Logo von heise online

Suche
Abonnieren

Tägliche Top-News bei WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram & Insta

preisvergleich_weiss

Recherche in 1.735.396 Produkten

Martin Holland 308

BND verheimlichte angeblich NSA-Hintertür in Überwachungskameras

NSA-Skandal: BND verheimlichte angeblich NSA-Hintertür in Überwachungskameras

Bereits 2005 soll der Bundesnachrichtendienst auf eine Hintertür in Überwachungskameras gestoßen sein. Die sendeten wohl Daten an den US-Geheimdienst NSA. Konsequenzen hatte das keine, denn der BND habe das verheimlicht, berichten deutsche Medien.

Der BND hat dem Verfassungsschutz und anderen deutschen Behörden verschwiegen, dass er schon 2005 eine Hintertür in Videoüberwachungssystemen entdeckt hat, die vor allem in hochsensiblen Sicherheitsbereichen wie Serverräumen installiert werden. Das berichtet das MDR-Magazin Fakt in seiner Sendung vom heutigen Dienstag (21:45 Uhr) unter Berufung auf einen als geheim eingestuften BND-Bericht. Demnach hat der US-Hersteller NetBotz gezielt geheime Zugänge in seiner Überwachungskameras eingebaut. Der BND habe davon jahrelang gewusst, aber die Informationen für sich behalten – aus Angst vor politischen Konsequenzen.

Anzeige

NSA-Skandal

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthüllt.

Dem Bericht zufolge wurde der BND bereits im Jahr 2005 auf die Hintertür in den Kameras hingewiesen. Bei einer eigenen Überprüfung sei dann festgestellt worden, dass die Geräte tatsächlich versuchten, unberechtigt eine IP-Adresse zu kontaktieren, die einem US-amerikanischen Militärserver zuzuordnen war. Der deutsche Auslandsgeheimdienst habe diese dem für die Spionageabwehr zuständigen Bundesamt für Verfassungsschutz aber nicht mitgeteilt. Grund sei die Furcht vor möglichen politischen Implikationen gewesen, beispielsweise hätte die NSA ihre Kooperation beenden können. Der Verfassungsschutz habe erst 2015 von den Hintertüren erfahren, da hatte die Bundesanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen.

NetBotz stellt Zeit Online zufolge Überwachungsgeräte für Hochsicherheitsbereiche her. Die filmen ihre Umgebung nicht nur, sondern verfügen auch über hochempfindliche Mikrofone und sammeln Temperaturdaten. Diese Daten sind für US-Agenten äußerst wertvoll, etwa um herauszufinden, welche Mitarbeiter in den streng geschützten Bereichen arbeiten und sich als Ziele für weitere Maßnahmen lohnen. Dass die NSA so agiert, geht aus den Snowden-Dokumenten hervor. In Deutschland sind NetBotz-Geräte demnach unter anderem im Rechenzentrum des Frankfurter Flughafens installiert worden. Auch dessen Betreiber sei nicht informiert worden, selbst als BND-Chef August Hanning Ende 2005 ins Innenministerium wechselte, wo er als Staatssekretär für die Flugsicherheit zuständig war.

Fakt zufolge hatte NetBotz im Jahr 2007 gezielt versucht, von einem deutschen Unternehmen übernommen zu werden. So habe der Konzern die US-amerikanische Herkunft der eigenen Technik verschleiern und einen besseren Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen erlangen wollen. Vorher schon habe das Unternehmen die eigenen Geräte gezielt unter Wert angeboten und vor allem Kunden im Bereich Hightech und Rüstung zu gewinnen gesucht. Das Unternehmen sei dann vom französischen Großkonzern Schneider Electric übernommen worden. Der ist nach eigener Aussage weder von französischen noch von deutschen Behörden über den Spionagevorwurf informiert worden. Keine der von Fakt angefragten Behörden hätten die Vorwürfe kommentiert. (mho)

308 Kommentare

Themen:

Anzeige
  1. Geheimakte BND & NSA: Operation Eikonal – das Inland als "virtuelles Ausland"

    Geheimakte BND & NSA: Operation Eikonal – das Inland als "virtuelles Ausland"

    Der BND ist überzeugt, dass Nicht-Deutsche vom Fernmeldegeheimnis des Grundgesetzes nicht oder zumindest weniger stark geschützt sind. Deswegen wird alles mögliche zum Ausland erklärt, auch große Kabelknoten in Deutschland, erfuhr der NSA-Ausschuss.

  2. Geheimakte BND & NSA: Die rätselhafte Supergeheim-Operation Glotaic

    Geheimakte BND & NSA: Die rätselhafte Supergeheim-Operation Glotaic

    Nicht nur im Rahmen von Eikonal sondern auch mit einem Programm namens Glotaic hat der BND daran gearbeitet, einen Netzbetreiber direkt anzuzapfen. Trotz NSA-Untersuchungsausschuss bleiben viele Details dazu aber im Dunkeln.

  3. Geheimakte BND & NSA: Achtung, Freund hört mit

    Geheimakte BND & NSA: Achtung, Freund hört mit

    Breiten Raum im NSA-Ausschuss nahm der Selektoren-Streit ein: Angefangen hatte alles mit der Enthüllung, dass die NSA den BND jahrelang unterwandert und ihm Suchbegriffe für die Überwachung untergejubelt hatte, die deutschen Interessen widersprachen.

  4. Geheimakte BND & NSA: Bad Aibling und die "Weltraumtheorie"

    Geheimakte BND & NSA: Bad Aibling und die "Weltraumtheorie"

    Der BND fängt über seine Außenstelle in Bad Aibling Kommunikation ab, die über Satelliten geleitet wird. Damit er die möglichst frei durchsuchen und weitergegeben werden darf, haben sich die Verantwortlichen eine Theorie zurechtgelegt – trotz Protestchen.

  1. Wie der BND die deutschen Medien steuerte

    Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom über Verbindungen der geheimen Dienste, die bis in die Chefredaktionen der größten deutschen Medien reichen

  2. Was steckte hinter der netzpolitik.org-Affäre?

    Corrective.org sieht Parlamentarier als das eigentliche Ziel der Ermittlungen

  3. Neues BND-Gesetz: Weltpolizist BRD im rechtlosen Raum

    Am 21. Oktober Abstimmung im Bundestag - Illegales Handeln soll nun legalisiert werden

  1. Vorstellung: Nissan Leaf 2

    Nissan Leaf 2

    Nissan stellt die zweite Version des Bestsellers Leaf vor. Konzeptionell sind die Unterschiede zum Vorgänger, abgesehen vom üblichen Batteriewachstum, gering. Kaizen, die schrittweise Verbesserung, hat sich aber als Erfolgsrezept bewährt, und dabei darum bleiben die Japaner dabei

  2. Keine Strafen: Österreich zieht neuem Datenschutz die Zähne

    Überlebensgroße Statuen, die herzlich lachen

    In letzter Minute nimmt Österreich der neuen EU-Datenschutzverordnung den Biss, die meisten Verstöße werden straffrei bleiben. Und Datenschutz-NGOs dürfen keinen Schadenersatz eintreiben.

  3. Lexus ES in siebter Generation

    Lexus ES

    Nach seiner Vorstellung auf der Peking Motorshow kommt der Lexus ES erstmals auch in Europa auf den Markt. Ab Januar 2019 soll eine modernisierte Version auf Toyotas neuer Basis TNGA mit Hybridantrieb in Europa das etwas größere Standardantriebsmodell Lexus GS ablösen

  4. Autonomes Parken am Airport Hamburg

    alternative Antriebe, Autonomes Fahren

    Volkswagen, Porsche und Audi testen am Airport Hamburg das autonome Parken. Fahrer sollen vorm Parkhaus ihr Auto abgeben können – und während es einparkt und vielleicht auch Strom lädt, geht der Mensch bereits zum Gate. Noch ist das Areal gesperrt, aber die Technik funktioniert

Anzeige