Angriffen gefeit. Unternehmen dürften keinen Zugriff auf Daten erhalten, um etwa ihre Marketing-Strategien zu verbessern.

Mehrere Teilnehmer des bisher als IT-Gipfel bekannten Forums wiesen darauf hin, dass Deutschland bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich im Rückstand sei. In der Verwaltung und in der Bildung sei dies besonders eklatant, sagte die Geschäftsführerin der Initiative D21, Lena-Sophie Müller, der dpa. "Die eingeleiteten Aktivitäten im Bildungswesen reichen nicht aus, um da wirklich voranzukommen."

Im Beisein von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) und der rheinland-pfälzischen Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) wurde im pfälzischen Grünstadt eine "Schul-Cloud" gestartet. Hierfür hat das HPI die technische Infrastruktur aufgebaut, um in einer ersten Stufe 26 Schulen in 13 Bundesländern miteinander zu vernetzen. Dem Auftakt am Leininger-Gymnasium im pfälzischen Grünstadt müsse eine flächendeckende Umsetzung mit einem professionellen Partner folgen, der dann auf den Erkenntnissen des Pilotprojekts aufbauen könne, sagte Meinel. (Mit Material der dpa) / (axk)

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