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Autovernetzung: Industrieschwergewichte kündigen Feldversuch für Cellular Vehicle-to-Everything an

Autovernetzung: Industrieschwergewichte kündigen Feldversuch für Cellular Vehicle-to-Everything an

public WLAN unter Druck: Die Mobilfunkindustrie arbeitet an einer eigenen Fahrzeugvernetzung, obwohl es dafür bereits WLAN-Technik auf Basis der Spezifikation 802.11p gibt (pWLAN). Doch dem 11p-Funk fehlt eine Netzanbindung. Auch reklamieren Mobilfunker bei direkter Fahrzeugkommunikation eine höhere Funkreichweite (violetter Kreis) gegenüber pWLAN (gelber Kreis).

Bild: Qualcomm

Sechs Schwergewichte aus IT-, Mobilfunk- und Autoindustrie setzen damit nicht nur ein Zeichen für neue und sehr schnelle Autovernetzung per Mobilfunk, sondern indirekt auch gegen die Vernetzung via pWLAN, das zum Beispiel VW einsetzen will.

Continental, Ericsson, Nissan, NTT DoCoMo, Oki und Qualcomm kündigen gemeinsame Feldversuche für die Fahrzeugvernetzung per Mobilfunk in Japan an. Eine grundlegende Spezifikation dafür hat die Mobilfunkindustrie unter dem Namen Cellular Vehicle-to-Everything (C-V2X) im Rahmen der LTE-Standardisierung bereits 2016 veröffentlicht. Qualcomm hat schon Ende Oktober zusammen mit AT&T, Ford und Nokia einen V2X-Feldversuch in den USA angekündigt.

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Ebenso wie in den USA, will das Konsortium in Japan die C-V2X-Spezifikation aus dem Release 14 des 3rd Generation Partnership Project (3GPP) umsetzen. Ziel sei es, die Eignung der Norm zu testen und ihre Vorteile zu demonstrieren, darunter eine "verbesserte Reichweite, verkürzte Latenzen und direkte Kommunikation im 5-GHz-Band". Netz-seitig dient LTE-Advanced (LTE-A) als Grundlage. Anhand der Ergebnisse wollen die Partner zunächst die Entwicklung ihres eigenen Mobilfunk-Ökosystems für vernetzte Fahrzeuge in Gang bringen. Die Daten sollen aber auch Organisationen und Regierungen als Entscheidungsgrundlagen dienen, um die Entwicklung von vernetzten Autos und des 5G-Mobilfunks voranzutreiben.

C-V2X ergänzt Sensoren wie Radar-, Lidar- und Kamera-Systeme, um Straßen- und Fahrzeuginformationen jenseits der Sichtgrenze des Fahrers mit sehr kurzen Signallaufzeiten auszutauschen (non-line-of-sight, NLOS). Zusammen mit Cloud-basierten Daten sollen Fahrzeuge so Gefahrensituationen auf größere Distanzen erkennen und helfen, Unfälle zu vermeiden. Dabei ist die C-V2X-Technik nicht grundsätzlich auf flächendeckenden Mobilfunk angewiesen, kann aber Daten, die sie von dort bezieht, einbeziehen – zum Beispiel bei Bremsentscheidungen vor einer unübersichtlichen Kurve, hinter der ein Stau beginnt.

Konkret will der Autozulieferer Continental das Referenz-Design 9150 C-V2X von Qualcomm einsetzen, um Bausteine zur Vernetzung von Nissan-Fahrzeugen zu liefern. Der Qualcomm-Chipsatz enthält unter anderem einen Empfänger für Navigationssateliten (Global Navigation Satellite System, GNSS).

Nissan will die Autos speziellen V2X-Tests unterziehen. Oki will die erforderliche Infrastruktur auf dem Versuchsgelände beisteuern (roadside unit, RSU) und Anwendungen zur Fahrzeugkommunikation mit der Infrastruktur demonstrieren (vehicle-to-infrastructure, V2I ). Dazu gehören beispielsweise Verkehrsampeln. Grundlage dafür wird ebenfalls Qualcomms Chipsatz 9150 C-V2X. Der Netzwerkzulieferer Ericsson beteiligt sich mit Prüfungen der Kommunikation zwischen Fahrzeugen und dem Mobilfunknetz (Vehicle-to-Network, V2N). NTT DoCoMo stellt dazu ein LTE-A-Netzwerk bereit. Qualcomms Vice President Nakul Duggal erwartet erste serienreife Autos mit C-V2X ab 2020.

Das Normungsinstitut IEEE tüftelt schon seit langem an der drahtlosen Fahrzeugvernetzung auf Basis von WLAN-Techniken (IEEE 802.11p). Erste Ansätze dazu lieferte die American Society for Testing and Materials schon 1999. VW plant, den 11p-Funk unter dem Namen pWLAN ab 2019 serienmäßig einzusetzen.

Mit 802.11p können Autos zwar direkt miteinander kommunizieren, und es gibt auch ein Konzept für Funkbaken (RSU), aber bisher wird es nur für drahtlose Mautsysteme eingesetzt. Übergreifende Infrastrukturen, etwa zu Leitstellen, die den Verkehr in Gang halten sollen, müssten für 11p erst aufgebaut werden. Entsprechend stellt der Mobilfunkzulieferer Ericsson heraus, dass C-V2X auf einer bereits etablierten und verbreiteten Technik gründet und darüber sowohl netzwerk-basierte als auch direkte Kommunikation bietet. Die Netzanbindung könne für höhere Verkehrssicherheit und besseren Verkehrsfluss genutzt werden, sagte Erik Ekudden, Chief Technology Officer von Ericsson anlässlich der Ankündigung des Feldversuchs.

So lässt sich die Haltung von Continental auch als Wink an Zulieferer der WLAN-Technik 802.11p lesen: Lars Schultheiss, Vice President von Continental in Japan, sagte zum V2X-Test: “Wir sind bereit, das Potenzial der Mobilfunktechnik auszuschöpfen, um fortgeschrittene Autofunktionen zu liefern". (dz)

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