Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.508.171 Produkten

Martin Holland 308

BND verheimlichte angeblich NSA-Hintertür in Überwachungskameras

NSA-Skandal: BND verheimlichte angeblich NSA-Hintertür in Überwachungskameras

Bereits 2005 soll der Bundesnachrichtendienst auf eine Hintertür in Überwachungskameras gestoßen sein. Die sendeten wohl Daten an den US-Geheimdienst NSA. Konsequenzen hatte das keine, denn der BND habe das verheimlicht, berichten deutsche Medien.

Der BND hat dem Verfassungsschutz und anderen deutschen Behörden verschwiegen, dass er schon 2005 eine Hintertür in Videoüberwachungssystemen entdeckt hat, die vor allem in hochsensiblen Sicherheitsbereichen wie Serverräumen installiert werden. Das berichtet das MDR-Magazin Fakt in seiner Sendung vom heutigen Dienstag (21:45 Uhr) unter Berufung auf einen als geheim eingestuften BND-Bericht. Demnach hat der US-Hersteller NetBotz gezielt geheime Zugänge in seiner Überwachungskameras eingebaut. Der BND habe davon jahrelang gewusst, aber die Informationen für sich behalten – aus Angst vor politischen Konsequenzen.

Erkenntnisse ohne Konsequenzen

NSA-Skandal

NSA

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthüllt.

Dem Bericht zufolge wurde der BND bereits im Jahr 2005 auf die Hintertür in den Kameras hingewiesen. Bei einer eigenen Überprüfung sei dann festgestellt worden, dass die Geräte tatsächlich versuchten, unberechtigt eine IP-Adresse zu kontaktieren, die einem US-amerikanischen Militärserver zuzuordnen war. Der deutsche Auslandsgeheimdienst habe diese dem für die Spionageabwehr zuständigen Bundesamt für Verfassungsschutz aber nicht mitgeteilt. Grund sei die Furcht vor möglichen politischen Implikationen gewesen, beispielsweise hätte die NSA ihre Kooperation beenden können. Der Verfassungsschutz habe erst 2015 von den Hintertüren erfahren, da hatte die Bundesanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen.

NetBotz stellt Zeit Online zufolge Überwachungsgeräte für Hochsicherheitsbereiche her. Die filmen ihre Umgebung nicht nur, sondern verfügen auch über hochempfindliche Mikrofone und sammeln Temperaturdaten. Diese Daten sind für US-Agenten äußerst wertvoll, etwa um herauszufinden, welche Mitarbeiter in den streng geschützten Bereichen arbeiten und sich als Ziele für weitere Maßnahmen lohnen. Dass die NSA so agiert, geht aus den Snowden-Dokumenten hervor. In Deutschland sind NetBotz-Geräte demnach unter anderem im Rechenzentrum des Frankfurter Flughafens installiert worden. Auch dessen Betreiber sei nicht informiert worden, selbst als BND-Chef August Hanning Ende 2005 ins Innenministerium wechselte, wo er als Staatssekretär für die Flugsicherheit zuständig war.

Überwachungstechnik gezielt für Spionageziele

Fakt zufolge hatte NetBotz im Jahr 2007 gezielt versucht, von einem deutschen Unternehmen übernommen zu werden. So habe der Konzern die US-amerikanische Herkunft der eigenen Technik verschleiern und einen besseren Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen erlangen wollen. Vorher schon habe das Unternehmen die eigenen Geräte gezielt unter Wert angeboten und vor allem Kunden im Bereich Hightech und Rüstung zu gewinnen gesucht. Das Unternehmen sei dann vom französischen Großkonzern Schneider Electric übernommen worden. Der ist nach eigener Aussage weder von französischen noch von deutschen Behörden über den Spionagevorwurf informiert worden. Keine der von Fakt angefragten Behörden hätten die Vorwürfe kommentiert. (mho)

308 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Bericht: Überwachungskameras mit NSA-Hintertür weiter vielerorts im Einsatz

    Server

    Vor einigen Wochen hat Fakt enthüllt, dass im Rechenzentrum des Frankfurter Flughafens Überwachungstechnik installiert war, die eine Hintertür für US-Geheimdienste hatte. Nun nennt das MDR-Magazin viele weitere betroffene Unternehmen und Behörden.

  2. Geheimakte BND & NSA: Die rätselhafte Supergeheim-Operation Glotaic

    Geheimakte BND & NSA: Die rätselhafte Supergeheim-Operation Glotaic

    Nicht nur im Rahmen von Eikonal sondern auch mit einem Programm namens Glotaic hat der BND daran gearbeitet, einen Netzbetreiber direkt anzuzapfen. Trotz NSA-Untersuchungsausschuss bleiben viele Details dazu aber im Dunkeln.

  3. Geheimakte BND & NSA: Operation Eikonal – das Inland als "virtuelles Ausland"

    Geheimakte BND & NSA: Operation Eikonal – das Inland als "virtuelles Ausland"

    Der BND ist überzeugt, dass Nicht-Deutsche vom Fernmeldegeheimnis des Grundgesetzes nicht oder zumindest weniger stark geschützt sind. Deswegen wird alles mögliche zum Ausland erklärt, auch große Kabelknoten in Deutschland, erfuhr der NSA-Ausschuss.

  4. Ex-Verfassungsschutzchef: Glasfaseroperation Eikonal "hat mit Spionage nichts zu tun"

    Bundestag

    Im NSA-Untersuchungsausschuss musste sich am Donnerstag auch der frühere oberste Staatsschützer Heinz Fromm zu heiklen Themen wie Netzüberwachung in Frankfurt, Beihilfe zum US-Drohnenkrieg, Schwächen bei der Spionageabwehr und XKeyscore äußern.

  1. Ausspähen unter Freunden geht doch!

    Codename SUSLAG - BND nutzte NSA-Material zur Ausspähung von Freunden und Verbündeten

  2. NSA-Skandal und kein Ende: Was bisher geschah

    Angela Merkel

    Seit inzwischen zwei Jahren geben die Enthüllungen rund um die NSA und ihre Partner einen Einblick in den gigantischen Überwachungsapparat westlicher Geheimdienste. Wir haben die bedeutendsten Erkenntnisse und wichtigsten Reaktionen erneut zusammengefasst.

  3. Wollte die NSA Siemens ausspionieren?

    BND kooperiert angeblich mit 451 Geheimdiensten aus 167 Ländern

  1. Kommentar: Microsoft sollte Windows-Sicherheit endlich ernst nehmen

    Kommentar: Microsoft sollte Windows-Sicherheit endlich ernst nehmen

    Für Microsoft sind Sicherheitsupdates nicht wichtig genug, um sie außerhalb des Patchdays auszuliefern. Das ist eine unverständliche Priorisierung, findet Fabian Scherschel.

  2. Acer Predator Triton und Predator Helios 300: Gaming-Notebook mit GTX 1000

    Acer Predator Triton: Gaming-Notebook

    Zwei Gaming-Notebooks: Das mit 15,6-Zoll-Display wiegt recht wenig und hat ein durchsichtiges Touchpad an ungewöhnlicher Stelle, das mit 17-Zoll-Display kommt zum günstigen Preis oder mit Vollausstattung von Vierkern-CPU bis GTX 1060.

  3. Bundestag gibt grünes Licht für einheitliche Ladegeräte – Funkabschottung befürchtet

    Bundestag gibt grünes Licht für einheitliche Ladegeräte – Funkabschottung befürchtet

    Das Parlament hat die neue EU-Richtlinie für Funkanlagen ins nationale Recht umgesetzt und den drohenden Verkaufsstopp von WLAN-Routern und Handys abgewendet. Kritiker befürchten aber eine geschlossene Welt funkfähiger Geräte.

  4. Call of Duty WW2: Spektakulärer Trailer der Weltkriegs-Ballerorgie

    Call of Duty WW2: Trailer der Weltkriegs-Ballerorgie

    Am 3. November können Spieler in Call of Duty WW2 den Zweiten Weltkrieg nachspielen. Jetzt gibts einen ersten Trailer mit Spielszenen.

Anzeige