Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Alexander Neumann 526

Deutlich höhere Kosten für Noteingriffe ins Stromnetz

Deutlich höhere Kosten für Noteingriffe ins Stromnetz

Bild: Amprion

Weil die ungleiche regionale Windverteilung die Stromnetze über die Maßen beansprucht, sorgen Netzbetreiber wie Tennet beziehungsweise deren Manager für reichlich Druck, damit es zum zügigen Netzausbau kommt.

Strom-Tarifvergleich Anzeige

Der Stromnetzbetreiber Tennet musste in den ersten vier Monaten des Jahres deutlich mehr Noteingriffe zur Stabilisierung des Stromflusses in Deutschland vornehmen als ein Jahr zuvor. Die Kosten seien zu Jahresbeginn auch wegen des windreichen Januars um mindestens 50 Prozent gestiegen, so Tennet-Deutschland-Chef Urban Keussen. "Die Anspannung im Netz ist hoch, und sie wird mit der Abschaltung weiterer Kernkraftwerke noch zunehmen", betonte Keussen.

Steigender Strompreis

Bereits 2015 lagen die Kosten für die Netzeingriffe bei rund einer Milliarde Euro bundesweit. Davon entfielen etwa 700 Millionen Euro auf das Tennet-Netzgebiet, das in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis zum Süden Bayerns reicht. Im windschwachen Jahr 2016 sank der Aufwand bei Tennet nur leicht auf 660 Millionen Euro. Jetzt steigt er wieder deutlich. Nach Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 könnten die Eingriffskosten laut Bundesnetzagentur bundesweit auf bis zu vier Milliarden Euro im Jahr anwachsen. Das bezahlt der Verbraucher über den Strompreis.

Solange Leitungen fehlen, um Windstrom von Norden nach Süden zu bringen, müssen vor allem im Herbst und Winter immer wieder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet werden, wobei gleichzeitig im Süden Deutschlands oder in Österreich konventionelle Reservekraftwerke hochgefahren werden. Auch der Netzbetreiber Amprion hatte Anfang Juni deutlich gestiegene Eingriffskosten gemeldet.

Wildwest und Gepoker unerwünscht

Umso wichtiger sei es, die geplanten Nord-Süd-Stromautobahnen ohne Verzögerungen fertigzustellen, sagte Keussen. Deshalb dürfe es kein "Wildwest" und Gepoker um Abfindungen für Anlieger geben. Die Entschädigungen der Grundstückseigentümer orientierten sich an einheitlichen Richtlinien, die mit den zuständigen Verbänden ausgehandelt würden, sagte er. Wie in Deutschland bisher üblich sollen Entschädigungen nur einmalig gezahlt werden, betonte Lex Hartman, Keussens Kollege in der Tennet-Geschäftsführung.

Bauernvertreter vor allem aus dem bayerischen Bauernverband hatten wiederkehrende Entschädigungszahlungen in Form einer "Trassen-Maut" gefordert. Sie befürchten eine Erwärmung und Austrocknung des Bodens durch künftige Erdkabel und verweisen auf die Kommunen, die sich die Durchquerung ihrer Gebiete schließlich auch mit Konzessionsabgaben bezahlen ließen. Hartmann hält dem entgegen, dass wiederkehrende Zahlungen die Debatten um die Leitungen immer wieder neu entflammen würden und zusätzliche Lasten für die Stromkunden brächten. Entschädigungen müssten fair für alle sein, die Grundstückseigentümer wie die Stromverbraucher.

Schlagader der Energiewende

Tennet baut zusammen mit dem Netzbetreiber TransnetBW die "Schlagader der Energiewende", die Stromverbindung Südlink für den Transport von Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Nach jetzigem Planungsstand soll sie 2025 fertig werden, falls Klagen den Bau nicht aufhalten. Das Genehmigungsverfahren für die rund einen Kilometer breiten Trassenkorridore soll bis etwa Ende 2018 laufen.

Siehe dazu auf der Website der Technology Review:

(dpa) / (ane)

526 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Stromnetzausbau: weiter Rückstand bei Autobahnen

    Stromnetzausbau: weiter Rückstand bei Autobahnen

    Jahrelang ging es beim Stromnetzausbau kaum voran. Jetzt nimmt der Ausbau langsam Fahrt auf. Die Bundesnetzagentur hofft, mit Erdkabeln langwierige juristische Streitigkeiten zu vermeiden.

  2. Erneuerbare-Energien-Gesetz: Schwarz-rote Ökostromreform steht

    Erneuerbare-Energien-Gesetz: Schwarz-rote Ökostromreform steht

    In der Energiewende wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Bund und Länder nehmen Tempo raus, Ökostromanbieter müssen stärker miteinander um Fördergelder konkurrieren. Eine rasche Entlastung der Stromkunden ist aber nicht in Sicht.

  3. Energiewende setzt Stromnetz massiv unter Druck – immer mehr teure Eingriffe

    Stromtrasse, Hochspannungsmast, Strommast

    Deutschlands Stromnetz kann mit dem Ausbautempo der Erneuerbaren Energie nicht mithalten. Immer häufiger müssen die Netzmanager wild jonglieren, weil Leitungen fehlen oder zu viel Strom ins System drängt. Die teuren Netzeingriffe zahlt der Stromkunde.

  4. Strom aus Offshore-Windkraftwerken kommt billiger ans Netz

    Strom aus Offshore-Windkraftwerken kommt billiger ans Netz

    Die Windkraftanlagen auf See werden bereits deutlich günstiger und brauchen bald keine öffentlichen Subventionen mehr. Diese Entwicklung setzt nun auch bei den Konverterstationen ein, die den Strom an Land transportieren.

  1. Erneuerbare: Die Zukunft der Dezentralisierung

    Unterschiedliche Tendenzen prägen derzeit den Ausbau der Erneuerbaren. Mieterstrom-Modelle könnten Netze entlasten und wieder für mehr Dezentralisierung sorgen

  2. Massive Propaganda sorgt für Nein zur Schweizer Atomausstiegs-Initiative

    54,2% der Schweizer stimmen dagegen, die Laufzeit auf 45 Jahre zu begrenzen und zum Teil uralte Meiler ab 2029 komplett abzuschalten

  3. Stabil mit Blockchain

    Stabil mit Blockchain

    Ein schnell wachsendes Unternehmen aus Bayern will sich an die technische Spitze der Energiewende setzen: Mit einem dezentralen System aus vielen tausend Pufferbatterien auf Blockchain-Basis.

  1. Umfrage: Anwender sollen Standard-Anwendungen in Ubuntu 18.04 wählen

    Anwender sollen Standard-Anwendungen in Ubuntu 18.04 bestimmen

    Canonical will wissen, welche Anwendungen die Ubuntu-Nutzer bevorzugen. In einer offenen Umfrage können Anwender in insgesamt 14 Kategorien wählen, welche Applikationen in Ubuntu 18.04 LTS als Standard mitgeliefert werden sollen.

  2. Fairphone verkündet Support-Aus für das Fairphone 1

    Fairphone

    Benutzer des Fairphone 1 werden von Herstellerseite nicht mehr mit Ersatzteilen versorgt. Hauptgrund ist die zu teure Produktion, eine temporäre Zwischenlösung soll der Community-Marktplatz bieten. Auch Software-Updates wird es nicht mehr geben.

  3. Macron: Der "Mutant" tritt in die Konfliktzone

    Die Umfragewerte sinken und in der Libyen-Politik steuert der französische Präsident einen Konfrontationskurs mit Italien an

  4. Pirelli-Kalender 2018: Erste Bilder vom Making-of

    Pirelli-Kalender 2018:

    Naomi Campbell, Whoopi Goldberg und Sean “Diddy” Combs: Für den Pirelli-Kalender 2018 setzt der italienische Reifenhersteller neben hauptberuflichen Models auch auf Schauspiel- und Musiker-Größen. Hinter der Kamera steht diesmal Fotograf Tim Walker.

Anzeige