Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Stefan Krempl 104

Cyberschläge: Bundesregierung prüft "Hack-Back-Strategie" mit "digitalem Rettungsschuss"

Cyberschläge: Bundesregierung prüft "Hack-Back-Strategie" mit "digitalem Rettungsschuss"

Bundesinnenministerium in Berlin

Bild: bmi.bund.de / Stefan Müller

Eine wehrhafte Demokratie müsse sich vergewissern, dass Cyberangriffe aus dem Ausland gegebenenfalls mit vergleichbaren Mitteln beantwortet werden können, heißt es aus dem Bundesinnenministerium.

Die Bundesregierung erwägt, staatliche Hacker bei Cyberattacken auf eigene Server zurückschlagen zu lassen. "Erforderlich sind nationale und internationale Regeln, die neben Schutz und Abwehr die Rückverfolgung eines Angriffs aus dem Ausland und gegebenenfalls das Unschädlichmachen eines Servers im Ausland ermöglichen", erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums gegenüber heise online. Es sei wichtig, "dass sich ein demokratischer Staat als wehrhafte Demokratie vergewissert", dass derartige Attacken übers Internet "gegebenenfalls auch mit Wirkung auf Server im Ausland unterbleiben".

Das Innenministerium und andere Regierungsstellen prüfen nach Angaben des Sprechers gerade, ob eine solche "Hack-Back-Strategie" tatsächlich nötig ist, auf welcher Rechtsgrundlage sie aufgezogen werden könnte und welche technischen Fähigkeiten dafür erforderlich sind. Wichtige Entscheidungen dazu sollen nach der kommenden Bundestagswahl getroffen werden.

"Nicht nur Schutzweste, auch Pistole"

Ähnlich hatte sich vor zwei Wochen in der Fernsehsendung "Bericht aus Berlin" Bundesinnenminister Thomas de Maizière geäußert und einen Vergleich gezogen zu bestehenden Möglichkeiten zur Gefahrenabwehr in der analogen Welt. Der CDU-Politiker hatte darauf verwiesen, dass etwa ein Polizist im Einsatz nicht nur eine Schutzweste trage, sondern auch eine Pistole.

Das Beispiel lässt sich aber nur sehr bedingt auf das Internet übertragen. So erkennt ein Ordnungshüter vor Ort in der Regel zumindest recht schnell, mit welchem Angreifer er es zu tun und welches Waffenarsenal dieser zur Verfügung hat. Im Netz sind Attacken dagegen gut zu verschleiern, es ist nur sehr schwer und manchmal gar nicht möglich, sie einer konkreten Person oder Hackergruppe zuzuschreiben, geschweige denn einer dahinterstehenden staatlichen Macht.

Angesichts dieser Unsicherheiten ist auch völlig offen, ob überhaupt die Polizei zurückschlagen sollte oder eher die geplante Cyberstreitkraft der Bundeswehr oder etwa Experten des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) oder des Bundesnachrichtendienst (BND). Wer selbst als staatlicher Hacker erfolgreich sein will, braucht zudem in der Regel Wissen über bislang unbekannte Sicherheitslücken in Form von Zero Days, was den Handel mit solchen besonders gefährlichen Exploits anfeuern und die IT-Security insgesamt weiter unterwandern würde. Die Regierung sucht zudem bereits jetzt händeringend nach IT-Spezialisten für Sonderaufgaben wie das Knacken von Verschlüsselung.

"Digitaler finaler Rettungsschuss"

Trotz dieser generellen Schwierigkeiten mit Cyber-Gegenschlägen hat der geheim tagende Bundessicherheitsrat unter Vorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Ende März nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR eine Machbarkeitsstudie für eine Hack-Back-Strategie in Auftrag gegeben. Ergebnisse sollen bis zum Sommer vorliegen.

In Regierungskreisen ist laut dem Bericht in bester Science-Fiction-Manier schon von einem "digitalen finalen Rettungsschuss" die Rede. Dieser könnte etwa bei Angriffen auf kritische Infrastrukturen wie Stromnetze oder einem Versuch für einen weiteren Bundestagshack abgefeuert werden. In Berlin gebe es die Hoffnung, so auch Server quasi abschießen zu können, auf denen gestohlene Daten lagern.

In Europa hat unter anderem die britische Regierung bereits eine bis 2021 reichende Cybersicherheits-Strategie verabschiedet. Dabei setzt sie neben Verteidigung auch klar auf Abschreckung. Schatzkanzler Philip Hammond betonte im November: Es müsse jedem klar sein, dass die Nation "sich im Cyberspace verteidigen und gegen die zurückschlagen wird, die unserem Land schaden wollen". Die Bundesregierung hat derweil unter anderem bereits beschlossen, das Cyberabwehrzentrum auszubauen und das BSI zu verstärken. Neue EU-Vorgaben zur IT-Sicherheit sollen gerade umgesetzt und mit Deep Packet Inspection (DPI) sowie Netzsperren aufgebohrt werden. (anw)

104 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Innenministerium will bei Cyberangriffen zurückschlagen

    Hackerangriff

    Einem Zeitungsbericht zufolge plant das Innenressort eine staatliche Einheit von IT-Spezialisten einzurichten, die Cyberattacken auf kritische Infrastrukturen mit Gegenangriffen beantworten und feindliche Server ausschalten kann.

  2. Cybersicherheit: Großbritannien will gegen Hacker zurückschlagen

    Computer-Tastatur

    Die britische Regierung hat eine neue, über 2 Milliarden Euro schwere Cybersicherheits-Strategie für die nächsten fünf Jahre beschlossen. Dabei setzt sie neben Verteidigung auch klar auf Abschreckung.

  3. Regierung will IT-Sicherheitsforschung ausbauen

    Regierung will IT-Sicherheitsforschung ausbauen

    Bundesforschungsministerin Johanna Wanka hat in Berlin den weiteren Ausbau der IT-Sicherheitsforschung angekündigt, unter anderem mit einem Forschungsprogramm für sichere Quantenkommunikation.

  4. Cybersicherheit: Verfassungsschutzchef warnt vor "digitalen Zeitbomben"

    Cybersicherheit: Verfassungsschutzchef warnt vor "digitalen Zeitbomben"

    Die russische Hackergruppe APT28 und Ransomware machten Experten auf der Potsdamer Sicherheitskonferenz als größte Bedrohungen im Netz aus. Staatsschützer sehen im Cyberraum die "Achillesferse westlicher Nationen".

  1. "Ich nutze nicht einmal ein Smartphone"

    Datenschutz, Netzwerk, Sicherheit

    Ein Leben ganz ohne Smartphone? Auf wen könnte das zutreffen? Auf Bundesforschungsministerin Johanna Wanka oder den Sicherheitsexperten Eugene Kaspersky? Lesen Sie die Antwort im Doppelinterview.

  2. Türkei holt Hacker an die Cyberfront

    Die für Cybersicherheit zuständige Behörde BTK will junge Hacker bezahlen, um die "nationale Sicherheit" Tag und Nacht zu schützen

  3. Hacking of the Maine?

    Eine Expertenrunde berät über Gegenschläge im Fall ausländischer Angriffe auf die IT-Infrastruktur, obwohl das Problem der Verursacheridentifikation weiterhin ungelöst ist

  1. ARD und ZDF fordern jährliche Gebührenerhöhungen

    Rundfunkbeitrag soll zunächst auf 18,28 Euro steigen

  2. TT Isle of Man 2017

    TT Isle of Man feierte 2017 ihr 110. Jubiläum und die Zuschauer strömten wie eh und je zu Tausenden auf die idyllische Insel in der Irischen See. Wegen der Verletzung von Altmeister John McGuiness lief es auf ein Duell zwischen Ian Hutchinson und Michal Dunlop hinaus. Doch es gab auch einige Überraschungen

  3. Fahrbericht aus dem Kia Soul der zweiten Generation

    Fahrbericht aus dem Kia Soul der zweiten Generation

    Der Soul ist mit seiner Optik zwar der coolste Kia, doch wurden in Deutschland letztes Jahr gerade mal 590 Stück angemeldet. Nach der Modellüberarbeitung sollen es über 3000 pro Jahr werden. Da muss also richtig was passiert sein mit dem Soul

  4. Fahrbericht: VW Tiguan 2.0 TSI Allspace

    Der VW Tiguan der zweiten Generation, der sich seit 2016 zu ungeahnter Beliebtheit aufschwingt, kommt im November in einer Langversion zu uns. In den USA kommt er unter der schlichten Bezeichnung VW Tiguan bereits in diesem Sommer auf den Markt. Wir konnten ihn dort bereits kurz ausprobieren

Anzeige