Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.702.856 Produkten

Stefan Krempl 90

Blockchain: Moskau will Online-Abstimmungen technisch nachvollziehbar machen

Moskau

Moskau

Bild: Oliver Klein, gemeinfrei (Creative Commons CC0)

Die Verwaltung der Stadt Moskau hat ein Pilotprojekt angekündigt, um die dezentrale Datenbanktechnik Blockchain in ihr E-Voting-System "Aktiver Bürger" zu implementieren. Abstimmungen sollen so glaubwürdiger werden.

Russland gilt vielfach als "lupenreine Demokratie" mit gehörigen Schwächen. Die Stadt Moskau zumindest will sich nun aber daran machen, Online-Abstimmungen über ihr E-Voting-System "Aktiver Bürger" sicherer, transparenter und nachvollziehbarer zu machen, um die Glaubwürdigkeit der Stimmabgabe zu erhöhen. Dazu soll die bestehende Plattform mit der dezentralen Datenbanktechnik Blockchain verknüpft werden, mit der ein verteiltes Netzwerk die durchgeführten Transaktionen selbst verifiziert. Die entsprechenden Prozesse sollen alle Nutzer letztlich in Echtzeit verfolgen und sich so von der Hieb- und Stichfestigkeit der Ergebnisse überzeugen können.

Anzeige

Bei einer Blockchain handelt es sich um ein verteiltes, in der Regel offenes Transaktionsregister, über dessen validen Zustand sich die Beteiligten mithilfe von Peer-to-Peer-Technologien (P2P) und Verschlüsselung überzeugen können. In Moskau soll im Rahmen des von der Stadtregierung am Anfang der Woche angekündigten Pilotprojekts nun jeder Nutzer Teil der Blockchain für die E-Voting-App als Knoten im entsprechenden P2P-Netz werden können. Jede Abstimmung wird dem Plan nach als "smarter Vertrag" mit fester Programmierungslogik angelegt, der öffentlich einsehbar ist. Die Resultate sollen in einem Register zu allen durchgeführten Voten abgelegt werden, die in dem Netzwerk stattgefunden haben. So will die Verwaltung garantieren, dass keine Daten verloren gehen oder nachträglich verändert werden.

Die Moskauer Behörden haben nach Angaben des federführenden IT-Referats beschlossen, dass die bestehende Architektur für das Online-Wahlsystem zunächst beibehalten und mit einer Blockchain-Technik auf Basis des Ethereum-Systems verbunden wird. Während des Probebetriebs sollen die Stimmabgaben über die App beziehungsweise die Webseite an den bisherigen Server und gleichzeitig zu der bisher eingesetzten Standard-Datenbank sowie in die neue Blockkette übertragen werden. Damit will die Verwaltung die Verfügbarkeit des Systems, die Verträglichkeit künftiger Updates, die Geschwindigkeit der Datenverarbeitung die korrekte Synchronisierung der Netzknoten überprüfen. Wird der Test bestanden, ist geplant, die gesamten Daten mit Blockchain-Technologie zu speichern und das Verfahren auf andere kommunale IT-Projekte auszudehnen. Auch Kosten sollen so gespart werden.

Moskaus Chief Information Officer (CIO), Artem Ermolaev, zeigte sich überzeugt, mit dem Experiment "das Vertrauen zwischen den Bürgern und der Regierung stärken" zu können. Es handle sich um die erste großflächige städtische Initiative weltweit, mit der E-Voting mit der Blockchain unterfüttert werden solle. Laut offiziellen Angaben nutzen mittlerweile 1,9 Millionen Moskowiter die Bürgerplattform im Rahmen einer umfassenden "Smart City"-Initiative. Sie haben sich darüber etwa für Tempolimits im Stadtzentrum, strengere Auflagen für Bautätigkeiten während der Nacht oder die Erweiterung von Fahrradwegen ausgesprochen. Politische Wahlen werden nicht über die Anwendung abgewickelt. Ganz die ersten sind die Moskauer mit dem Blockhain-Vorhaben nicht: Die dänische Liberale Allianz nutzte die Technologie schon 2014 für eine elektronische Abstimmung. (Stefan Krempl) / (kbe)

90 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Schweizer Kryptovalley: Digitale Identität auf der Blockchain

    Bitcoin

    Eine Schweizer Gemeinde – das Städtchen Zug – gibt als erste Kommune der Eidgenossenschaft ab Herbst allen ihren Bürgern die Möglichkeit, eine "digitale Identität“ auf Blockchainbasis zu erhalten.

  2. Missing Link: Smart City Moskau - WLAN satt, 200 digitale Verwaltungsdienste, 170.000 Kameras

    Moskau

    Moskau als Vorreiter für Smart Cities? In der russischen Hauptstadt sind Ämter, Kliniken, Ärzte, Schulen und kommunaler Fuhrpark vernetzt, Videoüberwachung ist allgegenwärtig. Eine zentrale staatliche Datenbank für Bürger-Profile soll es aber nicht geben.

  3. E-Autos: Innogy entwickelt Ladestations-Plattform mit Blockchainzahlungen

    E-Autos: Innogy bringt Ladestationen an die Ethereum-Blockchain

    Mit "Share & Charge" will Innogy eine Plattform bieten, über die Anbieter von Ladestationen und strombedürftige E-Auto-Besitzer miteinander ins Geschäft kommen können. Die Laderechnung wird dann mit Hilfe von Blockchaintechnik beglichen.

  4. Aktienkurs verdoppelt: Kodak setzt jetzt auch auf Blockchain und Kryptogeld

    Aktienkurs verdoppelt: Kodak setzt jetzt auch auf Blockchain und Kryptogeld

    Kodak will einen Fotomarktplatz mit Bildlizenzverwaltung auf Basis einer Blockchain hochziehen – eigenes Kryptogeld namens Kodakcoin inklusive. Der Aktienkurs stieg nach der Ankündigung um satte 120 Prozent.

  1. Was ist eine Blockchain?

    Bitcoins kennen Sie bestimmt - und wenn Sie wissen wollen, wie die dahinter stehende Technik Blockchain funktioniert, lesen Sie weiter.

  2. Verteilter Speicher: Dokumente an der Blockchain

    Verteilter Speicher: Dokumente an der Blockchain

    Die Kombination von Smart Contracts und Distributed File Storage bietet viele Möglichkeiten, Daten kostengünstig, aber dennoch sicher abzulegen und schnell verfügbar zu machen.

  3. Hier kommt die Blockchain ins Spiel

    Hier kommt die Blockchain ins Spiel

    Ob Logistik oder Versicherungen: Zahlreiche Branchen hoffen auf einen Wachstumsschub durch die Blockchain-Technologie. Ein Überblick.

  1. c't zockt Spiele-Review: Rust

    c't zockt Spiele-Review: Rust

    Beim Multiplayer-Survival-Spiel Rust gibt es nur ein Ziel: überleben! Nach vier Jahren Entwicklung im Early-Access-Bereich von Steam ist Rust nun offiziell für Windows, macOS und Linux verfügbar.

  2. Ost-Ghouta und Afrin: Im Nebel der Fake News von allen Seiten

    Erschütternd ist, wie im Syrien-Konflikt Staatsmedien ungeniert Propaganda oder PsyOps betreiben und viele Medien auf der einen oder anderen Seite mitmischen

  3. Welt-Pressefoto des Jahres 2017: Die Nominierungen stehen fest

    Zivilisten während der Kämpfe um die irakische Stadt Mossul

    Bilder von Krieg und Frieden, Liebe und Hass, Natur und Naturzerstörung – mehr als 4500 Fotografen haben sich am World Press Photo Contest für das beste Pressefoto des Jahres 2017 beteiligt, nun steht die Vorauswahl für die besten Aufnahmen fest.

  4. Ducati Scrambler Hashtag

    Ducati Scrambler Hashtag

    Es klingt zunächst so, als sei auch die Motorradindustrie im digitalen Zeitalter angekommen. Ducati bietet ein Modell namens Scrambler Hashtag an. Das Gartenzaun-Symbol soll darauf hinweisen, dass es ausschließlich im Internet bestellbar und deshalb günstiger ist

Anzeige